Zensiert Apple in Zukunft Bücher?

8. Februar 2011, 8:51 Uhr | Archiv

Wenn wir an Apple denken, dann sehen wir das Unternehmen nicht als Verleger sondern hauptsächlich als Hardware-Hersteller und Anbieter von digitalen Kiosken wie dem App Store. Doch mit „The Daily“, der iPad-Zeitung scheint Apple auch in den Geschäftsbereich der Verleger einzuziehen. Man vertreibt Inhalte und behält 30 Prozent der Abo-Erlöse. Welche Gefahren folgen daraus?

Das iPad von Apple (Quelle: Apple-Trailer)

Mit „The Daily“ hat Apple das Abo-Modell für Inhalte eingeführt und soll auch schon bald für andere Anwendungen zur Verfügung stehen. 30 Prozent der Erlöse behält Apple inne, wobei News Corp. das Unternehmen welches „The Daily“ herausbringt – hofft, dass man diesen Anteil nach einem Jahr neu verhandeln kann, berichtet Gizmodo.

Amazon zum Beispiel umgeht den In-App-Kauf derzeit noch, weil man Bücher und Magazine im Webbrowser kauft und die kostenlose iOS-App synchronisiert die Inhalte anschließend. Von diesen Verkäufen profitiert Apple also nicht, was sich allerdings ändern wird. Zum 31. März müssen alle App-Anbieter die den Kauf von Inhalten außerhalb einer App ermöglichen, auch den Kauf von Inhalten über die App ermöglichen. Dazu muss die Apple In-App-Kauf-Funktion genutzt werden. Ab dann werden also fast alle Inhalte durch den App Store verkauft, weil keine Benutzer mehr den Kauf über den Browser tätigen werden, wenn es einfacher über die App geschehen kann. Dadurch werden also Anbieter wie Amazon 30 Prozent des Verkaufspreises an Apple zahlen müssen – und das ist genau der Anteil, den Amazon an seinen E-Books erhält. Denn 70 Prozent gehen an die Rechteinhaber bzw. Verlage.

Amazon würde also in Zukunft keinen Gewinn mehr mit seinem Buchverkauf über iOS-Geräte machen. Und es besteht eine weitere Gefahr: Da in Zukunft dann fast alle Inhalte über den App Store bzw. die In-App-Kauf-Funktion erhältlich sind, hat Apple die Möglichkeit, Inhalte zu zensieren. Letztes Jahr nahm man unter anderem politische Cartoons oder Bücher mit „unangemessenem“ Inhalt aus dem Verkauf. So könnte es Apple also bald bei allen Inhalten handhaben.

Verlage, Unternehmen wie Amazon und Anwender müssen endlich aufwachen und Apple zeigen, wo die Grenzen liegen. Es kann nicht sein, dass ein Unternehmen immer mehr Macht über Magazine, Zeitungen und Bücher bekommt und alle Tanzen nach Apples Pfeife. Was meinen Sie zu dem Thema? Tauschen Sie sich über die Kommentarfunktion mit unseren anderen Lesern aus. Zudem können Sie sich täglich über unsere Facebook-Seite auf dem neuesten Stand halten oder dort unsere Beiträge kommentieren.

(Daniel Schürmann | Quelle: gizmodo.com)

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

7 Kommentare

  1. Antworten

    Daniel

    17. Februar 2011

    Hallo Jürgen, das Problem ist doch folgendes: Selbst wenn die Verlage eigene Marktplätze aufbauen (und das tun sie, siehe die verschiedenen E-Book Stores die es auch in Deutschland schon gibt) - sobald man eine App auf einem iOS-Gerät über den App Store anbietet über den man auf diesen Marktplätze/digitalen Kiosk zugreifen kann, muss diese App im AppStore von Apple stehen. Und... Will man dann über die App Inhalte aus dem eigenen Marktplatz verkaufen, so will Apple dennoch 30 Prozent haben, obwohl Apple nur für das Anbieten der App im AppStore gesorgt hat. Die Inhalte kommen aus der Infrastruktur des Anbieters und nicht von Apple und dennoch will Apple durch die In-App-Purchase-Pflicht 30 Prozent haben. DAS ist doch das, was allen so missfällt.

