Test: E-Post-Brief der Deutschen Post

17. August 2010, 8:03 Uhr | Archiv

Vor vier Wochen startete die Deutsche Post ihren neuen Dienst, die „ePost“. Wir von Beyond-Print haben uns registriert und berichten von unseren Erfahrungen. Was bringt uns der neue Dienst, worauf gilt es zu achten und ist das ganze auch wirklich sicher? Dies und mehr erfahren Sie hier.

Quelle: bgland24.de

Unter der derzeitigen Adresse epost.de fand man damals noch einen freemail-Dienst der Deutschen Post, ähnlich wie z.B. GMX oder Web.de. Vor vier Wochen dann startete man auf der Seite den neuen Dienst, die sogenannte „ePost“. Sie soll als sicherer und zuverlässiger gelten als es bei herkömmlichen E-Mails der Fall ist und stellt eine Kombination aus traditioneller Postauslieferung und elektronischem Versand dar. Einen ähnlichen Weg will die Regierung mit der De-Mail einschlagen, doch auch hier erntete man bereits Kritik an der Sicherheit.

Ab dem 14. Juli nimmt die Deutsche Post Adress-Registrierungen entgegen. Bis die Registrierung vollzogen ist, dauert es jedoch unter Umständen mehrere Wochen. Ließ man die Kunden Anfangs noch warten, da man befürchtete, dass die Server unter der Last des Ansturms zusammenbrechen könnte, will man nun die Registrierungen schneller entgegennehmen. Bereits nach den ersten zwei Tagen der Einführung des neuen Dienstes wurden 250 000 Nutzer registriert.

Bei der Registrierung sind alle relevanten persönlichen Daten notwendig, die zur eindeutigen Identifizierung beitragen. Das fängt bereits bei der Wahl der E-Mail-Adresse an. So besteht die Adresse aus vorname.nachname@epost.de. Sollte es bereits eine Adresse mit dem Namen geben, so ist man gezwungen, Zahlen oder Zeichen hinter seinen Namen zu wählen, was zu unschönen Ergebnissen kommen kann (etwa vorname.nachname0179@epost.de).

Nachdem wir uns eine Adresse reserviert hatten, galt es erstmal, zu warten. Es hat knapp drei Wochen gedauert, bis der ganze Registrierungsprozess durchlaufen war. Immer musste man auf Briefe der Post warten, um die weiteren Schritte anzugehen. Nach erfolgreichen PostIdent-Verfahren, 4 Briefen, 2 E-Mails und 4 SMS war die Registrierung der ePost-Adresse dann endlich abgeschlossen.

Warum der Aufwand?
Der E-Postbrief soll den Nutzern Sicherheit vermitteln. Zwar verschlüsselt man die Nachrichten mit einer TLS-Verschlüsselung doch gilt diese nicht als vollständig sicher. Auch könnten Mitarbeiter die Nachrichten lesen, so ist das Briefgeheimnis nicht gewährleistet. Die Zielgruppe des E-Postbriefs sind Menschen, die sich den Weg zum Briefkasten sparen wollen und lieber bequem von Zuhause aus ihren Briefverkehr übernehmen wollen.

Angebot:

(Quelle: wdr.de)


Preislich gesehen sind die Kosten für einen Standard-E-Postbrief die gleichen wie auch bei einem normalen Brief. Demnach muss man selbst für einen ausschließlich elektronischen Versand zahlen. Das Angebot sieht wie folgt aus:

Elektronische Zustellung:
E-Postbrief (bis 20 Mbyte) – 0,55 €
Einschreiben Einwurf – 1,60 €
Einschreiben mit Empfangsbestätigung – 1,60 €

Klassische Zustellung:
Standard (bis 20g, 1-3 Seiten, SW) – 0,55 € (Aufpreis von 10 Cent pro Seite, wenn farbig)
Kompakt (bis 50g, 4-9 Seiten) – 0,90 € (Aufpreis von 10 Cent pro Seite, wenn SW; 20 Cent, wenn farbig)
Groß (bis 500g, 10-96 Seiten) – 1,45 € (Aufpreis von 10 Cent pro Seite, wenn SW; 20 Cent, wenn farbig)
Einschreiben – 2,44 €
Einschreiben Einwurf – 1,90 €
Einschreiben Eigenhändig – 4,58 €
Einschreiben Rückschein – 4,58 €
Einschreiben Eigenhändig Rückschein – 6,72 €
(Quelle: epost.de)

Kostenfrei sind Faxfunktion, E-Mail, sowie eine SMS-Benachrichtigung, beispielsweise für neu eingetroffene E-Post.

Kritik:

(Quelle: adservio.de)


Der E-Postbrief ist deutschlandweit in starke Kritik geraten. Erst gestern berichteten wir über die ernüchternden Testergebnisse der Stiftung Warentest. So seien unter anderem Sicherheit und Zuverlässigkeit bei dem neuen Dienst der Deutschen Post nicht ausreichend gewährleistet. Man hat keine Sicherheit, dass der Brief auch wirklich dort landet, wo er soll, auch eine Überprüfung der Adresse findet nicht statt, wodurch das Risiko, dass die E-Post woanders landet, steigt. Außerdem ist der Inhalt, der beim Empfänger ankommt, nicht immer der selbe wie der, den der Absender verschickt. PDF-Dateien werden neu formatiert und dadurch fehlerhaft, das Layout der Briefe wird geändert und Grafiken und Bilder wurden unvollständig ausgedruckt. „Stiftung Warentest“ bezeichnet den Dienst als „unfertig“. Doch neben diesen Kritikpunkten sind auch die Kosten des Dienstes zum Teil höher als die eines klassischen Briefes. So ist zum Beispiel ein Einschreiben mit Rückschein als E-Brief teurer als in der Filiale, da in der Filiale keine Mehrwertsteuer anfällt: Man zahlt 4,58 Euro statt wie gewohnt 3,85 Euro.

