Computerspiele anstatt Lehrbücher

28. Oktober 2011, 10:59 Uhr | Archiv

Computerspiele haben das Zeug dazu, in der Schule Wissensinhalte zu vermitteln. Mit dieser Ansage ließ Jörg Hoffstätter, Geschäftsführer der ovos media consulting, auf der TedxVienna aufhorchen. „In Zukunft ist nicht mehr das bloße Erinnern von Daten gefragt. Fähigkeiten wie Systemdenken, Verstehen von Zusammenhängen sowie konzept- und problemorientiertes Handeln können Games bestens vermitteln – auch in der Schule“, so der Medienexperte.

'Ludwig': Erster Versuch eines 3D-Lernspiels für die Schule (Foto: Ovos)

Games sind die neuen Bücher, so die provokante These Hoffstätters, nicht als deren Ersatz, sondern als notwendige Ergänzung. Denn schon heute zeige die Realität, dass die digitalen Spiele gekommen seien, um zu bleiben. „21-Jährige haben bereits heute in ihrem Leben 10.000 Stunden mit Videogames, 5.000 Stunden mit Büchern verbracht. Zudem übertreffen die Umsätze der Games-Branche bereits jene der Filmindustrie.“

Während das Computerspiel bereits gezielt von Unternehmen für Kunden und Mitarbeiter eingesetzt wurde, blieb ihm der Zutritt zum Klassenzimmer verwehrt. Videospiele sah man bisher nie als ernsthafte Bildung, sondern stets als Freizeitbeschäftigung. „Gleichzeitig klagen Lehrer jedoch, wie schwierig es ist, die Aufmerksamkeit der Schüler zu bekommen. Genau den ersehnten konzentrierten Zustand gibt es jedoch – während des Spiels!“, so der Experte.

Unbefangen ist Hoffstätter bei solchen Aussagen allerdings nicht: Mit seiner Agentur hat er soeben das Computerlernspiel „Ludwig“ gelauncht. Das vom österreichischen Bildungs- und Wissenschaftsministerium geförderte 3D-Abenteuer-Spiel macht neun- bis 14-jährige Schüler mit dem Thema erneuerbare Energien vertraut und basiert dabei auf den Lehrplänen für Physik. „Innerhalb eines Monats wurden 5.000 Lizenzen in 160 Schulen beantragt. Die derzeitige Testphase bis Januar 2012 ermittelt, in welcher Form das Spiel zur Anwendung kommt.“

Einer kritischen Kosten-Nutzen-Rechnung wird das Pionierspiel zumindest für den österreichischen Markt nicht standhalten können, muss Hofstätter eingestehen, weshalb demnächst die englische Version folgt. Anstöße für Nachfolger soll das Projekt trotzdem geben. „90 Prozent der Lernspiele haben massive Akzeptanzprobleme, da die Freizeitspiele um Lichtjahre besser sind. Diese Lücke gilt es zu schließen, wenn Educational Games ernst genommen werden sollen“, so der Experte.

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(Johannes Pernsteiner/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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