WeTab zeigt, wie es nicht geht

30. September 2010, 10:57 Uhr | Archiv

Das WeTab – damals als „eierlegende Wollmilchsau“ bezeichnet und als schärfster Konkurrent für Apples iPad eingestuft. Nach einem Namenswechsel, Betriebssystemwechsel und mehreren Terminverschiebungen (geplant war damals eine Markteinführung im April) ist das Gerät nun offiziell auf dem Markt und bereits in den Händen einiger Tausend Nutzer. Doch das WeTab enttäuscht: Viele Funktionen, die man den Kunden versprochen hatte, sind noch nicht integriert. Man will diese per Update-Funktion nachreichen, heißt es.

Das WeTab - (Quelle: mediaversand.de)

Wir von Beyond-Print hatten die Möglichkeit, das WeTab in unseren Händen zu halten und auszuprobieren. Da wir aufgrund der vielen Verschiebungen schon Zweifel am eigentlichen Erscheinen des iPad-Konkurrenten aus Deutschland hatten, gingen wir mit der selben Skepsis an das Gerät heran. Schon nach einigen Minuten stellten wir uns die Frage: Wo sind die vielen versprochenen Features, die das Gerät so stark machen sollten?

Erster Eindruck:
Als wir das Gerät in den Händen hielten fiel sofort das hohe Gewicht und die sperrige Größe das Tablets auf. Die erste Einrichtung des Geräts war schnell vollzogen und nachdem es eine Verbindung mit dem WLAN hatte, wurde das neueste Update heruntergeladen und auf dem WeTab automatisch installiert. Wir hofften auf viele neue Features durch den Patch, aber grundlegende und wichtige Sachen wie z.B. Multitouch fehlten auch weiterhin. Auf der WeTab-Seite versicherte ma, dass das Multitouch-Feature schon bald per Update nachgereicht wird. Neben diesen Makeln scheint auch die Software des iPad-Konkurrenten noch nicht ausgereift genug. Webseiten bauen sich nur langsam und stellenweise falsch auf. Auf dem eigenen App-Market sind bisher nur sehr wenige „Apps“ zu finden, die aber zum Großteil auf externe Websites bzw. -Webportale verlinken. Die bereits vorinstallierten Widgets sind ebenfalls oft nur Internetwidgets, die auf andere Internetportale verweisen, so sind unter anderem grundlegende Sachen wie ein Vollbild-Modus bei dem Tagesschau-Widget nicht möglich. YouTube-Videos ruckeln und ab und an kommt es vor, dass das WeTab anzeigt, man sei nicht mehr mit dem Internet verbunden, obwohl eine internetfähige WLAN-Verbindung weiterhin besteht. Nur ein Neustart behebt dieses Problem.

Das WeTab von neofonie

Software:
Auch der Korrektheit der Rechtschreibung wurde anscheinend nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt: So liest man bei den Apps beispielsweise „Datein“ anstatt „Dateien“ . Auch die Bedienung der Apps scheint eher lästig: Die Schaltflächen vieler Apps sind viel zu klein. Eine hinreichende Optimierung für ein Tablet-Gerät fand wohl nicht statt. So hat der Filebrowser beispielsweise eine schlechte Farbgebung, sehr kleine Schaltflächen. Weiterhin zeigt er Ordner an, auf die man als Endnutzer keinerlei Zugriff hat, wie z.B. den „root“-Ordner. Doch nicht nur System-Anwendungen sind unfertig, auch Spiele. Startet man beispielsweise „Vier gewinnt“, so öffnet sich die Linux-Variante des Spiels mit wenig ansehnlicher Grafik und einer viel zu kleinen Menüleiste.

Viele Features, die damals versprochen wurden, sind noch nicht enthalten. So auch ein Kiosk, über das Zeitungen und Magazine angeboten werden sollten, oder eine Anwendung für den STERN, die versprochen war. Die Update-Informationen des WeTabs lassen verlauten, dass „in einigen Tagen“ ein Bezahlsystem für Apps freigeschaltet werden soll und Angebote für Musik, Videos und E-Books in Vorbereitung seien.

Hardware:
Neben den softwarebedingten Mängeln gibt es auch an der Hardware einiges auszusetzen: Beim Start des Geräts tauchen reproduzierbar ACPI-Fehlermeldungen auf, die auf falsche Einstellungen im BIOS oder im Meego-/Linux-Unterbau zurückzuführen sind. Durch das Innenleben mit einer Intel Atom CPU mit einer Taktfrequenz von 1,7 GHz ist das ganze Gerät eher mit einem Netbook zu vergleichen. Dementsprechend fällt auch die Akkulaufzeit auf nur 4-5 Stunden, was im Vergleich zu den 10-12 Stunden des iPads zu wenig für ein Tablet-Gerät ist. Auch die Temperatur spielt dadurch eine Rolle – das Gerät wird an der Rückseite stellenweise sehr warm. Der Lüfter jedoch bleibt unhörbar. Das Display sieht zwar auf dem ersten Blick gut aus, doch kommt es bei leichtem Kippen des Geräts schnell zu Farbfehlern. So muss man also ständig versuchen, gerade auf das Display zu schauen.

Fazit:
In dem jetzigen Zustand ist das WeTab als Flop zu bezeichnen. Das damals als schärfster Konkurrent für das iPad betitelte Gerät ist in der derzeitigen Verfassung alles andere als ein Konkurrenzprodukt. Durch die nicht komplett durchdachte Meego/Linux-Plattform kommen auch Technik-Freaks nicht auf ihre Kosten. Deutlich besser finden wir da zum Beispiel das Touchpad B10 von Hanvon, das wir hier getestet haben. Da das WeTab baugleich mit dem ExoPC ist, bleibt zu hoffen, dass man auch Windows auf dem Gerät installieren kann, optimalerweise sogar im Dual Boot Modus, um weiterhin die Meego/Linux Basis nutzen zu können. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, was Neofonie von den Versprechen, die sie gemacht haben, halten kann: Kommen Updates? Wird der Market gefüllt? Wann läuft Android auf dem Gerät? Und wann lassen sich die versprochenen WeMagazine auf das WeTab bringen? All das sind Fragen, die sich Neofonie von seinen Kunden in der nächsten Zeit noch gefallen lassen muss. (Marco Schürmann)

Über den Autor

Marco Schürmann

1 Kommentar

  1. Antworten

    blueray

    4. Oktober 2010

    das wetab wiegt jetzt in der 3G version 1020g


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