Kommentar zu Apples iCloud Dienst

10. Juni 2011, 9:30 Uhr | Archiv

Mit seinem iPad und dem iPhone hat Apple – das kann man nicht anders sagen – den Tablet und Smartphone-Markt massentauglich gemacht sowie die Messlatte hochgelegt. Doch das Trend-Thema Nummer 1, das Cloud Computing, hat Apple verschlafen. Das soll sich ändern – ein kritischer Kommentar.

Apples iCloud Icon (Quelle: apple.com)

Zwar hat das Unternehmen aus Cupertino den Dienst MobileMe zu bieten, doch über den sagt selbst Apples-CEO Steve Jobs: „Es war nicht unsere beste Arbeit“. Auf der World Wide Developers Conference 2011 am 6. Juni hat der Rollkragenpulli-tragende Anführer der Apple-Jünger im Rahmen der Keynote iCloud angekündigt, dass sein Unternehmen jetzt plant, mit der Cloud durchzustarten. Zu diesem Zweck hat man mehrere Datencenter in den letzten Monaten gebaut, die zur Datenhaltung dienen.

Wie quasi jeder neue Dienst oder jedes Gerät von Apple genügt auch hier ein „i“ vor dem Namen und die Apple-Jünger flippen aus. Genau daher wird aus der Cloud bei Apple die iCloud. So heißt der neue Dienst mit dem Apple plant, die Daten seiner Kunden von den Geräten auf die Unternehmensserver zu bekommen. Was genau dort mit den Fotos, Videos, der Musik oder den Tabellenkalkulations- oder Textverarbeitungs-Dokumenten geschieht, ist noch nicht klar. Ein Blick auf die Datenschutzerklärung dürfte zum Start im Herbst aber zwingend notwendig sein. Denn die Server stehen in den USA und unterliegen damit nicht den strengen Vorschriften der Europäischen Union. Was das für Auswirkungen haben kann, zeigte uns Apple selbst, als man die ortsbezogenen Daten seiner iPhone und iPad-Kunden unverschlüsselt und ohne zeitliche Einschränkung gespeichert hat. Zwar hat man angeblich mit diesen Daten nichts gemacht – aber die Gefahren bei einem Cloud-Dienst sind noch viel größer.

Denn Apple wünscht sich, dass Kunden den 5 Gigabyte großen Speicher für möglichst viele ihrer Dateien und Dokumente nutzen – angefangen von Musik über Fotos der Familienfeier bis hin zu aktuellen Texten und Tabellen, privat und möglichst auch geschäftlich. Auch der Kalender, E-Mails und Kontakte sollen über die Datenwolke synchronisiert werden. Je mehr Daten der Kunde hinterlegt, umso mehr Daten könnte Apple intern verarbeiten, natürlich nur zu „zu Zwecken der Qualitätssicherung und Verbesserung seiner Dienste“. Zudem bindet man den Kunden immer stärker an das eigene Ökosystem. Denn einmal die Daten in der iCloud hinterlegt, ist man quasi auf Apple-Geräte angewiesen, um wieder an seine ehemals eigenen Daten zu gelangen. Alleine schon aus diesem Grund gehen erste Analysten an der Wall Street davon aus, dass durch den iCloud-Dienst vermehrt Apple-Gräte wie Macs, MacBooks aber auch iPads und iPhones gekauft werden.

Was Apple mit der iCloud bietet ist, sind wir ehrlich, nichts Neues. Google bietet alle diese Sync-Funktionen ebenfalls und das schon viel länger und deutlich ausgereifter. Zudem hat man den Vorteil, dass man über jedes Gerät dank eines aktuellen Internet Browsers wieder auf seine Daten zugreifen kann. Man ist nicht an Google-Geräte gebunden, und es gibt Apps selbst für iOS-Geräte. Auch Microsoft ist schon lange in dem Cloud-Geschäft tätig, bietet sogar mit Office 365 ein Cloud-Office. Wer Daten synchron halten oder freigeben will, hat bisher Dienste wie dropbox oder Wuala genutzt. Fotos teilt man mit Flickr. Einzig bei der Musik-Synchronisation muss man Apple gratulieren, dort haben sie aber dank iTunes bereits einen deutlichen Vorsprung vor der Konkurrenz.

