iPad: Revolutionär oder nicht?
Was wenn der wahre Star gar nicht das iPad sondern der iBook Store ist?
Apple hat das iPad vorgestellt. Hat sich die Welt nun geändert? Was hat Apple richtig gemacht, was hätten sie besser machen können, was sogar besser machen müssen? Beyond-Print Chefredakteur Daniel Schürmann versucht einen soweit wie möglich objektiven Blick auf das gestern vorgestellte neue Apple-Produkt zu werfen.
Live dabei waren wir – zwar nicht vor Ort aber bei Kollegen aus den Staaten die Live vom Event gebloggt haben. Daher können wir sagen, dass die Veranstaltung und die Präsentation gelungen war. Steve Jobs versteht es wie kein zweiter auf seine sympatische Art die Leute zu begeistern und ein neues Produkt werbewirksam zu präsentieren (“Wir schauen Steve Jobs beim Surfen zu“). Darin versteht sich auch Apple gut. Über die letzten Monate wurden die iPad-Spekulationen immer wieder angeheizt, es gab viele Webseiten die angeblich Informationen von vertrauenswürdigen Quellen hatten. Doch was ist letztlich aus dem Gerät geworden, das eigentlich in zwei Display-Versionen und mit OLED-Bildschirm zum Preis von 1000 bis 2000 US-Dollar erwartet wurde?Apple stellt das iPad als „most advanced technology“ in einem magischen und revolutionären Gerät zu einem unglaublichen Preis dar. Es soll die Netbooks verstoßen, die sich zwischen Smartphones und Laptops breit gemacht haben. Doch das wird es nicht schaffen. Es ist kein Netbook-Killer. Warum nicht? Keine Flash-Unterstützung! Keine Kamera! Maximal 64 GB Speicher! Aber noch schlimmer: Kein Multitasking! Apple hat nicht verstanden, dass man mehr als ein Programm gleichzeitig laufen lassen möchte. Hier hätte man dringend nachbessern müssen und auch das iPhone Multitasking-fähig machen müssen.
Was jedoch den Reiz des Geräts ausmacht, ist das gesamte Paket. Es ist ein gutes Gerät, klein, leicht, und daher gut geeignet um im Netz zu surfen, E-Mails zu lesen und zu schreiben und um sich seine Multimedia-Dateien anzusehen. Zudem ist es schnell genug für ansprechende Spiele und bietet eine gute Palette an angepassten Anwendungen (iWork und viele Apps aus dem App Store). Was aber sicherlich, wie bereits iTunes und er App Store vorher, richtig einschlagen wird, ist der iBook Store und das dazugehörige Programm. Hier kann Apple sicherlich punkten. Auch wenn man den Trend zu mobilen Lesegeräten nicht gestartet hat. Aber das hat sich Apple zum Glück auch nicht auf die Stirn geschrieben, sondern fairerweise Amazon mit seinem Kindle als Pionier für das mobile Lesen von Inhalten genannt.
Bleibt zu sagen, dass der Preis durchaus vertretbar ist (vermutlich auch, weil alle mit einem höheren Preis gerechnet haben) und auch eine gute und relativ preiswerte UMTS-Anbindung verfügbar ist. Jedoch bekommt man für fast 900 US-Dollar technisch bessere Geräte. Aber: Apple bietet das gesamte Paket und das gibt es zu diesem Preis sonst nirgendwo. Apple hat verstanden, worum es geht: die Hardware nutzbar machen. Das können sie gut und haben es schon mit dem iPod und iPhone gezeigt.
Das iPad ist also kein revolutionäres oder magisches Gerät, es wird stattdessen die Branche aufwecken. Es wird die Konkurrenten zum Nachdenken anregen. Will man erfolgreich sein, und das wird Apple mit dem iPad sein, muss man seine Hardware einfach für die Kunden nutzbar machen. Es müssen angepasste Programme integriert sein und über einen einfach zu nutzenden digitalen Marktplatz (iTunes, App Store, iBook Store) Inhalte nachinstallieren lassen. Man muss also sagen, dass Apple ein gutes Produkt zum fairen Preis, mit sehr guter Software (bitte schnell das Multitasking nachreichen!) vorgestellt hat. Der Erfolg wird kommt – genauso die Nachahmer. Aber die Netbooks wird es nicht verdrängen sondern stattdessen seinen eigenen Markt finden bzw. seinen Markt erfinden.
Zu guter Letzt ein Gedankenspiel: Was, wenn es eigentlich nicht um das iPad an sich ging, sondern um das kleine neue „Baby“ von Apple? Den iBook Store! Wie iTunes wird auch der iBook Store bestimmt bald für Windows-PCs erscheinen und den Verlagen neue Möglichkeiten bieten, über einen digitalen Marktplatz ihre Inhalte an den Mann und die Frau zu bringen. Die Hardware auf dem die Inhalte angezeigt werden, ist austauschbar. Egal ob iPhone, iPod, iPad oder Netbooks, Windows Mobile oder Android Geräte. Wenn es Apple schafft, viele Plattformen den Zugang zum iBook Store zu ermöglichen, dann ist genau dieser iBook Store der große Coup der eigentlich nur nebenbei angekündigt wurde. (Daniel Schürmann)


