BP in Social Media unter Druck

14. Juni 2010, 11:07 Uhr | Archiv

Soziale Netzwerke wie z.B. Facebook bringen nicht nur Vorteile für Unternehmen, wie wir bereits berichteten. Eine höhere Transparenz und die Tatsache, dass dort jeder seine Meinung verbreiten kann, ist nun auch für den Ölkonzern BP zum bösen Omen geworden.

Quelle: bp.com

Die Ölkatastrophe am Golf von Mexiko ist noch lange nicht vorbei. Die bisherigen Versuche, das Ölleck zu schließen, scheiterten und so strömen pro Tag mehrere Millionen Liter Öl in den Pazifik. Die Medien berichten jeden Tag und mit den neuen Sozialen Netzwerken rutscht das Image von BP immer mehr ins Dunkle.

Wie schnell das ganze geschieht, zeigen die Anzahl der Follower des satirischen Twitter Accounts „BPGobalPR“, der sich als vermeintliche PR-Maschine des Ölkonzerns ausgegeben hatte: Am 25. Mai hatte der Account noch 18.000 Follower, heute sind es bereits mehr als 140.000.






Öffentliche Haltung gegenüber BP



Boykott-Logo (Quelle: Facebook.com)

Wie ist die Situation dort, wie reagieren die verschiedenen Communitys auf BP? Wir haben uns dem Netzwerk Facebook angenommen und fanden bei der Suche nach einer Seite des Ölkonzerns sofort den Vorschlag zur Seite „Boycott BP“, die bereits 600.000 Fans aufweisen konnte. Das sind 30x soviele, wie BPs offizielle Facebook-Seite hat. Die Authoren der Boykott-Seite rufen wie der Name bereits sagt zum Boykott gegen BP auf. Auch Marken, die ihre Rohstoffe von BP beziehen, wie Castrol, Arco, Aral, am/pm, Amoco, und Wild Bean Café sollen nicht weiter unterstützt werden. So liest man auf der Facebook-Seite:

„HEY MEDIA WE ARE CALLING FOR A WORLD WIDE BOYCOTT OF BP PRODUCTS AND SERVICES. NOT JUST IN THE USA!“

Doch nicht nur auf dieser Seite werden Stimmen gegen BP laut. Eine weitere Facebook-Seite ruft scherzhaft dazu auf, Beschäftigte von BP in das Leck zu stopfen, um den Ölaustritt zu stoppen. Mit Bildern verdeutlichen die Authoren der Seite ihre Meinung und Haltung gegenüber BP. Greenpeace hat sogar ein „Rebrand BP’s Logo“-Contest gestartet. Mit den Worten „BPs grünes Logo passt nicht zu einem Unternehmen, das in Teersand, dem dreckigsten Öl, das es derzeit gibt, investiert. Wir laden Euch ein, ihnen ein neues Logo zu erstellen, das passender für ihr dreckiges Geschäft ist.“ ruft Greenpeace die Leute auf, ein neues Logo für BP zu kreieren.






Social Media – Ein neues Zeitalter?



Greenpeace mit Logo-Contest (Quelle: greenpeace.org.uk)

Entsteht in der Weltgesellschaft nun etwas völlig Neues? Wird in dem Social Web eine Gewalt entstehen können, die dazu fähig ist, der Politik und den Unternehmen das Fürchten zu lehren?

Fest steht: Damals wäre BP noch glimpflich davon gekommen. Man hätte die Krisenregion abgeriegelt, die Öffentlichkeit mit Beschönigungen versorgt, auf ein paar Bilder von ölverklebten Vögeln gewartet und dann damit angefangen, das Image wieder auf Vordermann zu bringen. Was damals noch genau so funktionierte, ist heute viel schwieriger.

Im Social Web müssen sich Unternehmen transparent zeigen und sich der Öffentlichkeit stellen, sonst kann das Image noch schneller kaputt gehen.

Klaus Meier, Experte für Online-Journalismus verharmlost das ganze: „Man darf die jüngsten Entwicklungen auch nicht überschätzen.“ Es habe sich eigentlich nicht viel geändert seit dem Social Web. Wichtig sei jedoch, dass man im Social Web selbst die Themen bestimmen kann. So orientieren sich die traditionellen Medien immer mehr daran, was andere im Twitter, Facebook oder auf Blogs als wichtig sehen. So können auch sonst unbekannte Personen plötzlich im Rampenlicht der Medien stehen. Zudem ziehen Menschen, die das Internet nutzen, es heutzutage vor, ihre Informationen zuerst aus dem Netz zu holen. Dies bezeichnet Meier als ein neues Muster und eine große Chance für politische Kampagnen.

Doch das das ganze nicht nur von Vorteil ist, zeigt die aktuelle Situation von BP. Wenn die Menschen BP-Produkte, wie angekündigt, konsequent boykottieren, dann wären die Kosten für eine Imagerettung weitaus höher als die für das Stopfen des Öllecks. Anders als damals verbreiten sich durch die sozialen Netzwerke derartige Boykott-Aufrufe rasend schnell, wie das vorher genannte Beispiel der Facebook-Seiten zeigt. Gerade weil es den Journalisten schwer Fällt, konkrete Informationen aus BP herauszukitzeln, verfallen die Leute in Spekulationen oder geben falsche Informationen heraus. Und gerade das kann kann sehr gefährlich werden, wenn man sieht, wie schnell sich dort Informationen verbreiten können. So fällt Meier sein Fazit: „Sich den Wünschen nach mehr Transparenz zu entziehen, wäre früher für ein Unternehmen wie BP viel einfacher gewesen.“

Social Media ist ein mächtiges Werkzeug, doch wer es nicht richtig bedient, kann viel Unheil anrichten und sein eventuell über Jahre mühevoll erarbeitetes Image innerhalb von Tagen zunichte machen. (Marco Schürmann | Quellen: gizmodo.com, zeit.de)

Über den Autor

Marco Schürmann

2 Kommentare

  1. Antworten

    tellus29

    14. Juni 2010

    “HEY MEDIA WE ARE CALLING FOR A WORLD WIDE BOYCOTT OF BP PRODUCTS AND SERVICES. NOT JUST IN THE USA!”

    Das allein sollte nicht genügen. Auch PR-und Mediaunternehmen, welche BP unterstützen oder irgenwie von BP bzw. zugehörigen Unternehmen profitieren, sollten boykottiert werden. Weltweit!

  2. Antworten

    Anonymous

    29. Juni 2010

    ...

    Auf der sozialen Plattform Facebook wurde kurz nach der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko eine Gruppe gegründet, die zum Boykott von BP aufrief. Diese Gruppe hatte mittlerweile eine Mitgliederzahl von ca. 800.000 Menschen erreicht und nu...


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