Neuer Personalausweis im Praxistest

5. Januar 2011, 9:31 Uhr | Archiv

Vor wenigen Stunden erreichte mich die positive Nachricht, dass mein neuer Personalausweis im örtlichen Bürgeramt abgeholt werden könne. Als „Early-Adopter“ freute ich mich natürlich, holte den Ausweis ab und wollte ihn gleich ausprobieren. Doch was kam, war mehr als ernüchternd – ein erster Testbericht.

Seit Anfang des Jahres freue ich mich bereits auf den neuen Personalausweis (nPa), da er viele Dinge im digitalen Alltag deutlich erleichtern soll: Behördengänge sollen der Vergangenheit angehören, Online-Bestellungen und Logins sowie Vertragsabschlüsse können durch Auslesen des nPa direkt und schnell von statten gehen. Daher war ich auch einer der ersten, der sich im November den neuen Personalausweis sicherte. Mein alter „Lappen“ war nicht mehr auffindbar, ich muss ihn verloren haben. Also bin ich Mitte November zum örtlichen Bürgeramt gegangen, wo ich den Verlust meldete und einen neuen Ausweis beantragen konnte. Da ich alle Funktionen nutzen des nPa will, lasse ich mir auch die elektronischen Identifikationsfunktion (eID). Abschließend erhielt ich Code zum Online-Check auf der Webseite meiner Stadt. Über ein Formular werde mir mitgeteilt, wann mein nPa fertig ist und abgeholt werden kann.

Fehlermeldung mit nPa bei meineschufa.de

Dann passierte erstmal nichts – knapp 6 Wochen lang erhielt ich weder Post mit meiner PIN noch änderte sich der Online-Status. Lediglich „Der Personalausweis befindet sich in Produktion“ bekomme ich zu sehen. Angegeben wurde eine Wartezeit von 2-3 Wochen. Ich denke mir, dass es bei den aktuellen Problemen (unsichere AusweisApp, fehlerhafte Ausweise in einigen Städten) wohl besser ist, etwas länger zu warten, als einen fehlerhaften Ausweis in kurzer Zeit zu erhalten.

Nach Weihnachten erreicht mich dann ein Brief mit meiner Online-PIN und dem Hinweis, dass der nPa an meine örtliche Behörde versandt wurde. Als sich auch eine Woche danach nichts am Online-Status ändert, rufe ich bei meiner Behörde an, erfrage den Status und habe Glück: mein nPa ist mit der gestrigen Ladung eingegangen und liegt zur Abholung bereit. Also begebe ich mich zum Bürgeramt und hole den nPa ab. Anschließend begebe ich mich an meinen Rechner. Dort wird die zum Glück neu erschienene AusweisApp 1.02 heruntergeladen, installiert und ein zertifiziertes Basis-Lesegerät SCL011 (ohne eigenes Tastenfeld) angeschlossen. Bis hierhin funktioniert alles ohne Probleme.

Fehlermeldung der AusweisApp zum Lesegerät

Erste Ernüchterung macht sich breit, da mein Lesegerät zwar zertifiziert, aber angeblich ein „Treiber oder die Betriebssoftware (Firmware)“ aktualisiert wurde. Da die Aktualisierung nicht zertifiziert wurde, sei nicht klar, ob das Kartenlesegerät korrekt und sicher funktioniere. Die AusweisApp bietet dennoch die Möglichkeit das Kartenlesegerät innerhalb der AusweisApp zur Verfügung zu stellen. Klickt man darauf, gibt es keine weiteren Probleme: Das Lesegerät wird erkannt und der aufgelegte Ausweis ebenfalls. Anschließend muss man über die App die Transport-PIN (aus dem Brief) in eine eigene 6-stellige PIN nach Wahl ändern.

Fehlermeldung der Deutschen Rentenkasse eService

Nun will ich natürlich den Personalausweis auch einsetzen und finde eine Liste auf der Webseite des nPa auf der einige mögliche Anwendungen vorgestellt werden – allerdings ohne konkrete Links. Also probiere ich es zuerst bei der Schufa, doch die Anmeldung schlägt fehl (siehe Screenshot). Auch der Versuch sich beim eService-Portal der Deutschen Rentenkasse anzumelden scheitert. Zwar öffnet sich ein Java-Fenster doch ab dann quittieren Fehlermeldungen den Versuch, den nPa zu nutzen. Außerdem erwecken leere Auswahllisten oder ein Anbieter namens „null“ kein sicheres Gefühl. Damit ist man übrigens nicht allein, wie auch heise.de schreibt.

Brieftasche auf dem Lesegerät

Man kann letztlich also zum Schluss kommen, dass der neue Personalausweis „schön“ ist, kleiner und sich zudem gut anfühlt. Mehr ist damit allerdings derzeit nicht möglich. Wodurch die Fehler verursacht werden, ist derzeit nicht klar. Es stehen rund 2 Monate nach dem Start des nPa keinerlei funktionierende Anwendungen zur Verfügung. Vermutlich haben die derzeitigen Fehler bzw. Fehlfunktionen mit der neuen AusweisApp zu tun, da einige Anfragen oder Zugriffe auf die App von Webanwendungen anders ablaufen müssen – das ist allerdings nur eine persönliche Spekulation.

Zuletzt ein kleines, aber vielleicht dennoch interessantes Detail: Legt man seine Brieftasche mit nPa auf das Basis-Lesegerät wird der Ausweis vollständig erkannt – er muss also nicht herausgenommen und auf das Lesegerät gelegt werden. Sobald er aber mehr als 2cm vom Lesegerät entfernt gehalten wird, wird er nicht mehr erkannt. (Daniel Schürmann)

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

3 Kommentare

  1. Antworten

    […] 1:Ich bin anscheinend nicht der einzige, der das Problem hat - siehe diese beiden Blog-Einträge:http://www.beyond-print.de/2011/01/05/der-neue-personalausweis-im-praxistesthttp://www.heise.de/ct/artikel/ePerso-Alltag-Die-grosse-Leere-1163072.htmlUpdate 2:Die Anmeldung bei […]

  2. Antworten

    Daniel

    6. Januar 2011

    Hi Frank! Ich habe schon im drittletzten Absatz auf eben diesen Artikel verlinkt :) Dennoch danke für den Hinweis!

  3. Antworten

    Frank Mersch

    6. Januar 2011

    Interessant sind auch die Berichte auf: http://www.heise.de/ct/artikel/ePerso-Alltag-Die-grosse-Leere-1163072.html

    Es scheint also tatsaechlich NICHTS zu funktionieren. Waere es denn wirklich so schwer gewesen die App einfach mal mit den Anbietern zu testen?

    Ganz besonders schlimm finde ich das Video auf:

    http://www.youtube.com/watch?v=Hmu-Yfp5DZ4


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