Hiflex und Vögeli AG mit Cippi-Award

27. Januar 2011, 8:23 Uhr | Archiv

Beim internationalen CIP4-Innovationspreis (CIPPI Award) 2010 wurde die Vögeli AG Druckzentrum in Langnau (Schweiz) als Gewinner der Kategorie «Bestes Kosten-Nutzen-Verhältnis durch den Einsatz von JDF Prozessautomatisierung» ermittelt.

Markus Vögeli führt durch den Betrieb, in dem gerade eine neue Speedmaster XL-75-5-LYY-P-5+LX2-C in Betrieb genommen wird.

Dass Vögeli eines der innovativsten Druckhäuser in der Schweiz ist, dürfte über die Grenzen bekannt sein. Nicht nur, weil man Pionier in Sachen Drucktechnik ist, sondern weil man der Klientel ein breites Angebot an Dienstleistungen bietet: vom Fotostudio über Prepress, Offset- und Digitaldruck, Weiterverarbeitung und Logistik. Dabei bilden Broschüren, Jahresberichte, Kataloge, Bildbände für Museen und ähnliche Akzidenzen den Schwerpunkt der Arbeit. Und schließlich hat die Vögeli AG Druckzentrum ihren Kunden die jeweils aktuellste und beste Technologie zu bieten. Dies bestätigt auch die Auszeichnung mit dem internationalen CIP4-Innovationspreis (CIPPI Award) 2010 als Gewinner der Kategorie «Bestes Kosten-Nutzen-Verhältnis durch den Einsatz von JDF Prozessautomatisierung».

Schießen auf ein sich bewegendes Ziel
Bereits 2003 hatte man bei Vögeli beschlossen, den Weg der durchgehenden Standardisierung und Prozessoptimierung zu gehen. Ein voll integrierter Workflow, wie er heute realisiert ist, war schon damals das Ziel. Und dies, ohne wissen zu können, was sieben Jahre später alles möglich ist. «Das war wie das Schießen auf ein sich bewegendes Ziel», sagt Vögeli-Geschäftsleiter Markus Vögeli, «da sich nicht nur die Hardware verändert, verbessert und schneller wird, auch Software unterliegt einem permanenten Prozess der Weiterentwicklung.»

2004 wurde der Startschuss für das Vorhaben gegeben, der alte Arbeitsablauf wurde sukzessive durch einen bi-direktionalen Workflow ersetzt, der heute aus Hiflex MIS, Kodak Prinergy Vorstufen-Workflow und dem Heidelberg Pressroom-Manager besteht. Doch was sich so einfach anhört, war ein jahrelanger Hürdenlauf.

Eine der größten Hürden beim Projektstart war es, dass die für die Produktion notwendigen Daten unternehmensweit auf den verschiedensten Systemen gespeichert waren. So startete Vögeli zunächst mit einem CIP3-Link-Interface zwischen dem Kodak Prepress-System und den Heidelberg-Druckmaschinen. Im zweiten Schritt wurde 2004 das bis dahin eingesetzte MIS durch das Prinance-MIS von Heidelberg ersetzt und die Druckmaschine mit Prinance vernetzt.

2007 erfolgte die Implementation eines JDF-Links zwischen Prinance und Prinergy. Allerdings erwies sich dieser Schritt als wenig effektiv. Zwar sendete das Heidelberg-MIS relevante Daten an den Prinergy-Workflow, doch war die Heidelberg-Software nicht in der Lage, das JMF-Feedback des Kodak-Systems zu verarbeiten. Dadurch war Vögeli von einem bi-direktionalen Workflow genauso weit entfernt, wie vorher. In diesem Zusammenhang räumt Markus Vögeli ein, dass es innerhalb des Projektes immer wieder Rückschläge gab, die quasi einen Neustart notwendig machten. Dabei gibt er jedoch niemandem die Schuld: «Die größte Herausforderung bei einem solchen Integrationsprojekt ist das Projektmanagement – auch bei den System-Lieferanten.» Verständlich bei einem Projekt, das über einen so langen Zeitraum verfolgt wurde und bei dem alle Beteiligten dazu lernen mussten. «Dass Informationstechnologie, Softwareprogrammierung und der tägliche Produktionsprozess in einer Druckerei völlig verschiedene Dinge sind, war zum Beispiel ein Teil der Lernkurve», so Markus Vögeli.

Bi-direktionale Kommunikation
Bewegung in den Fortschritt der Integration gab es jedoch, als Vögeli im November 2009 das Hiflex-System für die unternehmensweite Vernetzung der administrativen Vorgänge einführte: Kalkulation, elektronische Auftragstasche und Auftragsabwicklung bis zur Rechnung einschließlich Job-Ticketing. Anfang Februar 2010 lief das System einschließlich der bi-direktionalen JDF/JMF-Links zwischen dem Hiflex MIS und Kodak Prinergy. Durch den Austausch der JDF-Parameter und die im Kodak-System realisierte regelbasierte Automatisierung («RBA») konnten manuelle durch hoch automatisierte Arbeitsabläufe ersetzt werden. Im Anschluss wurde der Heidelberg Pressroom-Manager eingebunden. Dieser erhält vom Hiflex MIS Job-Informationen wie Kundendaten, Jobnummer und Produktbeschreibung sowie print-relevante Parameter (Maschine, Format, Papier, Auflage etc.). Nicht weniger als 29 Job-Parameter werden dabei zwischen MIS und Prepress-Workflow ausgetauscht.

