EU-Datenschutzrichtlinie wird kritisiert

3. Februar 2012, 11:16 Uhr | Archiv

Die neue EU-Datenschutzrichtlinie, die momentan in Vorbereitung ist, betrifft nicht nur Verbraucher. Die Marketing-Branche, die in hohem Ausmaß von der Verwertung von Nutzerdaten abhängig ist, hat großes Interesse, die Bestimmungen mitzugestalten. Die neue Verordnung soll laut Schätzungen in 18 bis 24 Monaten in Kraft treten und unverändert in allen EU-Mitgliedsstaaten gelten.

(Quelle: Pixelio // Fotograf: Rainer Sturm)

„Datenschutz ist für uns ein essenzielles Thema. In der jetzigen Form ist die Datenschutzrichtlinie nicht akzeptabel. Unternehmen müssen weiterhin in der Lage sein, ihre Zielgruppen direkt zu erreichen“, sagt Anton Jenzer, Präsident des Dialog Marketing Verbandes Österreich (DMVÖ), Rahmen einer Pressekonferenz in Wien.

Die neue EU-Datenschutzrichtlinie ist bereits als Kommissionsvorschlag publiziert worden. Das EU-Parlament hat noch die Möglichkeit, Änderungen vorzunehmen. Schon in den vergangenen Wochen sind im Vergleich zu den ersten Entwürfen Abschwächungen der Richtlinie vorgenommen worden. Die Marketing-Branche fürchtet, dass durch strenge Datenschutzgesetze die Möglichkeiten zur zielgerichteten Ansprache von Konsumenten verloren gehen, was eine Beschädigung des Geschäftsfeldes bewirken würde. In Österreich sind im Dialogmarketing etwa 80.000 Menschen beschäftigt, der Jahresumsatz beträgt laut Schätzungen etwa 2,5 Mrd. Euro.

„Durch unseren unermüdlichen Einsatz konnten wir schon erreichen, dass einige Punkte aus der Richtlinie entfernt wurden. Es war zum Beispiel vorgesehen, dass persönlich adressierte postalische Mailings nur noch mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt sind. Wir werden uns weiterhin für eine ausbalancierte Regelung einsetzen, die sowohl die Anliegen von Verbrauchern als auch jene von Unternehmen berücksichtigt“, sagt Jenzer. Die Strafen für Vergehen konnten schon gedrückt werden. Erst waren Pönalen in der Größenordnung von fünf Prozent des Jahresumsatzes vorgesehen. Lobbyisten konnten das Strafmaß schon auf zwei Prozent verringern. Für den DMVÖ ist das allerdings immer noch unverhältnismäßig.

Der DMVÖ kritisiert auch einige andere Punkte der geplanten Datenschutzrichtlinie. Die zusätzliche administrative und finanzielle Belastung für kleine und mittlere Unternehmen, die zur Umsetzung der Verordnung nötig wären, sind dem Verband ein besonderes Anliegen. In anderen Punkten ist der DMVÖ durchaus der selben Meinung wie die EU-Kommission, sieht aber Unklarheiten bei der Umsetzung. „Die Regelung, die Cookies nur noch mit Zustimmung der Nutzer erlaubt, ist grundsätzlich nicht schlecht. Eine Umsetzung, die das Surfen im Netz nicht zu einer nervigen Klick-Orgie verkommen lässt, ist aber schwierig“, so Jenzer.

Ähnliches gilt für das Recht der Verbraucher auf Löschung ihrer gesammelten Daten. Auch hier hat die Kommission noch keine Details zur Umsetzung bekanntgegeben. „Wir sind für einen transparenten Umgang mit Daten, allerdings mit Maß und Ziel. Marketing kann nur mit Daten Leben. Wenn Zielgruppen nicht mehr angesprochen werden können, erhält jeder Verbraucher alles“, sagt Jenzer.

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(Markus Keßler/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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