Buchhandel: Wunschpreis zahlen

24. Januar 2012, 10:20 Uhr | Archiv

Der US-amerikanische Autor Jon Evans kritisiert seit Jahren die mangelnde Flexibilität der Buchverlage. Das gängige Geschäftsmodell hält er für obsolet. Günstige E-Books sind für Evans ebenfalls nur eine Zwischenlösung. Seiner Meinung nach werden Bücher in Zukunft erst nach dem Konsum bezahlt. Den angemessenen Preis sollen die Leser selber festlegen können. Um zu zeigen, dass er es ernst meint, testet Evans dieses Modell an zwei seiner eigenen Bücher.

Foto: pixelio.de, Rainer Sturm

„Die Verlage setzen stark auf antiquierte Modelle und können mit der technologischen Entwicklung nicht mithalten. Das gilt verstärkt für Mitteleuropa. Momentan werden Alternativen getestet. ‚Bezahlen Sie was Sie wollen‘ könnte ein System für die Zukunft sein, ich glaube aber eher an ein iTunes-ähnliches Konstrukt“, sagt Marketing-Expertin Anne Schüller.

Evans stellt zwei seiner Bücher zum freien Download unter einer Creative-Commons-Lizenz ins Netz. Neu ist allerdings nur einer der beiden Romane, denn „Invisible Armies“ wurde zuvor bereits auf traditionellem Weg in den Handel gebracht. Die Rechte sind eben erst an den Autor zurückgegangen. „Swarm“, die Quasi-Fortsetzung des erfolgreichen Thrillers, wird exklusiv als Gratis-Buch vertrieben. Beide Romane können in verschiedenen, für diverse E-Reader angepassten Formaten heruntergeladen werden.

Bei Gefallen können Leser im Nachhinein eine elektronische Kopie der Bücher bei Amazon oder iBooks kaufen und den Autor so bezahlen. „Bekannte Autoren können davon profitieren. Die zu erwartenden geringeren Einnahmen werden durch die gesteigerte Reputation kompensiert. In Mitteleuropa steht die Buchpreisbindung solchen Modellen im Weg“, so Schüller.

Evans glaubt, dass elektronische Bücher in Zukunft ausschließlich nach solchen Richtlinien verkauft werden. Ein „Bezahlen Sie was Sie wollen“-Interface auf der letzten Seite der E-Books wird seiner Meinung nach zum Standard werden. Evans räumt allerdings ein, dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist. Die momentanen Umwälzungen sieht er lediglich als erste Schritte in diese Richtung an. Erst wenn eine kritische Masse von bereits bekannten Autoren sich entscheidet das „Bezahlen Sie was Sie wollen“-Modell zu akzeptieren, kann es sich am Markt durchsetzen.

Unbekannte Autoren, die keinen Verlag im Rücken haben, verwenden solche Modelle schon heute. „Für Schriftsteller, die ihren Bekanntheitsgrad steigern wollen, ist das Modell spannend. Solange das Modell neu ist, haben auch die Medien Interesse an solchen Geschichten. Das hilft beim Aufbau von Reputation. Viel Geld zu verdienen, ist für unbekannte Autoren auf diese Weise aber schwierig“, sagt Schüller.

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(Markus Keßler/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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