Damit wurde ein Workflow implementiert, der von der Administation bis zum Drucksaal bi-direktional Daten austauschen und verarbeiten kann. Der Link zurück von Kodak Prinergy zum Hiflex MIS beispielsweise ermöglicht eine automatisierte Buchung der Materialkosten und Prozesszeiten aus der Vorstufe.

Prämierter Workflow
Bei diesem Workflow ist das Hiflex MIS das führende System, das zudem als JDF-Controller agiert. Die Implementierung umfasst das Hiflex MIS mit verschiedenen Modulen, Kodak Prinergy Prepress-Workflow und Kodak InSite für die Kundenkommunikation, Job-Tracking und den Freigabeprozess sowie den Pressroom Manager und die Heidelberger Druckmaschinen.

Diese Lösung wurde beim internationalen CIP4-Innovationspreis (CIPPI Award) 2010 als Gewinner der Kategorie: «Bestes Kosten-Nutzen-Verhältnis durch den Einsatz von JDF Prozessautomatisierung» ermittelt. In dem prämierten Workflow empfängt die Vorstufe die Parameter für das automatisierte Ausschießen, das Hiflex-System sendet die auftragsbegleitenden Daten sowie «JDF StrippingParams» an Prinergy und die Rückmeldung der produzierten Platten und die dazugehörigen CIP3-Farbprofile werden in der Hiflex Disposition sichtbar. Von hier gehen die Daten dann an die Heidelberger Druckmaschinen zur automatischen Maschinenvoreinstellung.

Kurze Amortisationszeit
Wie sehr der Betrieb von der Prozessautomatisierung profitiert, erläutert Geschäftsführer Markus Vögeli: «Die durch die Automatisierung erreichten Workflow-Optimierungen und der daraus resultierenden betriebswirtschaftliche Nutzen ist imposant.»

Rund 250.000 CHF hat Vögeli in Hard- und Software sowie Einrichtung und Training in den Workflow investiert. An Lizenzkosten und weiteren Optimierungsschritten werden auch künftig noch weitere Kosten anfallen. Dennoch hat sich bereits gezeigt, dass sich die Investition rentiert. Denn vor allem der interne Abstimmungsprozess hat sich nach den Worten von Markus Vögeli stark vereinfacht und hat die Anzahl an Produktionsplanungs-Meetings minimiert, die Durchlaufzeiten in der Vorstufe wurden signifikant reduziert und der Materialausschuss gesenkt.

In der CIPPI-Bewerbung ist eine Kostenersparnis aufgeführt, die sich für das Jahr 2010 auf rund 650.000 CHF addiert, ein Effekt, der auch für die nächsten Jahre nahezu stabil bleiben soll. Damit hat sich der Workflow innerhalb kürzester Zeit amortisiert.

Resüme und Ausblick
Doch auch nach Einführung des Workflows und dem Gewinn des CIPPI-Awards wird man sich beim Druckzentrum Vögeli nicht auf den Lorbeeren ausruhen. «Bei einer derart umfangreichen Integration der Prozessschritte ist man nie fertig», erläutert Markus Vögeli. «Unsere Prioritäten liegen nun vor allem darin, die bereits realisierten Arbeitsabläufe zu optimieren und weitere Prepress-Komponenten wie Mediadatenbanken und das Web-Portal zu integrieren.»

Zu einem späteren Zeitpunkt sollen der PostPress-Manager und damit zumindest Teile der Weiterverarbeitung in den Workflow eingebunden werden. Selbstverständlich wird auch die neue Zehnfarben-Speedmaster, die im Januar 2011 installiert wird, in das Vernetzungskonzept einbezogen. Dabei sind die Anpassungen laut Markus Vögeli jedoch eher marginal und betreffen in erster Linie die Kalkulation.

In diesem Zusammenhang fühlt sich Markus Vögeli darin bestätigt, mit dem Hiflex-System die richtige Entscheidung getroffen zu haben: «Es ist ein offenes System, das man auch selbst konfigurieren kann. Die Datenbankstruktur und das SQL-Modul bieten bedienerfreundliche Schnittstellen und durch den Einsatz von XML/SOAP besteht die Möglichkeit, Hiflex mit anderen Systemen zu verknüpfen.» Das Hiflex-System, so Vögeli rückblickend, habe etliche und wichtige Lücken geschlossen.

«Die eigentlichen Herausforderungen liegen nach wie vor in der Vorstufe und hier besonders beim Ausschießen», so Markus Vögeli. «Da das Ausschießen alle nachfolgenden Prozesse beeinflusst, werden wir diesen Prozess weiter optimieren. Das kann zwar viel Arbeit sein – muss aber im Hinblick auf kompliziertere Druck- und Falzprodukte realisiert werden.»

An solch ambitionierten Zielen ist bei Markus Vögeli nicht zu rütteln. «Für die Zukunft möchten wir unsere Qualität konsequent weiter verbessern», umschreibt Markus Vögeli die Perspektive des nunmehr in vierter Generation geführten Familienbetriebs. Dabei verfolgt er konsequent die Zielsetzung, als modernes Druckzentrum schweizweit unter den Besten zu sein. «Und dazu ist uns das Beste nicht gut genug!»

Weitere Informationen zu www.voegeli.ch und www.hiflex.com gibt es auf jeden jeweiligen zuvor verlinkten Webseiten. (Hiflex ist Partner von Beyond-Print und wir berichten daher ausführlich über dieses Unternehmen und unsere anderen Partner)

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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