Zukunft des Zeitschriftenmarktes

7. Dezember 2010, 8:27 Uhr | Archiv

Die Printbranche hat die Krisenjahre 2008 und 2009 besser überstanden, als prognostiziert. Die großen Zeitschriftenverlage melden aktuell wieder schwarze Zahlen und können teilweise sogar zweistellige EBIT-Renditen verzeichnen. Was die Zukunft bringt, verrät Ihnen dieser Artikel.

(Bildquelle: Beyond-Print.de)

Die gezielten Kostensenkungen der vergangenen Jahre haben eine beachtliche Hebelwirkung entfaltet. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist das Verlagsgeschäft gesund. Dennoch durchläuft die Branche einen veritablen Strukturwandel. Der Anzeigenmarkt ist 2010 lediglich um knapp 2 Prozent netto gewachsen und die Auflagen von Magazinen, die länger als fünf Jahre am Markt sind, gehen im Durchschnitt um 4 Prozent zurück. In den kommenden Jahren sind daher neben einem effizienten Kostenmanagement vor allem auch Investitionen ins Kerngeschäft essentiell. Denn das Hauptgeschäft der Verlage wird noch lange im Printbereich liegen. Zudem zeigt der Erfolg junger Titel, dass sich eine gezielte Innovationsstrategie bei Segmentauswahl und Formatgestaltung lohnt: Magazine, die weniger als fünf Jahre auf dem Markt sind, können selbst bei Auflagen von über 200.000 Exemplaren mit Wachstumsraten von durchschnittlich 8,2% aufwarten und liegen so mehr als 10 Prozentpunkte über dem Marktdurchschnitt.

Neben dem Print-Kerngeschäft birgt auch der wachsende Markt für Tablet PCs Wachstumspotenzial. Allein im nächsten Jahr bekommt der Topseller von Apple Konkurrenz von mehr als 35 Geräten auf Androidbasis. Der Absatz dieser Endgerätegattung wird sich bis 2015 allein in Deutschland um den Faktor 10 bis 15 erhöhen. Das sind die Ergebnisse der aktuellen Studie „Zukunft des deutschen Zeitschriftenmarktes“ der internationalen Strategieberatung Booz & Company. Für die Studie wurden in Zusammenarbeit mit dem Medienforschungsspezialisten d.core. 7.000 Leser zu 100 führenden Zeitschriften in sieben Segmenten befragt.

Der aktuelle Aufwärtstrend in der Zeitschriftenbranche bedarf allerdings einer differenzierten Betrachtung. So prognostiziert die Studie eine weitere Erosion der Auflagenzahlen und sieht den Strukturwandel trotz volkswirtschaftlichem Aufschwungszenario in vollem Gange. Macht das Anzeigenvolumen von 1,4 Milliarden Euro im Zeitschriftensektor 2010 noch 8,6 Prozent des gesamten deutschen Werbebudgets (16,5 Mrd. Euro) aus, werden die Zeitschriften bis 2015 gegenüber TV und Online wohl noch weiter zurückfallen. Die prognostizierten Einnahmen in Höhe von 1,3 Mrd. Euro entsprächen dann nur noch 6,7% des insgesamt über 19 Mrd. Euro schweren Werbeetats.

Nach der Studie werden nur die Verlage als Gewinner aus der Umbruchphase hervorgehen, die erkannt haben, dass sich gerade im aktuellen Strukturwandel Innovationen und Investitionen ins Kerngeschäft rentieren und die diese Erkenntnis auch konsequent umsetzen. So zum Beispiel die ersten reinen iPad-Publikationen:

Während in den USA mit „Daily“ von Newscorp und „Project“ von Virgin bereits die ersten reinen iPad-Magazine als Applikationen in den Startlöchern stehen, steckt der deutsche Markt mit 700.000 Tablet-PCs noch in den Kinderschuhen. Dennoch wollen aktuell 80% der Befragten keinesfalls auf eine gedruckte Ausgabe verzichten, selbst unter den befragten iPad-Nutzern wäre eine digitale Ausgabe nur für jeden Dritten ein adäquater Ersatz. Über Zeitschriften mit hoher Qualität und Nutzwert lassen sich die Leser emotional binden und das Markenpotenzial der Magazine steigern. Das ist sowohl in kommerzieller Hinsicht als auch für eine erfolgreiche Positionierung in der digitalen Welt langfristig erfolgskritisch. Die Branche muss sich also nicht neu erfinden, sondern Professionalität im Kerngeschäft mit fundierten Konzepten für den digitalen Bereich verbinden.

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Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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