Florian Süßl zur ECI Altona Test Suite 2.0

13. Januar 2012, 10:09 Uhr | Archiv

Noch pünktlich vor Weihnachten berichteten wir über die »Technical Page 2« der ECI Altona Test Suite 2.0. Die ECI Altona Test Suite 2.0 bietet eine einzigartige Methode, um Komponenten und Systeme in der digitalen Druckvorstufe und in Druck-Workflows auf ihre PDF/X-4-Unterstützung zu überprüfen. Wir sprachen mit Florian Süßl, der maßgeblich an der Entwicklung beteiligt war, über die Technical Page 2.

Florian Süßl

Beyond-Print: Warum war die „Technical Page 2“ nötig?
Florian Süßl: Mit der „Technical Page 2“ setzt die ECI fort, was 2003 mit der „ECI Altona Test Suite 1“ eingeführt wurde: Frei zugängliche Testdaten nebst Dokumentation, um die Eignung von PDF-Workflow- und Ausgabesystemen für die Verarbeitung von PDF/X-Daten zu überprüfen und Programmeinstellungen zu optimieren. Die „ECI Altona Test Suite 1“ enthält Funktionen der seinerzeit aktuellen PDF/X-3-Spezifikation. Mit PDF/X-4 wurde eine Reihe weiterer PDF-Eigenschaften eingeführt – allem voran Live-Transparenzen, deren korrekte Verarbeitung Hersteller und Anwender mit der Technical Page 2 überprüfen können.

BP: Wie ist die Technical Page 2 der ECI Altona Test Suite 2.0 aufgebaut?
Süßl: Die Felder A bis R enthalten Praxisbeispiele, die erfahrungsgemäß in der Alltagsproduktion zu Problemen führen können. Bei den Feldern S bis Z geht es darum, die Funktionsweise von Transparenzen besser verstehen und den Einfluss einzelner Parameter auf das Transparenzergebnis systematisch testen zu können.

Um Anwendern die visuelle Auswertung zu erleichtern, enthalten alle Testfelder Abbildungen, die das Ergebnis bei korrekter Verarbeitung darstellen. Die Erzeugung dieser Abbildungen war schwieriger als gedacht, da die üblichen Programme kein einheitliches Ergebnis zeigen. Sogar innerhalb der Programme kommt es zu uneinheitlichen Ergebnissen, etwa wenn die Ausgabevorschau vom Ergebnis der Transparenzreduzierung abweicht. Folglich ist nicht klar, welche Variante das richtige Ergebnis zeigt. Da Abweichungen als Fehler interpretiert werden, betrieben wir einen großen Aufwand um herauszufinden, welches Ergebnis das richtige ist. Wichtigster Maßstab hierfür sind die beiden PDF-Normen ISO 32000 (PDF) und ISO 15930-7 (PDF/X-4).

BP: Auf welche Besonderheiten wurde eingegangen? Süßl: In der „Technical Page 1“ war einem Thema fast eine ganze Testseite gewidmet: Überdrucken-Eigenschaften wurden von den Ausgabesystemen anfangs nicht immer einwandfrei verarbeitet. Ein anderer Aspekt spielte damals noch keine so große Rolle: Smooth Shades (weiche Verläufe) und wurde deshalb in der „Technical Page 1“ nicht umfassend überprüft. Das wird mit der „Technical Page 2“ nachgeholt, die alle Smooth Shade Varianten enthält. Im Mittelpunkt der „Technical Page 2“ stehen allerdings Transparenzeigenschaften, deren Verarbeitung sowohl anhand praxisnaher Beispiele als auch über systematisch aufgebaute Testelemente überprüft wird. Außerdem geht es um weitere, mit PDF/X-4 eingeführte PDF-Eigenschaften wie OpenType-Fonts,
JPEG2000- und 16bit-Bilder oder Ebenen.

Florian Süßl
Senior Consultant zipcon berlin
Dank seiner langjährigen Erfahrung im Produktionsbereich einer Corporate Design Agentur, ist er der Fachmann für die Auswahl und Konfiguration der technischen Ausstattung, in Sachen Mitarbeiter- qualifizierung und Qualitätsmanagement. Mit den einschlägigen Standards und Prüfmethoden ist er dank seiner Mitarbeit in den entsprechenden Branchenvereinigungen und Standardgremien bestens vertraut. Und wenn es in der Produktionskette irgendwo hakt, reizt es Florian Süßl eine Lösung zu finden.

BP: Was sind die Herausforderungen für die Branche?
Süßl: Die Herausforderung für die Druckbranche besteht wie immer darin, mit neuen und zunächst ungewohnten Daten umzugehen. Ganz allgemein gesprochen, sind es also dieselben Herausforderungen wie bei jeder Neuerung:
Hersteller und Anwender müssen zwei Fragen beantworten und entsprechend reagieren. Können meine Programme die neuen Daten richtig verarbeiten? Muss ich meine Arbeitsweise umstellen, oder kann ich alle Funktionen wie bisher durchführen?