Der Standardbrief der E-Post ist bei der Option des Ausdruckens auf vier Seiten beschränkt. Außerdem werden die Briefe für einen nicht näher definierten Zeitraum bei der Post gespeichert.

Richard Gutjahr, freier Mitarbeiter und Moderator beim Bayerischen Rundfunk hat sich gemeinsam mit den Rechtsanwälten Udo Vetter und Thomas Stadler die AGBs der Post angesehen und kritisierte die dem Kunden auferlegten Pflichten und die Weitergabe von Daten an Dritte. Die Vertragsbedingungen verpflichten die Nutzer dazu, das E-Postfach täglich einzusehen und ggf. zu leeren, um den Eingang von E-Post zu gewährleisten. Wenn man der Veröffentlichung der Daten im Adressverzeichnis zustimmt, darf die Post munter Ihre Daten an Dritte weiter geben, was Spam und Reklame zufolge hat, selbst im E-Postfach. Stimmt man dem nicht zu, ist man kaum zu finden, denn bisher haben noch vergleichsweise wenige Menschen eine E-Postadresse.

Die Intention hinter dem E-Postbrief, die Sicherheit und Zuverlässigkeit, sei kaum gewährleistet. Zwar sollen die zugestellten Nachrichten als rechtssicher gelten und werden damit stets mit einer digitalen Signatur versehen, doch trägt die lückenhafte Verschlüsselung dazu bei, dass nur das Fernmeldegeheimnis, nicht aber das Briefgeheimnis angehalten wird. Auch ist es möglich, dass Ihre gesicherte E-Mail-Adresse bei z.B. Inaktivität an Werbevermarkter verkauft werden kann.

Fazit:
So wie der E-Postbrief derzeit aussieht, ist er auch in unseren Augen noch unfertig und kann seine Versprechen nicht einhalten. Bis die Deutsche Post die Dienste nicht nachgebessert hat, sollte man sich, wenn man sicher sein will, weiterhin auf die klassischen Briefe verlassen. Wir halten Sie über Änderungen und Neuigkeiten auf dem Laufenden und verfolgen das Thema gespannt. (Marco Schürmann)

Über den Autor

Marco Schürmann

4 Kommentare

  1. Antworten

    Economy Klaus

    10. Januar 2012

    Was ist der e-Postbrief? Vorteile, Nachteile, Kosten...

    Im Sommer 2010 präsentierte die Deutsche Post die neue Variante vom e-Postbrief, dessen Premiere bereits im Jahr 2000 schon einmal stand fand, bevor dieser Dienst 2005 eingestellt wurde. Mit dem neuen elektronischen Postbrief sollte nun alles besser un...

  2. Antworten

    Jens

    1. September 2011

    Nun bin ich 1 Jahr bei EPost. Da ich nicht täglich darauf zugreife und Spam vermeiden wollte habe ich meine Adresse nicht veröffendlicht. Es wäre ja sonst möglich das mir sonst jemand irgend eine Rechung oder Mahnung dort hin schickt und dann behauptet ich hätte diese bekommen. Ergebniss bis auf einen ersten Testbrief von EPost ist nichts im Postfach gelandet. Da bekomme ich mit normaler Email mehr Info und kann diese auch mit Thunderbird abrufen und speichern. All das geht mit EPost nicht! Und weil die ganze EPost so über flüssig ist wie Regen auf das Meer, werde ich dieses auch wieder kündigen. Dazu muss ich aber erst wieder meine Handy holen zum SMS-Tan empfang....

  3. Antworten

    Matze

    3. November 2010

    Es geht auch billiger und einfacher. es gibt bereits einiger Anbiter die einen Onlinebrief anbieten. z.b. onlinebrief24.de
    Hier kann man sich kostenlos anmelden und vor allem den Brief direkt aus Word versenden.
    man muß in also nicht erst hochladen und dann versenden. zu dem erhält man 5€ startguthaben bei dem man das ganze erstmal testen kann. Naja davon ist die Post weit weg.
    Gut finde ich das alle mal.
    Nur es muß eben nicht unbedingt über die Post sein.
    zumal farbige Briefe einfach zu teuer sind.

  4. Antworten

    Treysse

    8. September 2010

    Dem Hinweis, der E-Postbrief sei unfertig, kann ich mich nur anschließen.
    In Xing wurde zwischenzeitlich hierzu eine Gruppe gegründet. Diese finden Sie hier http://www.xing.com/group-57957.802089

    Mit bestem Gruß
    H. Treysse


Was meinen Sie zu diesem Thema?

Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

Schreibe einen Kommentar

* Pflichtangaben; Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
 

Copyright

Copyright 2015 Bernd Zipper, zipcon consulting GmbH

Archiv