Social Networks erlauben Manipulationen

15. Dezember 2011, 11:03 Uhr | Archiv

Eine Untersuchung der University of California ist laut Technology Review zum Ergebnis gekommen, dass Crowdsourcing-Plattformen in China und den USA gewerbemäßig missbraucht werden, um Debatten in sozialen Medien zu beeinflussen. Die so entstandene Multi-Millionen-Dollar-Industrie bezahlt Hunderttausende Menschen, um Wirtschaft und Politik eine wohlgewogene Öffentlichkeit zu garantieren.

Bildquelle: Pixelio // Fotograf: Sebastian Bernhard

Die US-Wissenschafter haben anfangs Crowdsourcing-Plattformen in China untersucht, nachdem ihnen auffiel, dass viele Beiträge, die Marken priesen oder versuchten Spam zu verbreiten, auf eine gemeinsame Agenda schließen ließen. Genauere Nachforschungen haben ans Licht gebracht, dass das an einem gemeinsamen Ursprung liegt.

„Wir haben ‚böses Crowdsourcing‘ in sehr großem Maßstab gefunden“, sagt Forscher Ben Zhao. Die Qualität der Manipulationsversuche war zur Überraschung der Wissenschaftler hoch. Die Crowdsourcing-Plattformen zahlen nämlich nur Honorare im zweistelligen Centbereich. Die Beeinflussung von Social-Media-Debatten im großen Stil haben Aufdecker „crowdturfing“ genannt.

Die Experten haben festgestellt, dass die zwei untersuchten chinesischen Plattformen zu 88 beziehungsweise 92 Prozent crowdturfing-Aufträge vergeben. „Diese Industrie setzt jetzt jedes Jahr Millionen um und wächst annähernd exponentiell“, so Zhao. Auf Grund der Übermacht der „dunklen Seite der Macht“ in China haben die Wissenschaftler auch Crowdsourcing-Plattformen in den USA untersucht. Auch hier ergab sich ein erschreckendes Bild: ShortTask, die zweitgrößte derartige Plattform der Vereinigten Staaten, besteht ebenfalls zu 95 Prozent aus croudturfing-Angeboten. Selbst Amazons „Mechanical Turk“-Plattform, die dubiose Machenschaften durch automatische Filter zu verhindern sucht, hatte noch einen crowdturfing-Anteil von zwölf Prozent.

Schwierig zu entdecken
Das Problem mit crowdturfing-Kampagnen ist, dass sie im Gegensatz zu automatisierten Manipulationsversuchen relativ schwierig zu entdecken sind. Die Forscher vermuten aufgrund der extremen Verbreitung solcher Angebote, dass auch politische Kampagnen auf crowdturfing setzen. Jetzt wollen die Wissenschaftler Systeme entwickeln, um die bezahlte Beeinflussung gezielt aufzuspüren. An eine Gefahr für das System Social Media glauben Experten derweil noch nicht.

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(Daniel Schürmann | Quelle: pressetext.com)

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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