Zukunft: Informatik als Pflichtfach

22. November 2010, 9:31 Uhr | Archiv

Der regelmäßige Einsatz von Computer und Internet im Unterricht ist immer noch eine Ausnahme in deutschen Schulen. Das hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bitkom unter 500 Schülerinnen und Schülern von 14 bis 19 Jahren ergeben.

Bildquelle: Pixelio // Fotograf: Rainer Sturm

Danach kommt der PC bei 43 Prozent aller Schüler im Unterricht entweder gar nicht oder seltener als einmal pro Woche zum Einsatz. Erst 15 Prozent aller Schüler nutzen den Computer täglich in der Schule, 41 Prozent mindestens einmal pro Woche. Computer und Internet seien zwar an allen Schulen vorhanden, von einem regelmäßigen Einsatz könne bisher aber keine Rede sein, erkennt der Bitkom. Des hat zur Folge, dass Die Schulen sich immer weiter von der Lebenswirklichkeit ihrer Schüler entfernen. Denn: Heute besitzen 95 Prozent aller Jugendlichen ein Handy und 99 Prozent nutzen das Internet. Drei Viertel aller Schüler machen regelmäßig Hausaufgaben am PC.

Nach den Ergebnissen der Umfrage wünschen sich 84 Prozent der Schüler, dass elektronische Medien verstärkt im Unterricht eingesetzt werden. 92 Prozent sagen, dass neue Medien Schulstunden interessanter machen und 79 Prozent, dass sie zum besseren Verständnis der Lehrinhalte beitragen. Gleichzeitig sagen zwei Drittel der Schüler, dass ihre Lehrer besser für die Verwendung neuer Medien im Unterricht geschult werden sollten. Fast die Hälfte (44 Prozent) meint, dass viele Lehrer einfach keine Lust hätten, Computer und Internet im Unterricht einzusetzen.

In der Untersuchung zeigte sich, dass die Schulen die Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten der vorhandenen Technik bisher unzureichend nutzen. 88 Prozent der Schülerinnen und Schüler suchen im Web nach fachlichen Informationen. 82 Prozent präsentieren ihre Lernergebnisse vor der Klasse am PC und nutzen sie in der Regel Projektionsgeräte (Beamer), die inzwischen in den meisten Schulen vorhanden sind. Spezielle Lernprogramme nutzt die Hälfte der Schüler, lediglich jeder Dritte programmiert im Unterricht, gerade einmal ein Fünftel (18 Prozent) gestaltet in der Schule Webseiten. Fr die Schulen gilt: Schülerinnen und Schüler sollten im Unterricht Kenntnisse im Umgang mit Computer und Internet erwerben, Medienkompetenz entwickeln sowie einen Einblick in die Funktionsweise neuer Technologien erhalten.

Aus Sicht des Bitkom verlangt der Arbeitsmarkt zunehmend nach PC-Kompetenzen, die über reine Anwenderkenntnisse hinausgehen. Die Schulen müssen mit einem Ausbau des Informatikunterrichts reagieren, fordert der Bitkom, und erklärt weiter, dass die Einführung von Informatik als Pflichtfach längst überfällig sei. Nach den Ergebnissen der Umfrage nehmen lediglich 59 Prozent der Schüler am Informatikunterricht teil. Das sind 7 Prozentpunkte mehr als vor drei Jahren. Unterschiede gibt es zwischen Jungen und Mädchen: Zwei Drittel der Jungen und nur die Hälfte der Mädchen besucht den Informatikunterricht. Gleichzeitig befürwortet eine Mehrheit von 53 Prozent der Schülerinnen und Schüler Informatik als Pflichtfach bereits in der Sekundarstufe I. Nur ein Viertel ist eindeutig dagegen, ein weiteres Viertel ist unentschlossen.

Der Bitkom macht Vorschläge, wie Politik und Schulträger den Einsatz von Computer und Internet im Unterricht forcieren sollten. Diese finden Sie natürlich auf der Webseite des Bitkom unter nachfolgendem Quelllink. Was meinen Sie zu dem Thema? Tauschen Sie sich über die Kommentarfunktion mit unseren anderen Lesern aus. Zudem können Sie sich täglich über unsere Facebook-Seite auf dem neuesten Stand halten oder dort unsere Beiträge kommentieren. (Daniel Schürmann | Quelle: bitkom.org)

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

1 Kommentar

  1. Antworten

    Christian Cub

    22. November 2010

    Das traurige, aber doch leider häufigste Bild in der Schule sieht doch so aus: Selbst die Informatiklehrer sind der Zeit oft meilenweit hinterher, man hält sich an fragliche Lehrpläne, die mit dem Erscheinen schon veraltet sind. Und: Die übrigen Lehrer sind den Umgang mit den Medien weniger gewohnt, als die Schulkinder. Wie soll den Schülern da ein ordentlicher Umgang mit den Medien ermöglicht werden? Ob Informatik als Pflichtfach da der richtige Weg ist? Das Verständnis ist zwar sinnvoll, aber wichtiger ist doch ein "gescheiter" Umgang. Der sollte fächerübergreifend vermittelt werden. Und da besteht massiver Schulungsbedarf bei den Lehrkräften...


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