TV-Technik: Publikumsforschung veraltet

12. Januar 2012, 10:21 Uhr | Archiv

Die technologische Entwicklung im Home-Entertainment-Sektor hat dazu geführt, dass digitale Inhalte aus Online-Videotheken und Streamingportalen zunehmend vom Web auch auf den TV-Bildschirm wandern. Dem rasanten technischen Fortschritt, der Internet und TV immer weiter zusammenwachsen lässt, steht allerdings ein regelrechter Stillstand im Bereich der Publikumsforschung gegenüber.

(Bild: Samsung)

„Die veralteten Methoden, mit denen das Nutzungsverhalten der User erfasst wird, sind lächerlich und beschämend für die gesamte Branche“, so Bruce Rosenblum, Präsident der TV Group bei Warner Bros. „Alle Technik-Gadgets der Welt bringen nichts, wenn man den Content, der mit diesen Geräten betrachtet wird, nicht entsprechend messen kann“, bringt Rosenblum laut dem US-Branchenblatt Variety seine Kritik an der derzeitigen Situation auf den Punkt. Im Gegensatz zur Technologie, die derzeit in Las Vegas auf der Consumer Electronics Show (CES) ausgestellt wird, komme man sich im Bereich der Publikumsforschung noch wie „ins Mittelalter zurückversetzt“ vor: „Die Leute müssen immer noch ein Tagebuch führen, um uns zu sagen, was sie anschauen.“

„Als öffentlich-rechtlicher Sender müssen wir einen bestimmten Programmauftrag erfüllen. Der Publikumsforschung kommt hier eine große Bedeutung zu. Sie hilft uns zu sehen, was die Leute anschauen und was nicht“, erklärt Lukas Schneider von der Medienforschung der ARD. Die Einschätzung, dass die Entwicklung in diesem Bereich dem technologischen Fortschritt bei den TV-Geräten mittlerweile deutlich hinterherhinke, könne er nicht nachvollziehen. „Die Produkte, die derzeit auf der CES vorgestellt werden, spielen für die deutsche Bevölkerung im Moment noch keine Rolle“, meint Schneider.

Nichtsdestotrotz müsse man aber auch hierzulande die verschiedenen Trends, die in Las Vegas präsentiert werden, genau im Auge behalten. „Die Publikumsforschung in Deutschland funktioniert über ein technisches Messverfahren, das zu den genauesten in Europa zählt. Wir sind aber laufend darum bemüht, dieses System weiter zu entwickeln“, betont Schneider.

Der Markt für Web-fähige Fernseher wird in den kommenden Jahren kontinuierlich wachsen. Einer Prognose der Marktforscher von DisplaySearch zufolge, soll sich die Nachfrage und Verbreitung entsprechender Geräte gegenüber dem Vorjahr schon bis 2012 verdoppeln und bis 2014 sogar verdreifachen. Trotz des eindeutigen Aufwärtstrends im Bereich der digitalen Inhalte bleiben aus Sicht der TV-Anbieter weiterhin die klassischen Distributionsformen die Umsatzquelle Nummer eins. „Wir können uns gerne über das Internet und digitalen Content unterhalten. Das meiste Geld machen wir aber immer noch klar mit traditionellem TV und es wird wohl auch bis auf absehbare Zeit so bleiben“, betont Warner-Bros.-TV-Chef Rosenblum.

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(Markus Steiner/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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