Druckbranche hat den Wandel verschlafen

1. Februar 2012, 15:39 Uhr | Archiv

Die Druckbranche befindet sich in einem drastischen Wandel. Schon seit Jahren wird immer häufiger von der Druck- und Medienbranche gesprochen, denn drucken alleine ist heute nicht mehr alles. Immer mehr Medien rauben den auf toten Bäumen aufgebrachten Farben wichtige Marktanteile. Große Unternehmen, die zu lange und zu stark auf Druck gesetzt haben, merkten dies spätestens im vergangenen Jahr: Zahlreiche Insolvenzen und Druckereischließungen gehen Hand in Hand mit tausenden verlorenen Arbeitsplätzen.

(Foto: pixelio.de, Rainer Sturm)

Zuletzt traf es mit Manroland einen Druckmaschinenbauer. Im November musste der weltweit drittgrößte Hersteller von Druckmaschinen Insolvenz anmelden. Es handelt sich dabei um die größte Insolvenz in Deutschland seit zwei Jahren (Erinnerung: Karstadt meldete damals die Zahlungsunfähigkeit an).

Schon 2009 stand die Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg) vor der Insolvenz und konnte nur durch einen Finanzspritze Baden-Württembergs, also durch den sprichwörtlich beherzten Griff in die Tasche der Steuerzahler, vorerst gerettet werden. Doch die Geschäftszahlen sehen weiterhin nicht so rosig aus, wie erhofft. Und auch die Unternehmensgruppe König & Bauer (KBA) musste dieses Jahr erneut ihre Geschäftserwartungen nach unten korrigieren. Weitere Einsparungen und Stellenstreichungen sind aktuell nicht auszuschließen.

Zusammenschluss der Druckmaschinenbauer
Der Druckmaschinenmarkt ist am Boden und ein Zusammenschluss dringend nötig. Die Gerüchteküche brodelt: Manroland wird vermutlich aufgeteilt, in eine Bogenoffset- und einen Rollenoffset-Sparte. Wer aber welchen Teil von Manroland kauft, ist bislang noch immer nicht klar. Heidelberg und Manroland standen vor Jahren in Gesprächen, die zu keinem Ergebnis kamen. Nun soll KBA Interesse an Manroland bekundet haben, aber keine konkreten Gespräche führen. Ein Finanzinvestor bräuchte zu lange für die Prüfung der Geschäftszahlen und einer Einschätzung des Umfeldes und der Wirtschaftslage.

Allerdings warf der Manroland-Insolvenzverwalter eine interessante Idee in den Raum: Ein Zusammenschluss von Heidelberg, KBA und Manroland zu einer „Druck-Deutschland-AG“. Zusammen könnten die drei Unternehmen den Standort Deutschland festigen, ohne sich gegenseitig die Geschäfte wegnehmen zu müssen. Man könnte sich auf deutsche Qualität berufen, ohne bei jeder verkauften Maschine rote Zahlen schreiben zu müssen, aus Angst, die Konkurrenz könnte den Auftrag bekommen. Der negativen Preisspirale innerhalb der deutschen Druckmaschinenbauer würde ein Riegel vorgeschoben. Ob es soweit kommt, dürfte die Zukunft zeigen – unwahrscheinlich ist in der heutigen Zeit nichts mehr.

Doch wie kommt es überhaupt zu den Problemen der Druckmaschinenbauer? Das erste Problem ist die prekäre Lage auf den Finanzmärkten. Die Situation ist für viele Unternehmer nicht stabil genug, große Investitionen in millionenschwere Druckanlagen zu tätigen und wenn sie wollten, spielen oft die Banken nicht mit. Es wird lieber zum x-ten Mal eine bestehende Anlage repariert, als in unsicheren Zeiten in eine neue Anlage zu investieren. Dieses Verhalten kennt man auch als „auf die lange Bank schieben“. Letztlich darf nicht vergessen werden, dass der gesamte Druckmaschinenmarkt seit 2008 um nahezu die Hälfte geschrumpft ist und eine nachhaltige Erholung ist nicht in Sicht.

Strukturwandel nicht zu vernachlässigen
Neben dieser Situation ist der Strukturwandel in der Branche nicht zu vernachlässigen. Wie der Wandel von einer Kohle- zur Dienstleistungs-Region, wandelt sich die Druck- und Medienbranche: weg vom analogen Druck, hin zu digitalen, multimedialen Inhalten. Sicherlich wird Druck weiterhin eine große Rolle spielen, denn Gedrucktes ist wertig und langlebig.

Allerdings haben das Internet und die damit verbundenen Geräte, wie Tablets und Smartphones, aber auch klassische Computer und Laptops, einen starken Anteil am Leben der Menschen bekommen. Immer mehr lesen digital anstatt analog auf gedrucktem Papier.

Selbst in der Bahn sieht man immer häufiger ältere Menschen, die einen E-Reader oder ein Tablet zum Lesen nutzen. Jahrzehnte lang wurden vorher mehrere gedruckte Bücher pro Monat oder täglich die gedruckte Zeitung gelesen. Nun passiert alles digital – es ist komfortabler, preiswerter und dank E-Ink-Display genauso augenfreundlich. Letztlich zählt doch der Inhalt mehr als die Form. Kommen dann noch steigende Papier und Farbpreise auf die Druckereien zu und werden diese an die Käufer gedruckter Produkte weitergegeben, ist endgültig klar, dass Print einen schweren Stand hat.

Vertrauen in gedruckte Produkte
Alan Moore, ein bekannter US-Autor erklärte kürzlich in einem Interview: „Ich habe eine Menge Vertrauen in das gedruckte Buch, da ich es wie einen Hai sehe. Haie haben sich seit Millionen und Abermillionen von Jahren nicht weiterentwickelt, aus dem einfachen Grund, dass es nicht nötig ist. Sie sind seit Anbeginn der Zeit perfekt. Ähnlich denke ich über Bücher.“ Vermutlich wird das gedruckte Buch aber aufgrund stetig steigender Preise eine Art Luxus-Objekt werden.

Die schnelle, preiswerte Lektüre geschieht im Internet oder auf einem E-Reader bzw. Tablet. Wer etwas Wertiges besitzen möchte, greift künftig auf gedruckte Bücher zurück. Und schlechte Voraussetzungen hat das Buch nicht: In den vergangenen Jahren steigen Verkaufszahlen und Umsatz von Musik-Kassetten, Vinyl-Schallplatten und VHS-Kassetten. Dem Buch und gedruckten Produkten dürfte Ähnliches bevorstehen.

Wie sich die Druck- und Medienbranche selber sieht und was es Neues zu erzählen, vorzustellen und zu berichten gibt, das wird in wenigen Monaten die drupa zeigen. Vom 3. bis 16. Mai 2012 ist es in den Messehallen Düsseldorf nach vier langen Jahren wieder soweit. Freuen wir uns auf den Duft von frisch bedrucktem Papier und interessante Zukunftskonzepte für die gesamte Branche.

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(Daniel Schürmann)

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

1 Kommentar

  1. Antworten

    EuropaDruck.com

    1. Februar 2012

    Eine schlüssige Zusammenfassung der aktuellen Situation.
    Sicherlich ist Gedrucktes wertig und auch langlebig.

    Auch richtig ist aber wohl, das Gedrucktes nicht unbedingt mehr die Wertschätzung vieler Mediaentscheider erfährt, wie in der Vergangenheit und das Produkt "Print" im Vergleich zu vielen "neuen Medien" an einem Imgageproblem leidet.

    Gäbe es sonst groß angelegte Kampagnen wie "Print wirkt"?


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