Lernen 2.0: Web ersetzt Lehrer?

16. Januar 2012, 10:20 Uhr | Archiv

Videotelefoniedienste wie Skype haben das simple Telefonat in ein multimediales Kommunikationserlebnis verwandelt. Wie vielseitig das Potenzial dieser Technologie ist, zeigt ein Blick in die USA, wo sich bereits ein neuer Trend abzeichnet: Videochat-Programme werden dort zunehmend für die Abhaltung von Musikunterrichtsstunden genutzt. Trotz der offensichtlichen Vorteile sieht man diese Entwicklung hierzulande eher skeptisch.

Musikunterricht: Kann das Web den Lehrer ersetzen? - (Foto: musikschule.ch)

„Ein echter persönlicher Musikunterricht lässt sich auf diese Weise nicht ersetzen“, so etwa Felix Bamert vom Verband Musikschulen Schweiz (VMS). Der Experte erklärte auch, warum es gerade beim Erlernen eines Musikinstruments darauf ankommt, dass sich Lehrer und Schüler am selben Ort aufhalten: „Man muss das auch aus einem menschlichen und sozialen Aspekt heraus sehen. Es ist sehr wichtig, dass sich zwischen Lehrer und Schüler eine persönliche Beziehung entwickelt. Diese ist für den Fortschritt des Musikunterrichts beinahe genauso entscheidend wie das Talent des Azubis.“ Die Lehrperson übernehme dabei auch oft eine gewisse Vorbildfunktion, die den Ansporn der Schüler antreibt. „Ich glaube nicht, dass sich das in dieser Form im Web realisieren lässt“, meint Bamert.

Natürlich hat der Unterricht per Videochat zumindest in der Theorie einige gewichtige Vorteile gegenüber seinem traditionellen Pendant vorzuweisen. So sind angehende Musiker beispielsweise nicht mehr länger auf ihre nähere Umgebung angewiesen, wenn sie sich auf die Suche nach einem passenden Lehrer begeben wollen. Im Web steht ihnen diesbezüglich die ganze Welt offen. Ein weiterer gravierender Vorteil ist die Möglichkeit der zeitunabhängigen Nutzung einzelner Lehreinheiten, die sich oft sogar mehrmals hintereinander wiederholen lassen, was wiederum den Lerneffekt steigert.

Hinzu kommt der Umstand, dass die Verlagerung des Unterrichts in das Internet nicht selten auch solche Menschen zu einem Instrument greifen lässt, die sich ansonsten niemals in eine Musikschule trauen würden. „Alle diese Punkte haben sicher ihre Gültigkeit. Wenn es aber darum geht, die bestmögliche Unterrichtsqualität zu erzielen, sind solche technischen Ansätze höchstens als begleitende Maßnahme sinnvoll“, ist Bamert überzeugt.

Wie Gary Ingle, Geschäftsführer der Music Teachers National Association gegenüber der New York Times berichtet, gibt es bislang noch keine genauen Daten zur Anzahl von Musikunterrichtsstunden, die per Videochat abgehalten werden. Fest stehe aber, dass sich sowohl in den Reihen der US-Lehrer als auch der Schüler ein starker Trend in diese Richtung abzeichne. „In dieser Hinsicht dürften uns die USA voraus sein. Bis auf einige wenige entsprechende Filme auf YouTube und anderen spezifischen Portalen ist dieser Trend meines Wissens nach noch nicht bei uns angekommen“, so Bamert abschließend.

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(Markus Steiner/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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