Kommentar: Apple sollte sich schämen!

28. Juli 2010, 8:01 Uhr | Archiv

Apple nennt es Antennagate in Anlehnung an den US-Watergate Skandal. Doch wenn es nach Steve Jobs geht, gibt es keinen Skandal, wenn es um die iPhone 4 Antennen-Probleme geht. Doch statt sich trotzdem für das Design-Problem schlichtweg zu entschuldigen und eine offizielle Rückruf-Aktion zu starten, verhält man sich beinahe wie im Kindergarten.

Steve Jobs auf der WWDC 2010 bei der iPhone 4 Vorstellung (Quelle: engadget.com)

Kurz nach der Veröffentlichung des iPhone 4 kamen erste Berichte auf, wonach das neue Smartphone aus dem Hause Apple dazu neigt, Telefongespräche und Datenverbindungen abbrechen zu lassen, wenn man es unglücklich an der unteren linken Seite hält bzw. berührt. Es ist sozusagen der Schwachpunkt des Geräts, da die Antenne in die Seitenteile des Geräts eingebaut ist. Einige Wochen lang versuchte Apple das Problem durch Schweigen oder ein angekündigtes Software-Update beheben zu wollen. Doch dann kündigte AppleCare an, dass das Problem nicht durch ein Software-Update behoben wird sondern nur, wenn man es anders hält oder sich eine Schutzhülle zulegt.

Zufällig hat Apple zum ersten Mal bei einem iPhone-Start passende Schutzhüllen selbst im Angebot – vorher musste man immer auf Dritthersteller zurückgreifen. Als dann noch angeblich ein führender Antennen-Ingenieur von Apple gegenüber Bloomberg sagte, er und seine Kollegen hätten die Führungsetage von Apple vor möglichen Antennen-Problemen gewarnt und Apple hat dennoch das iPhone 4 mit diesem Mangel auf den Markt gebracht war vielen klar: Apple könnte vorsätzlich gehandelt haben. Um sein Image nicht ganz zu verlieren, kündigte Apple eine Pressekonferenz an.

Im Vorfeld wurde viel spekuliert: Startet man eine Rückrufaktion? Gibt es kostenlose Schutzhüllen für alle? Entschuldigt sich Apple-Boss Steve Jobs? Was würde er sagen, um das Antennen-Problem herunterzuspielen? Würde Steve Jobs zeigen, dass auch andere Smartphones ähnliche Probleme haben?

Quelle: engadget.com

Antworten auf diese Fragen gab es am 16. Juli: Es gibt kostenlose Schutzhüllen, eine Entschuldigung gab es nicht und man zeigte Videos in denen man mit anderen Smartphones angeblich die gleichen Probleme verdeutlichte. Steve Jobs‘ Ego schien angegriffen zu sein. Statt sich wie ein Erwachsener für die Pannen und Probleme zu entschuldigen (niemand hatte erwartet, dass man sich die Schuld eingesteht, aber eine Entschuldigung wäre dringend nötig gewesen!) zog man Mitbewerber auf dem Smartphone-Markt mit in den „Antennagate“-Skanal hinein. Wie im Kindergarten: Wenn es Ärger gibt, zieht man seine Kumpels mit hinein, wenn sie denn mitgemacht haben.

Apples eigene Kunden und die Medien haben Apple für die Probleme verantwortlich gemacht. Die Schüsse auf das Unternehmen aus Cupertino kamen nicht aus anderen Smartphone-Lagern wie von Nokia, Research in Motion, Samsung oder HTC. Dennoch versucht sich Apple damit rauszureden, dass andere Smartphone-Hersteller mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben und präsentierte Videos, die einen Signalverlust bei anderen Geräten zeigten. Doch schon während der sich der Pressekonferenz anschließenden Fragerunde, zeigte sich ein Problem: Ein Medienvertreter hatte versucht, die Empfangsprobleme eines BlackBerrys nachzustellen, die Apple in einem Video zeigte. Er hatte kein Erfolg. Steve Jobs wurde gebeten, es vorzuführen, erklärte aber nur: „Es gibt Gebiete, in denen das Problem nicht auftritt.“ Man zeigte zudem nur, dass der Empfang schlechter wurde, wenn man die Antenne der verschiedenen Geräten besser abschirmte. Nicht aber, ob auch Sprach- oder Datenverbindungen abrissen wie beim iPhone. Und das iPhone 4 hatte überall mit diesen Problemen zu Kämpfen, nicht nur in einigen Gebieten.

Apple zog also die Konkurrenten mit hinein in einen Sumpf, den Apple sich selbst geschaffen hatte. Natürlich ließ sich die Konkurrenz nicht lange bitten, und alle angesprochenen Hersteller erklärten, dass die von Apple geschilderten Probleme in eigenen Laboren nicht nachfolgen werden können. Hat Apple etwa bei den Videos gepfuscht? Das würde erklären, wieso Steve Jobs nicht versuchte, während der Q&A Runde das Problem auf einem Blackberry live zu reproduzieren. Zudem könnte man in den Videos die Empfangssignale auf anderem Video blockieren.

Weißes iPhone im Selbstbau (Quelle: engadget.com)

Vor wenigen Tagen dann stellte Apple ein neues Video vor, in dem Man Motorolas neuestes Smartphone, das Droid X mit Empfangsproblemen zeigte, wenn man es auf spezieller Art in den Händen hält. Doch weder Besitzer, noch unsere Kollegen von engadget konnten diese Probleme reproduzieren. Einige berichten sogar, dass sie trotz angelegter Hände besseren Empfang als vorher hatten. Und, ein Kommentator des Berichts erklärte „Fällt nur mir auf, dass in der Statusbar ‚3G‘ nicht angezeigt wird. Apple wird sehr wahrscheinlich die Einstellungen des Geräs verändert haben, um das Signal so weit es geht zu reduzieren.“

Nun gibt es also als Lösung für das iPhone 4-Antenneproblem kostenlose Schutzhüllen. Das revolutionäre und magische Gerät, das alles verändern wird (so Apples Werbung zum Start), mit seinem durchaus schönen Gehäuse und Design muss also in Plastik/Gummi verpackt werden, damit man es ohne Probleme zum Telefonieren und Surfen nutzen kann. Das wird Steve Jobs sicherlich freuen! Doch für das Verhalten sollte er und Apple sich schämen. Mit seinen treuen und zahlenden Kunden hätte man anders umgehen müssen. Doch wer weiß, vielleicht verzichtet man für das iPhone 5 ganz auf Glas und Metall und setzt die Hardware gleich in Plastik mit einer Gummischutzhülle. (Daniel Schürmann)

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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