    Konkretes Beispiel: Die Kindle App für iOS. Hierhinter steht Amazon und alle Inhalte stehen auf den Amazon-Servern. Die Kindle App ist nur ein Weg, auf die Inhalte zuzugreifen. Dennoch will Apple sich dazwischenschalten und 30 Prozent am Umsatz haben. Hier ist das konkrete Problem: Amazon zahlt Verlagen 70 Prozent vom Umsatz aus und behält 30 Prozent. Wenn Amazon diese 30 Prozent nun an Apple zahlt, schenkt man Apple Geld obwohl sie nur die App, aber nicht die Inhalte transferiert, gespeichert oder zur Verfügung gestellt haben. Und Amazon macht keinen Gewinn mehr... DAS geht nun wirklich nicht, oder?

  2. Antworten

    Jürgen Jung

    17. Februar 2011

    In den App Store Review Guidelines stand schon seit längerem der Zwang zum In-App-Purchasing. Apple hat dies bislang nicht in letzter Konsequenz durchgesezt.

    Und die Verlage, die selbst bislang keine eigene relevante Infrastruktur aufgebaut haben, sind jetzt empört, dass Apple seine Infrastruktur nicht weiter kostenlos zur Verfügung stellt.

    Apple hat den Markt aufgebaut, die Initialkosten getragen und auch weiterhin die laufenden Kosten zu tragen. Den Verlagen steht es frei, andere Marktplätze zu nutzen bzw. selber welche aufzubauen.

  3. Antworten

    Michael Dreusicke

    10. Februar 2011

    Apple zensiert heute schon. Das entspricht dem Geschäftsmodell. Dieses Geschäftsmodell beschreibt ein Angebot, das jeder annehmen oder ausschlagen kann. Da es Interesse an den von Apple zensierten Inhalten gibt, bleibt jede Menge Raum für einen Markt außerhalb des Apple-Universums. Unser Pluralismus ist dadurch also nicht gefährdet, sondern weiter ausdifferenziert.

  4. Antworten

    Stephan H.

    8. Februar 2011

    Das ist genau der Grund warum ich diese Firma so verachte und alle Argumente dieser Apple Jünger für mich keinen Wert haben. Leider sieht man hier immer wieder, dass Menschen jemanden brauchen der für Sie den Vormund übernehmen. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass dies eine moderene Diktatur ist.
    Den Apple-Bossen kann man aber nichts vorwerfen, wenn es soviele DUMME Menschen gibt die sich bevormunden lassen müssen und dafür gerne auch zahlen, würde ich dies auch machen.
    Alle Firmen die sich dagegen wehren wollen, sollten Apple boykottieren und die alternativen mehr unterstützen. Aber wahrscheinlich werden viele von den Firmen einknicken und doch nach Apples Nase tanzen. Mein vergleich für APPLE == Diktatur/Monarchie/Sekte/Kommunismus alles wo gegen der moderne Mensch heute eigentlich ist.

  5. Antworten

    Mathias

    8. Februar 2011

    Tja, man gut das ich iPhone und iPad selbst blockiere. Ich persönlich möchte mir nicht vorschreiben lassen worüber ich was kaufen soll und vor allem sollte man so langsam wirklich aufwachen an der Front. Apple versucht hier einen aktiven Angriff auf das Nutzerverhalten und viele bekommen es schon gar nicht mehr mit wie sie von Apple gesteuert werden. Medienunternehmen erhebt euch und kämpft für eure Rechte, innovativen Ideen und zeigt Apple den Stinkefinger!!!

  6. Antworten

    Heiner Bremer

    8. Februar 2011

    Da es nur die Apple-Jünger betrifft ist es doch nicht weiter schlimm.

  7. Antworten

    "Applefan"

    8. Februar 2011

    Na klar, darauf läuft es schon die ganze Zeit hinaus, und da braucht man sich nicht zu wundern... Wenn ich persönlich ein Handy kaufe, auch wenn es von Apple wäre, dann kaufe ich ein Stück Hardware und nicht die "MEINUNG UND LEBENSEINSTELLUNG VOM HERSTELLER". Aber jedem das Seine, nicht wahr!!!


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