MobiFit: Lernen via Smartphone

7. Februar 2012, 9:58 Uhr | Archiv

Eine neue Entwicklung der Fachhochschule St. Pölten schickt sich an, den klassischen Schulunterricht zu verändern. Die auf dem selbst entwickelten Mobilot-Framework basierende Anwendung „MobiFit“ schickt Schüler auf eine Outdoor-Schnitzeljagd, die die Kapazitäten moderner Smartphones nutzt. Grischa Schmiedl vom Institut für Creative Media Technologies spricht über das Programm und den Lernalltag der Zukunft.

MobiFit: Smartphone-App schickt Schüler auf Schnitzeljagd - (Foto: FH St. Pölten)

Smartphones sind auf dem Vormarsch, auch unter Schülern. Im Rahmen seiner Dissertation erforschte Schmiedl die Nutzungsmöglichkeiten der Telefonie-Handhelds im Schulalltag mit insgesamt 84 Probanden und einer selbstentwickelten Anwendung. Dabei lag der Anteil moderner Telefone bei einem Versuch Anfang 2010 noch bei 25 Prozent, während er anderthalb Jahre später bereits auf 45 Prozent angestiegen war. Bei älteren Teilnehmern einer Fachschule besaßen gar 70 Prozent der Teilnehmer bereits ein Smartphone – Tendenz steigend.

Auch die von Schmiedl selbst entwickelte Testapplikation fand regen Anklang, wobei der Forscher hier relativiert. „Die Versuche waren einmalige Aktionen, bei täglichem Einsatz würde der Enthusiasmus wahrscheinlich etwas abebben“, meint er. Jedoch denkt er, dass iPhone und Co auch langfristig für Motivation sorgen können. „Heutige Schülergenerationen haben einen medialen Habitus, in dem die Benutzung von Geräten wie Smartphones und ihrer wichtigsten Funktionen längst inkludiert ist. Das gibt ihnen auch Sicherheit. Dazu kommt, dass diese Geräte oft ein Identifikationsmerkmal mit entsprechendem ‚Coolness-Faktor‘ und derzeit ganz oben im Trend sind.“

Ein Vorteil, den sich MobiFit zunutze macht, indem sie Lehrkräften die Erstellung interessanter Aufgaben erlaubt. „So lässt sich etwa der Sport- mit dem Biologieunterricht kombinieren“, erklärt Schmiedl. „Der Lehrer könnte Schülergruppen auf einen Waldlauf schicken und an vorgegebenen Positionen etwa nach einem bestimmten Baum suchen und anschließend eine Frage beantworten lassen.“ Voraussetzung ist natürlich, dass die Lehrkräfte Offenheit gegenüber dem Wandel im Umgang mit Medien zeigen.

Aktuell ist das Tool eine reine Webapplikation, die über den Smartphone-Browser angesprochen wird. Dementsprechend niedrig liegen die Anforderungen. Sowohl ältere iPhones als auch die meisten Geräte mit Android ab der Version 2.1 sollten in der Lage sein, MobiFit flüssig auszuführen. In Entwicklung befinden sich App-Versionen für beide Systeme, die sich technisch von der Browserfassung jedoch kaum unterscheiden. Schmiedl hofft, dass diese in zwei Monaten im Android Market und Apples App-Store verfügbar sind.

Die Technik dahinter, „Mobilot“, ist ein kontextual arbeitendes System, dass die Verknüpfung zahlreicher Informationen nutzen kann, um dem User beispielsweise maßgeschneiderte Informationen zu übermitteln. So könnte auf Basis von Standort, Wetter und Vorlieben etwa ein passendes Lokal angezeigt werden, das von anderen Usern gut bewertet wurde und aktuell auch geöffnet ist.

Der Wissenschaftler bescheinigt Context-Aware-Services großes Potenzial, wenn es um die Veränderung des klassischen Unterrichts geht – nicht nur in Schulen, sondern auch in der Erwachsenenbildung und anderen Bereichen. Er sieht hier das „lustvolle Lernen“ durch die Kombination aus Gehen, Erleben und Information als Schlüssel zur effizienten Wissensaneignung. Doch auch im Klassenzimmer selbst lassen sich moderne Handheld-Devices sinnstiftend verwenden und bieten neben Innovationen wie MobiFit noch viele andere Optionen, so Schmiedl.

Den Einzug von Augmented-Reality-Diensten auf dieser Ebene erwartet er hingegen nicht so schnell. „Das wird erst passieren, wenn diese Technik so ausgereift ist, dass sie auf dem Stand heutiger Sci-Fi-Visionen ist“, so seine Einschätzung. „Im Moment ist man da aber noch in den Kinderschuhen.“

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(Georg Pichler/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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