iPad-Gegner: Hanvon TouchPad im Test

16. September 2010, 8:59 Uhr | Archiv

Einige Monate sind seit der Einführung des iPads von Apple vergangen und langsam aber sicher kommen weitere Hersteller mit ihren Tablets. Einer davon ist Hanvon. Das Unternehmen hat seit kurzem ein vielversprechendes Windows 7 Tablet auf dem Markt, welches dem iPad deutlich Konkurrenz machen könnte. Es hat den gleichen Formfaktor, hat allerdings die bessere Hardware und ist durch das Windows-Betriebssystem deutlich offener als das Apple-Gegenstück. Wir bekamen vom deutschen Vertrieb Papyrus ein Testgerät zur Verfügung gestellt und präsentieren Ihnen hier den ausführlichen Test.

TouchPad B10 mit Verpackung (Klicken für großes Bild)

Lieferumfang
Seit Anfang September ist das in China bereits länger erhältliche Windos 7 Tablet „TouchPad B10“ von Hanvon endlich auch in Deutschland zu haben. Für rund 800 Euro erhält der Käufer neben dem eigentlichen multitouch-fähigen Tablet in einer schicken und schlichten schwarzen Verpackung mit Magnetverschluss einiges geboten: So gibt es neben der üblichen Schnellstartanleitung und Garantiekarte noch eine Kurzbeschreibung des installierten Windows 7 Home Premium Betriebssystem, ein Aufladekabel mit Steckdosenanschluss (Aufladung über USB ist nicht möglich), sowie zwei Adapter, die vom miniHDMI des Geräts die Bildwiedergabe auf VGA oder HDMI ermöglichen. Ebenfalls befindet sich eine Display-Schutzfolie für das 10,1 Zoll-Display und ein Wischtuch im Lieferumfang. Alles in allem ein gelungenes Komplettpaket.

Für einen kleinen Aufpreis von rund 12 Euro gibt es zudem noch eine Hülle aus Kunstleder von Elvis, die allerdings keinen allzuguten Eindruck im Test hinterließ – sowohl optisch wie auch funktionell. Für den ersten Schutz jedoch reicht sie durchaus aus. Eine wertiger verarbeitete, hübschere Schutzhülle wäre aber durchaus wünschenswert. Gerne auch aus echtem Leder. Ein rund 800 Euro Tablet gehört stilsicher vor den Umwelteinflüssen geschützt, da würden Käufer des Tablets auch tiefer für in die Tasche greifen.

Beyond-Print auf dem TouchPad B10 (Klicken für größeres Foto)

Hardware und Technik
Das Hanvon TouchPad B10 liefert in Form eines Tablets die Hardware eines ausgereiften Netbooks mit. Das Gerät besitzt ein 10,1 Zoll LED-hintergrundbeleuchtetes kapazitives Multitouch-Display mit einer Auflösung von 1024×600 Pixel. Das Gerät besitzt eine eingebaute 2,5 Zoll Festplatte mit 250 GB Speicher (5400 upm), 2 GB DDR2-Ram und einen Intel Celeron ULV (Ultra Low Voltage) 743 mit 1,3 GHz der für die nötige Rechenpower sorgt. WLAN (802.11b/g) sowie Bluetooth V2.1+EDR sind verbaut – ein UMTS Modul fehlt leider. Eine 1,3 MP Kamera dient für schnelle Schnappschüsse oder Videokonferenzen. Speicherkarten können über einen SD-Slot ausgelesen werden. Ohne eingesteckte Karte schützt ein kleiner Gummistopfen den Slot vor Staub und Schmutz. Daneben besitzt das Gerät gleich zwei USB 2.0 Anschlüsse, ein eingebautes Mikrofon sowie Lautsprecher (aber ebenfalls Anschlussmöglichkeiten für externe Lautsprecher/Mikrofone) und zwei Display-Ausgänge. Einer davon ist mit HDMI gekennzeichnet und somit ein miniHDMI-Anschluss. Der zweite ist über einen Adapter als VGA-Ausgang umzufunktionieren. Die Grafikausgabe sowie Grafikberechnung übernimmt ein Intel Mobile 4 Series Express Chipset, der keine Probleme mit der 1080p Ausgabe von hochauflösenden Filmen, der Flashdarstellung oder älteren Spielen (sowie Flash-Spielen) hat.