Eines haben alle Cloud-Dienste gemeinsam: Man vertraut seine persönlichen, privaten, geschäftlichen oder teilweise intimen Daten einem Unternehmen an, zu dem man meist keine wirkliche Beziehung unterhält. Man vertraut auf den Anbieter, seine Seriosität und dass der Anbieter die Daten vor Angriffen absichert. Denn je mehr Kunden Daten hinterlegen, umso interessanter wird das Ziel für Hacker. Sony musste dies mit seinem Playstation Network kürzlich am eigenen Leib erfahren. Dort hat man nicht genügen Sicherung betrieben und Daten von hundert Millionen Kunden an eine Hacker-Gruppe verloren. Auch Amazon hat bei seinem Cloud-Dienst zu kämpfen. Immer wieder versuchen Hacker die Server zu kompromittieren oder offline zu nehmen.

Und selbst wenn keine Hacker angreifen, können technische Pannen dennoch zu einem Datenverlust führen oder der Anbieter geht Pleite und man verliert den Zugriff auf die Daten. Bei Apple, Google und Microsoft ist diese Gefahr vermutlich gering und alle drei werden die Daten der Kunden sichern so gut es geht. Lässt man die potentiellen Probleme außen vor – der Worst-Case wird hoffentlich nie eintreffen – so haben Cloud-Dienste wie die iCloud von Apple zahlreiche Vorteile: Man hat seine Daten immer zur Verfügung, egal wo man sich gerade aufhält. Es werden Backups gemacht. Man kann seine Daten auf Wunsch an Freunde freigeben. Teilweise ist sogar eine Versionierung möglich. Der größte Vorteil aber, gerade wenn man mehrere Geräte sein eigen nennt wie einen Desktop-PC, einen Laptop, ein Smartphone, ein Tablet und eventuell in Zukunft auch noch ein Fernsehgerät mit Internet-Anschluss und Cloud-Anbindung: alle Geräte haben den gleichen Datenbestand. Apps, Kontakte, Daten, Kalendereinträge, Fotos – auf allen Geräten die gleiche, aktuelle Fassung.

Was Apple mit der iCloud wieder gelingen wird: Man wird die Cloud massentauglich machen, solange man das Vertrauen der Kunden nicht missbraucht und die Server ständig verfügbar sind – nur so können sich die Anwender von den Vorteilen der Cloud-Datenhaltung überzeugen. Ob die iCloud auch in Zukunft komplett kostenfrei bleibt, muss sich noch zeigen. Möglich sind erweiterte Premium-Funktionen oder mehr Speicherplatz für den die Kunden monatlich oder jährlich bezahlen müssten. Mit der iCloud hat Apple nach dem Kampf um den Tablet und Smartphone-Markt auch den Kampf um den Cloud-Markt eröffnet. Spätestens jetzt müssen Google und Microsoft sowie die vielen kleinen Anbieter zeigen, was sie aus ihrem zeitlichen Vorsprung vor Apple gelernt haben. (Daniel Schürmann)

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

1 Kommentar

  1. Antworten

    Dieter

    10. Juni 2011

    Also mir wäre neu, dass Google schon sowas wie iCloud hat und das sogar ausgereifter. Meines Wissen bietet Google was Musik betrifft, nur eine Betaversion, welche auch nur in der USA verfügbar ist.
    Über Emails, Kalender oder Kontakte braucht man nicht zu sprechen, dass gabs schon vor Google und Apple. Sowas hat seit Beginn des Internets jeder E-Mail Provider im Angebot.
    Was Fotos betriff gab es ebenfalls vor den beiden schon Portale.
    Wenn jedoch iCloud funktioniert, so wie es angepriesen wird, ist es zwar nichts neues, aber der perfekteste und umfangreiche Dienst den ein Anbieter seinen Kunden zur Verfügung stellt. Man muss also nicht verschieden Anbieter "unter einem Hut" bringen.

    Zudem finde ich schlimm, dass viele Berichte (wie auch dieser) einem irgendwie das Gefühl vermitteln wenn man iCloud benutzt muss man sein Leben lang bei Apple bleiben.
    Die Musik, Bilder, Dokumente und all die anderen Dinge die man damit synchronisiert sind doch nicht weg, wenn ich mich Entscheide weg von Apple Produkten zu gehen.
    Die Musik ist DRM frei die kann ich mir, wie ebenfalls Fotos einfach auf eine externe Festplatte kopieren und zum anderen Anbieter einfach mitnehmen.
    Mit der Email Adresse gehts natürlich nicht, aber die kann ich von keinem Email Provider mitnehmen (obwohl dies ähnlich wie bei Handynumemr garnicht schlecht wäre).
    Und Kontakte legt man sich halt neu an.
    Bei Terminen gerade wenn es viele sind, könnte es etwas Aufwendiger werden.
    Aber weg ist doch nichts. Darüberhinaus hat gebrauchte Apple Hardware einen hohen Widerverkaufswert. Somit müssten die Erlöse bei einem Wechsel für die neue Hardware reichen.

    Gruß
    Dieter


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