Telekom will Geld für Internetseiten

23. März 2010, 12:19 Uhr | Archiv

Manche Unternehmen lassen sich schon so einiges einfallen, um ihre Kassen zu füllen. Nun will die Telekom eine Gebühr einführen für Seiten wie Google, die einen hohen Datentransfer haben und ihnen einen Premiumzugang verkaufen. Was auf dem ersten Blick nach der Suche nach neuen Geldeinnahmen aussieht, könnte zur Internet-Zensur werden.

(Quelle: Pixelio // Fotograf: Peter Kirchhoff)

Wie ein Artikel der ZEIT am Montag berichtet, will Telekom-Chef René Obermann dem gebeutelten Unternehmen mit einer Internetgebühr für Seiten mit hohem Traffic neue Einnahmequellen erschließen. Schließlich ist die Konkurrenz auf dem Telefon- und Internetmarkt seit dem Ende der Monopolstellung 1998 stets härter geworden: Kunden bekommen seitdem immer billiger Flaterates und schnellere Internetleitungen. Da ist es kein Wunder, dass die Deutsche Telekom weniger Geld erwirtschaftet. Sie könnten nicht alles umsonst anbieten, brüskiert sich Obermann im Manager-Magazin. Daher müssten die zahlen, die das Web stark beanspruchen würden.

Ganz besonders erhofft sich Obermann Geld insbesondere von gewinnbringenden Konzernen wie Google. Wer mit der Infrastruktur der Telekom Geld erwirtschafte – so die Argumentation – könne dem Konzern für datenintensive Premiuminhalte dafür ruhig einen Obolus zahlen.

Was sich auf Anhieb nach einem fairen Prinzip anhört – wer das Netz stärker beanspruch, muss mehr zahlen – könnte sich zur Zensur und einer Zweiklassengesellschaft im Internet entwickeln. Denn dann würden die Internetprovider wie die deutsche Telekom darüber entscheiden, für welche Inhalte bezahlt werden müsste, um im Netz veröffentlicht zu werden. Um zum Beispiel am Geschäft von YouTube mit zu verdienen, könnte der Konzern in Bonn Videodaten gegen eine Gebühr bevorzugt durch das Netz leiten. Das WorldWideWeb könnte so seine demokratische Funktion als unabhängige Informationsquelle verlieren.

Beunruhigen müssen wir uns aber vorerst nicht: So hat EU-Kommissarin Neelie Kroes versichert, die Neutralität des Netzes müsse geschützt werden und Provider dürften die Inhalte nicht aus kommerziellen Gründen begrenzen. Auch die Bundesnetzagentur und Politiker von CDU und FDP äußerten sich dazu, das Grundrecht Internetneutralität zu schützen. Für Anbieter wie Google käme ein Premiumzugang aber genau recht. Geschwindigkeit ist für sie oberstes Ziel und erfolgsabhängig. Daher beständen laut zeit.de Verhandlungen von Google mit Netzbetreibern um einen exklusiven, schnelleren Datenverkehr gegen Geld. (Arne Unger | Quelle: zeit.de vom 22.3. und 6.2.)

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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