Der Akku ist fest im Gerät verbaut und speichert 4800mAh. Das Gehäuse des TouchPad B10 besteht aus Aluminium und Kohlefaser, was besonders wertig wirkt. Als Gehäusefarbe kommt schwarz zum Einsatz. Eine silberne Variante soll es ebenfalls geben. Hanvons Tablet wiegt bei Außenmaßen von 253x168x18 mm 960 Gramm und ist damit etwas größer und schwerer als ein iPad. Als Betriebssystem kommt Windows 7 Home Premium zum Einsatz, welches als einzige Anpassung für die Multitouch-Oberfläche eine gute Display-Tastatur mitbringt.

Neben dem Stromanschluss gibt es auf der linken Geräteseite einen Lautstärkeregler, den An-/Aus-Knopf, einen Knopf zum De-/Aktivieren des WLANs sowie drei Funktionstasten, wovon eine standardmäßig für „Enter“ sowie die zwei anderen zur Reglung der Bildschirmhelligkeit eingesetzt werden. Die eingebauten Lautsprecher finden sich unten an den linken und rechten Seiten und sind somit relativ schnell durch die Hände verdeckt, was den Ton deutlich dämpft. Als kleine, schnell übersehene Funktion gibt es eine Art Trackpad an der unteren rechten Front. Darüber kann, zum Beispiel wenn man komplette Sicht auf das Touchdisplay benötigt, die Maussteuerung erfolgen. Eine kluge und geschickte Innovation, da sich so auch Mouse-Over-Effekte (wie zum Beispiel das Navigationsmenü hier auf Beyond-Print) möglich sind. Das iPad kann hier nicht mithalten.

Design und Bedienung
Da das komplette Gerät aus Aluminium und Kohlefaser besteht, wirkt es wertiger als das iPad und ist bei der ersten Berührung recht kühl. Die komplette Front (auf der auch das Hanvon Logo prangert) des TouchPad B10 glänzt stark, sodass ein Einsatz im Sonnenlicht nicht optimal möglich ist. Die Helligkeit des Displays an sich würde gerade noch reichen, doch durch Spiegelungen ist kein präzises Arbeiten mehr möglich. Die Rückseite des Geräts ist vollgepackt mit Aufklebern, angefangen mit der Geräteseriennummer, einem Windows 7 Sticker, der Windows 7 Home Premium Lizenznummer und einigem mehr – insgesamt 8 Sticker, die sich allerdings vom Gerät ablösen lassen (was wir nicht taten, da es sich nur um ein Testgerät handelt). Auf der Rückseite hat Havon zudem vier kleine Gummifüße verarbeitet, die sicheren und rutschfesten Halt bieten, wenn das Gerät zum Beispiel auf einen Tisch aufgelegt wird. Ein kleines aber feines Detail, an das Apple zum Beispiel beim iPad nicht gedacht hat. Vier kleine LED-Lämpchen zeigen zudem am oberen Geräterand an, ob das Gerät gerade lädt, ob Festplattenzugriffe stattfinden, ob die WLAN-Verbindung genutzt wird und ob es überhaupt angeschaltet ist oder sich im Energiesparmodus befindet.

Arbeiten über die Display-Tastatur (Klicken für größeres Foto)

Die Bedienung des Geräts ist ein wahrer Segen. Anschalten über den entsprechenden Knopf und innerhalb weniger Sekunden ist Windows 7 hochgefahren und Einsatzbereit. Soll es schneller gehen, fährt man das Gerät nicht mehr herunter sondern nutzt in Zukunft den Energiesparmodus. Im Standby wird das Tablet dann einige Tage mit Strom versorgt. Das Multitouch-Display ist sehr gut – es reagiert extrem gezielt und sicher auf Klicks. Auch das Tippen über die Bildschirmtastatur fällt einfach von der Hand, da die Tasten gut zu treffen sind, aber zugleich nicht zu groß sind sodass genügend vom Bildschirminhalt zu sehen bleibt. Über den Trackpad lässt sich zudem die Maus bedienen, wenn das Display frei von Fingereingaben bleiben muss. Neben der Software-Tastatur kann man ebenfalls über eine Handschrifterkennung Buchstaben und Wörter eingeben, wobei das nicht ganz so leicht von der Hand geht, wie das Tippen auf der Tastatur.

