Gründe für manroland Insolvenz

28. November 2011, 9:31 Uhr | Archiv

Schon Freitag berichteten wir über die manroland Insolvenz. Nun hat das Unternehmen eine Pressemeldung ausgegeben, welche einige Gründe nennt und auch Informationen darüber preis gibt, wie es in den kommenden Wochen und Monaten weitergehen soll bei deutschlands drittgrößtem Druckmaschinenbauer.

(Quelle: www.ci-portal.de)

Die manroland AG hat am Freitag beim zuständigen Amtsgericht in Augsburg die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt, nachdem die Verhandlungen mit einem potenziellen Investor auf der Zielgerade gescheitert sind. Das Unternehmen hat gleichzeitig Antrag auf Anordnung der Eigenverwaltung gestellt, um die laufenden Restrukturierungen entsprechend finalisieren zu können. Der vorläufige Insolvenzverwalter Werner Schneider wird sich in Kürze ein umfassendes Bild über die Situation bei manroland machen.

Der Vorstand von manroland strebt die Sanierung wesentlicher Einheiten im Rahmen der laufenden Restrukturierung in Eigenverwaltung an. Das eingeleitete Insolvenzverfahren soll die Möglichkeit geben, den Restrukturierungsprozess weiter zu forcieren und das Unternehmen durch die schwierige Phase zu steuern. Bei aller Enttäuschung über den einzuschlagenden Weg bietet das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung hinreichend Chancen, weil das Unternehmen überzeugende Produkte, das nötige Know-how und eine exzellente Mannschaft hat. Mit dem geplanten Einstieg des potenziellen Investors und auf Basis eines Finanzierungsprogramms unter Einbindung der bisherigen Gesellschafter sowie des Bankenkonsortiums wäre die Kapitalbasis gestärkt worden.

Auslöser der Insolvenz
Auslöser für den Insolvenzantrag ist der erneute dramatische Einbruch im Auftragseingang, der seit Mitte Juli zu beobachten ist und sich zuletzt beschleunigt hat. Zwar herrscht nach wie vor großes Interesse an den Drucksystemen von manroland, doch infolge der Finanzkrise haben sich die kundenseitigen Finanzierungsmöglichkeiten erheblich erschwert. Gleichzeitig hat der Wettbewerbsdruck angesichts sinkender Aufträge zu einer weiteren Verschärfung des Preisdrucks und damit zu sinkenden Deckungsbeiträgen geführt. Die Marktgröße liegt bei nur noch 50 Prozent des Niveaus vor Beginn der Krise 2008. Nach anfänglichen Erholungstendenzen zu Beginn des Geschäftsjahres bis weit in den Sommer hinein hat sich das Marktumfeld – insbesondere in den USA und in Westeuropa sowie für das Segment Bogendruckmaschinen – erneut abgeschwächt.

Gleiches gilt für die Geschäfte in China, die jedoch weiter auf hohem Niveau bleiben. Betroffen ist die gesamte Branche, was in dieser Dramatik nicht vorhersehbar war. Der Generalbevollmächtige und der vorläufige Insolvenzverwalter werden nun zeitnah die Sanierungschancen verifizieren. Derzeit wird der Geschäftsbetrieb der manroland AG in vollem Umfang aufrechterhalten. manroland beschäftigt 6.500 Personen, davon 5.000 in Deutschland.

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(Daniel Schürmann | Quelle: www.manroland.com)

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

6 Kommentare

  1. Antworten

    Stefan

    28. November 2011

    Das darf doch wohl nicht wahr sein - der Vorstand fährt das Unternehmen voll in die Pleite und soll dann immer noch weitermachen dürfen. Unglaublich und das endgültige Todesurteil für ein Traditionsunternehmen

  2. Antworten

    Drucker

    28. November 2011

    Wer kauft jetzt noch Druckmaschinen von MAN ? Druckmaschinenkauf ist echte Vertrauenssache. Welcher Unternehmer geht hier das Risiko ein und investiert jetzt noch in eine Rolandmaschine. Eine Druckmaschine kauft man nicht wie ein Toaster, sondern da hängt soviel mehr dran von Wartung, Ersatzteilen, Wiederverkaufswert etc.,die auf Jahre garantiert sein müssen. Stillstandszeiten in der Produktion kann sich heute keiner mehr leisten. Wie verhält es sich damit ? Was geschieht mit den ganzen Zuliefern, denn so eine Maschine besteht nicht nur aus Teilen die bei MAN gefertigt werden? Ein riesiger Rattenschwanz der da noch mit dranhängt und nicht nur die Arbeitsplätze bei manroland gefährdet.

  3. Antworten

    DerWoSchreibt

    28. November 2011

    Ich habe seit langer Zeit mit dieser Firma zu tun. Anpassungsfähigkeit gering, Arroganz (bis hin zu den Monteuren) groß, das auch gegebüber dem Kunden und den diversen Subunternehmen. So etwas zahlt sich auf dauer nicht aus und man fragt sich, wo sind denn die genialen Köpfe, die diesen Strukturwandel seit Jahren beobachten und darauf nichts unternhemen? Viele in der Branche haben zu spät auf die Zeichen Zeit reagiert. Bei einem so gewaltigen Apparat wie manroland braucht der Wandel seine Zeit und vor allem Geld. Da fällt mir auch nur noch ein "Wer sich Allianz versichert, der hat völlig ausgekichert"......ein solches Ende hat keiner verdient. Aber man wollte die Reorganisation Teil 2 nun nicht mehr finanzieren.