BP: Welche Entwicklungen sorgen für neue Anforderungen?
Süßl: Ursprünglich für ein Medium vorbereitete Inhalte dürften zunehmend auch für Publikationen in anderen Medien verwendet werden.
Neue Versionen der Adobe Creative Suite enthalten mehr und mehr Funktionen für Non-Print-Publishing. Folglich ist damit zu rechnen, dass mit InDesign & Co. erstellte Inhalte nicht nur wie bisher für gedruckte Publikationen als CMYK- und Sonderfarb-Objekte angelegt werden, sondern auch im RGB-Farbmodus für Online- und Tablet-Publishing. Und dass die Inhalte unabhängig vom Farbmodus zusammengestellt werden. Warum sollte bspw. eine für Tablet-PCs aufwändig erstellte Grafik nicht auch im Druck erscheinen.
Die Herausforderung besteht dabei darin, dass ein und dieselbe Grafikdatei auf dem Tablet-PC womöglich anders aussieht als im Druck. Ursache für diese unliebsamen Überraschungen sind technische Details der Transparenzverarbeitung. Folglich sollten sich mit dem Thema Transparenzen nicht nur Druckdienstleister beschäftigen, sondern auch alle, die Inhalte möglichst nur einmal ausgabeneutral erstellen möchten, um sie später in unterschiedlichen Medien flexibel verwenden zu können.

BP: Welche Vorteile bietet PDF/X-4?
Süßl: Gründe, die für eine Umstellung, konkret von PDF/X-1 auf PDF/X-4 sprechen, gibt es genug, vor allem im Zusammenhang mit Transparenzen. Bei der heute üblichen Druckproduktion mit PDF/X-1a treten immer wieder Probleme mit Transparenzeffekten auf: feine Linien oder Farbkanten bis hin zu verrutschten Buchstaben als Folge der Transparenzreduzierung. Ausserdem können bei transparenzreduzierten PDF-Daten Sonderfarben nicht mehr problemlos nach CMYK gewandelt werden. Diese Probleme lassen sich durch den Einsatz von PDF/X-4 vermeiden, da die Transparenzen dann noch „live“ vorhanden sind.

BP: Was ist bei der Umstellung von PDF/X-1a auf PDF/X-4 zu beachten?
Süßl: Bei der Umstellung von PDF/X-1a auf PDF/X-4 sind allerdings einige Punkte zu beachten, sodass für PDF/X-1 eingerichtete Workflows nicht einfach übernommen werden können.

Das Aussehen eines Transparenzeffekts hängt nicht zuletzt von technischen Details ab, die auf den ersten Blick gar nichts mit Transparenz zu tun haben. Die Änderung von Druckdaten im PDF-Workflow kann großen Einfluss auf die Darstellung haben. Druckdienstleister, die ihre Produktion auf PDF/X-4 umstellen möchten, sollten deshalb besonders sorgfältig prüfen, ob im Workflow vorgesehene Arbeitsschritte die grafische Darstellung versehentlich verfälschen. Besonders kritisch sind Farbkorrekturen, etwa um gelieferte Druckdaten für einen anderen Druckprozess anzupassen. Wer den Zusammenhang von Farbmanagement bei PDFs mit Live-Transparenzen nicht berücksichtigt, riskiert, den beabsichtigten Transparenzeffekt im PDF-Workflow zu verfälschen. Das hat gar nichts mit Fehlern der Programme zu tun, sondern damit, wie Transparenzen funktionieren, von welchen technischen Eigenschaften das Aussehen eines Transparenzeffekts abhängt. Wer diese Zusammenhänge verstehen möchte, sollte sich beim Eintesten neuer PDF-Workflows vor allem die Felder S bis Z der Technical 2 ansehen.

Leistungen von zipcon berlin: Colormanagement
Seminare und Workshops nächster Termin Workshop „Altona Test Suite v2 im Praxiseinsatz“ beim Colour Management Symposium am 2. Februar in München
Beratung und Umsetzung z.B.: Umstellung des Workflows von PDF/X-1 nach X-4

BP: Wie wichtig waren Herstellung und Anwender in der Entwicklung?
Süßl: Aus der Erfahrung mit der ECI Altona Test Suite 1 wussten wir um die Bedeutung der Testdateien für Hersteller und Anwender. Anwender machen ihre Kaufentscheidungen von der korrekten Verarbeitung der ATS abhängig. Und wenn die Ausgabe nicht mit dem erwarteten Ergebnis übereinstimmt, sind die Supportmitarbeiter der Hersteller gefragt. Deshalb wurden die Hersteller frühzeitig in die Entwicklung der Technical Page 2 einbezogen indem sie an einem mehrmonatigen Betatest teilnehmen konnten. Eine Mailingliste ermöglichte den fachlichen Austausch zwischen Machern der Technical Page 2 und den Herstellern.

zipcon consulting berlin
Die zipcon consulting berlin GmbH wurde im Herbst 2011 gegründet und hat ihren Sitz in Berlin. Sie arbeitet eng mit der Essener zipcon consulting GmbH zusammen und teilt deren Branchenfokus. Schwerpunkt der zipcon consulting berlin sind die Themenbereiche Qualitäts- und Colormanagement innerhalb des Erstellungs- und Produktionsworkflows, insbesondere fokussiert auf Vorstufe und Druck.

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(Daniel Schürmann)

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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