Anwendung in der Praxis
Ist Windows 7 hochgefahren, stellt sich gleich das bekannte Windows-Gefühl wieder ein. Es lassen sich alle Anwendungen ausführen, die auch am Laptop oder PC funktionieren: Word, Outlook, Minesweeper, Solitair, Photoshop, etc – wobei viele Programme über Netzwerk oder externe USB-Speichermedien installiert werden müssen. Ein CD/DVD-Laufwerk ist schließlich nicht integriert. Alle Anwendungen gehen flüssig von der Hand, man merkt es dem Prozessor nicht an, dass er eigentlich doch vergleichsweise wenig Power liefert. Super ist, dass bereits alle nötigen Treiber installiert sind – auch die Kamera ist gleich einsatzbereit und kann über Skype oder ähnliche Programme für Videotelefonie benutzt werden. Von Microsoft wurde zudem das Touch Paket installiert. Dabei handelt es sich um einige für die Touchbedienung angepasste Programme wie ein Google Earth ähnliches Programm namens „Surface Globe“ oder ein Spiel namens Blackboard.

Fehlen tut dem TouchPad ein Lagesensor. Dreht man das Gerät, passt sich der Bildschirminhalt nicht automatisch an – eine Windows-Funktion schafft hier jedoch Abhilfe. Was schnell auffällt und leider nervig ist, ist der eingebaute Lüfter. Schon nach kurzer Zeit springt dieser an und läuft ständig unter leisem surren. Während das iPad komplett geräuschlos ist, gibt es hier ein ständigen wahrnehmbaren Ton aus dem Gerät zu hören.

Was wirklich gut ist, ist die Tatsache, dass sich dank Windows 7 alle Windows-Programme nutzen lassen, wie man sie vom heimischen PC oder Laptop kennt. Auch sind kaum Anpassungen nötig, da viele Programme auf dem Touch-Display gut funktionieren. Nur beim Schreiben von Texten oder E-Mails nimmt die Bildschirmtastatur einigen Platz auf dem Display ein. Da auf Windows 7 Flash problemlos läuft, kann man hier wirklich das komplette Internet nutzen – beim iPad muss man hingegen auf Flash verzichten. Ein großer Vorteil ist zudem, dass über den miniHDMI-Anschluss alle Inhalte auch problemlos auf den Fernseher gebracht werden können. TouchPad an den TV anschließen, Video starten und zurücklehnen – klasse!

Leider ist das Gerät durch den eher schwachen Akku nicht allzu mobil. Nach rund drei bis vier Stunden, je nach Nutzung, muss der Akku aufgeladen werden, was leider dauert.

Fazit
Das Hanvon TouchPad B10 überzeugte im Test. Neben dem zu hörenden Lüfter muss man allerdings die die 250GB Festplatte mit mechanischen Teilen beachten: Bei schnellen Bewegungen könnte es zu einem Festplattecrash kommen, wenn der Lesekopf über die Platten der HDD schrammt. Hier wäre eine Flash-Festplatte angebrachter gewesen. Ansonsten gibt es wirklich bis auf den verbesserungsfähigen Akku nichts am TouchPad B10 von Hanvon auszusetzen. Es ist ein Windows 7 Tablet mit vollem Funktionsumfang, guter Hardware, einem schicken Gehäuse und vielen Anschluss- sowie Anwendungsmöglichkeiten. Durch das Betriebssystem eignet sich das Gerät gut für die Multimedia-Nutzung, aber seine Stärken spielt es vor allem im Business-Bereich aus. Es laufen alle Windows-Programme wie man es gewohnt ist, wodurch sich schnell vom PC auf das Tablet wechseln lässt und durch entsprechende Sync-Programme macht man dort problemlos mit seiner Arbeit weiter. Besser geht es kaum. Wenn in Zukunft der Akku mindestens doppelt, gerne auch drei- oder vierfach länger hält, hätten wir allerdings nichts dagegen einzuwenden.

Das TouchPad B10 gibt es unter anderem bei Papyrus, dem deutschen Vertrieb von Hanvon, im Online-Shop. Dort ist das Tablet für derzeit 771,24 Euro (inkl. MwSt.) sofort lieferbar. (Daniel Schürmann)

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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