  4. Antworten

    DerHierSchreibt

    28. November 2011

    Diese Firma hatte immer ein seltsames Geschäftsverhalten.
    Durch Falschaussagen und Preisdumping haben sie sich durchgemogelt.
    Die Arroganz ist so wie DerWoSchreibt beschrieben hat.
    Kein Staat darf da Steuergeld rein pumpen.
    Die armen Arbeiter tun mir leid, aber das Management bekommt jetzt die Rechnung.

  5. Antworten

    Uwe

    28. November 2011

    Es gibt immer zwei Seiten:

    In der Tat war die Anpassungsfähgikeit an den sich sehr schnell ändernden Markt bei manroland nicht immer die beste.
    Allerdings zeichnet sich ein gute geführtes Unternehmen auch nicht dadurch aus, dass man auf jedes neue Pferd aufspringt, nur weil es momentan das schnellste zu sein scheint. Auf die Wünsche der Kunden ist manroland wo immer möglich und sinnvoll eingegangen und hat sich gerade hierdurch gegenüber den "Einheitsmaschinen" der Mitbewerber ausgezeichnet.
    Aus dem Verhalten einzelner Mitarbeiter, auf das gesammte Unternehmen zu schließen und allgemeine Arroganz zu unterstellen, wäre nicht fair. Jeder von uns hat ähnliche Erfahrungen mit anderen Unternehmen gemacht. Größeren Unternehmen wird Arroganz per se vorgeworfen. Nur, wer sitzt am längerem Hebel, wenn es um das Bezahlen geht?
    Und konnte man oft genug erleben wie Kunden versuchten, noch den letzten Euro herauszuhandeln. Nicht immer mit fairen Mitteln. Aber, will man einen Kunden verklagen? Am Ende kam man dem Kunden zähnknirschend entgegen.

    Auf die Zeichen der Zeit zu reagieren hätte bedeutet, dass man sich frühzeitig nach einer Braut umschaut und verschlankt. Und mit Heidelberg hat man sich an einen Tisch gesetzt. Gescheitert ist es laut Hörensagen an den Eitelkeiten in den Unternehmsspitzen. Wobei wohl Heidelberg mehr Macht im neuen Unternehmen haben wollte und es letztendlich daran scheiterte.

    Die genialen Köpfe gab und gibt es. Nur, was wollte der Markt? Schneller Rüstzeiten, weniger Makulatur, größere Druckzylinder, einfachste Bedienung durch Closed-Loop Systeme. Sprich, eine neue Maschine sollte zwei alte ersetzen können und dem Drucker das Leben so einfach, wie möglich machen. Was unter anderem dazu führte, dass vor allem ausländische Druckereien nur noch mit angelerntem Personal arbeiten und Arbeitsplätze wegvielen.
    So eine Maschine durfte aber nicht soviel kosten, wie zwei neue. Obwohl intern gerne von Gelddruckmaschinen gesprochen wurde, da die Druckereien damit sehr gutets Geld verdienten. Und, selbstredet sollte die Maschine wartungsarm und sehr lange laufen.
    Höher, schneller, weiter, aber bitte nicht teurer. Das konnte auf Dauer nicht gut gehen. Schon garnicht bei einem schrumpfendem Markt.

    In den Jahren der Krise entstand ein gnadenloser Preiskampf unter den Druckmaschinenherstellern. Maschinen wurden nicht selten mit Verlust verkauft. Hauptsache, der Auftrag ging nicht an den Konkurenten. Dabei hat manroland oft den Kürzeren gezogen, da die Konkurenz mit ihrem von der Krise wenig betroffenem Sondermaschinenbau quersubventionieren konnte.
    Irgendwann war allen bewußt: Einer muß gehen, damit die anderen weiter machen können.
    Doch, deren Überleben ist damit noch lange gesichert. Mit oder ohne manroland.

  6. Antworten

    DerHierSchreibt

    29. November 2011

    Hallo Uwe,
    aus deiner Argumentation zu schließen sind Sie ein "Roländer".
    Ich bin ein Beobachter dieses W-Zweiges.
    Als Aussenstehender musste ich feststellen, dass diese Firma keine eigene Inovationen hatte, nur von anderen abschaute, mit dem starken Background der MAN spielte und sich jeden Auftrag gekauft hatte. Wenn die Technik keine Rolle spielte dann hat diese Firma alle Aufträge gekauft.
    Somit hat diese Firma ebenfalls Schuld an dem Preisverfall,
    welche viele Druckereien ausgenutzt haben.
    Die Druckereien hatten recht, so ist eben der Kapitalismus und die Wirtschaft.
    Leid tun mir nur die kleinen Arbeiter an der Werkbank.
    Diese Leute stehen im Regen und haben jetzt vermutlich keine Arbeit mehr.
    Ich hoffe und wünsche diesen ehrlichen Arbeiter bald wieder einen neuen Job in einer anderen Firma.


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