Nähert sich ein Kampf der Titanen?

4. August 2010, 10:12 Uhr | Archiv

Die Spannung zwischen den ehemaligen Partnern Google und Apple besteht nicht erst seit gestern. Nach Googles Durchbruch auf dem mobilen Markt haben sich die Beziehungen zwischen Steve Jobs und Eric Schmidt gekühlt.

Seitdem wird der Streit immer persönlicher und ernster, die beiden Unternehmen sind zu Konkurrenten geworden. Das zeigt sich auch dadurch, dass beide Unternehmen mit Unterschied von einer Woche ihre neuen Produkte auf dem Markt eingeführt haben.

Quelle: business.chip.de

Der Nachfolger des revolutionären iPhones, das iPhone 4 ist schon seit fast einen Monat auf dem Markt erhältlich. Eine Euphorie unter den Anhänger ist zu spüren, aber über eine Sensation, so wie bei der ersten Generation, kann man nicht sprechen. Das liegt aber nicht nur daran, dass sich das Angebot dieser Smartphone-Geräte vervielfältigt hat und dass ihre Konkurrenzfähigkeit gestiegen ist. Es wurde bei dieser Ausführung das Design etwas schicker gestaltet, der Prozessor ist jetzt mit seinem 1GHz stärker geworden, der „Retina Display“ verfügt über eine Pixeldichte von 336 ppi und die Kamera kann jetzt Fotos in 5MP-Größe schießen. Bei dem iOS 4 sind ein paar Neuerungen zu entdecken wie zum Beispiel die optimierte Multitasking-Funktion, die verbesserte Ordner- und E-Mailverwaltung und die Unterstützung von iBook. Man kann über einen Upgrade der Hard- und Software sprechen: zu einer Revolution ist es aber nicht gekommen.

Darüber kann sich Google als neu Konkurrent von Apple natürlich nur freuen. Das eine Woche später nach iPhone 4 erschienene OS Android 2.2. („Froyo“) kann man schon auf Geräte, wie zum Beispiel das HTC NexusOne installieren. Die Meinungen darüber sind eindeutig: es wurden viele positive Änderungen im Vergleich zu seinem Vorläufer geschafft. Es ist deutlich schneller geworden, kann Flash-Anwendungen ausführen, braucht kein iTunes um MP3 Formate abzuspielen, kann das Handy zu einem Modem für mobiles Internet umwandeln und lässt die Installation von fremden Apps zu. Was bei dem Vergleich von den Browsern beider Hersteller festgestellt wurde ist, dass der von Froyo zu einem würdigen Gegner von Apples Safari geworden ist und dass er sogar knapp schneller ist.

Quelle: www.android-hilfe.de

Eins ist klar: es gibt schon mehrere Anwärter auf Apples Krone im mobilen Sektor und einige davon schaffen es, den Thron richtig zu erschüttern. Die Politik von dem von Steve Jobs gegründeten Unternehmen erleichtert ihre empfindliche Situation nicht. Nach der Erscheinung des iPhone 4 sind die ersten Testberichte und Kundenrezensionen ins Netz gestellt worden. Es wurde festgestellt, dass Apples Kunststück Empfangsstörungen zeigt wenn es mit der linken Hand gehalten wird, was selbst die Apple-Fans stark beunruhigt. Was aber wirklich die Massen verwundert ist die inadäquate Reaktion des Unternehmens auf dieses Problem: ihre Foren werden zensiert, negative Meinungen unzufriedenen Kunden werden gelöscht und bis jetzt wurde keine angemessene Lösung angeboten. Die Strategie aus diesem Fall ein Tabuthema zu erzeugen ist nicht die beste und kann zu Imageschaden führen und es sieht so aus als wäre das für Google eine günstige Gelegenheit.

Obwohl Eric Schmidt in seinem Interview vor dem Times einen direkten Angriff an Apple leugnet, gibt er zu, dass die Erfinder von den Mac-PCs „es sehr leicht machen sie zu schlagen“. Was, objektiv betrachtet, keine Aussage ohne Grund ist, auch wenn man die von Google geführte Politik sich näher anschaut. Sie setzen sich auf dem Markt mit ihren kostenloser und freibearbeitbarer Software und zeigen Interesse an Kundenkritik und Feedback. Das offene Verhältnis zu den Verbrauchern könnte dem allwissenden Giganten ein gutes Gefühl bei der Konkurrenzschlacht geben.

Quelle: www.chromeos.me

Ein weiterer Aspekt von Googles Fortschritt, der auch Schwierigkeiten für Apple bereiten könnte, ist das Linux-basierte Open Source Betriebssystem – Google Chrome OS, das zurzeit noch in der Entwicklungsphase ist. Es ist wieder für den mobilen Bereich vorgesehen: das Chrome OS soll sich für Geräte wie Netbooks und Tablet-PCs eignen. Das ist aber längst nicht alles, denn die Kreativen von Google Labs zeigen die Operationssysteme von einem neuen Blickwinkel: das Chrome OS soll ein vereinfachtes, auf Internet basierendes System sein. Es soll auch mit den Bewegungssensoren (wenn vorhanden) eines Geräts „kommunizieren“ können, um so zum Beispiel den Displayinhalt je nach Haltung der Geräts (Hochkant/Quer) auszurichten.

Aufgrund der letzten Ereignisse ist Apple etwas empfindlicher und verletzlicher geworden. Bedeutet das aber, dass Steve Jobs sich von Google überholen lässt? Kampf um den Platz als Marktführer wird es sicherlich geben, denn Herr Schmidt hat schon den Handschuh vor Apples Füße geworfen. Wer gewinnt – die Zeit wird es zeigen, aber eins ist sicher: es wird spannend. (Milena Stoimenova | Quellen: telegraph.co.uk; endgadget.com; chromium.org)

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Marco Schürmann

1 Kommentar

  1. Antworten

    Wilhelm Barth

    4. August 2010

    Toller Artikel! Sehr informativ


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