Buchpreisbindung stoppt E-Book-Projekt

17. Februar 2012, 9:20 Uhr | Archiv

Der „Berlin Story Verlag“ hat ein Problem: die starren Richtlinien der Buchpreisbindung. Nachdem der Verlag ein E-Book kostenlos zur Verfügung gestellt hat, und dem Leser die Entscheidung offenlässt, ob er oder sie dafür einen Betrag zahlen will, wurde man für genau dieses Vorgehen angemahnt. Verlage müssten einen Buchpreis bestimmen, so der abmahnende Interessenvertreter großer Verlage.

Buchkonzept der Zukunft (Quelle: IDEO Video)

Der Berliner Verlag hat es den Käufern überlassen, ob und wenn ja welchen Betrag sie für ein kostenlos zur Verfügung gestelltes E-Book bezahlen wollen. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes „fair pay“ Modell, bei dem der Benutzer entscheidet, was die ihm angebotene Leistung bzw. der in diesem Fall angebotene Inhalt für einen Wert hat. Den Kaufpreis konnte man also selbst bestimmen und er lag zwischen Kostenlos bis hin zu einem beliebig hohen Betrag.

Enno Lenze, Inhaber des „Berlin Story Verlags“ erklärte nach dem Stopp des Projekts, bei dem das E-Book „Der Letzte macht das Licht aus“ kostenlos angeboten wurde, dass sein Vorhaben angemahnt wurde – und das nachdem über 200 E-Books mit dem fair pay Modell verkauft wurden. Das Schriftstück hat der Inhaber im Wortlaut auf der eigenen Webseite veröffentlicht.

Der Inhalt: Ein „Preisbindungstreuhänder zahlreicher Verlage“ mit der Aufgabe, die Einhaltung der Preisbindung und die Verfolgung von Preisbindungsverstößen“ zu überwachen, hat erkannt, dass das Projekt des Verlags gegen die Buchpreisbindung und damit geltendes Recht verstoße. Nach dem Gesetzestext muss der Verleger „den Preis bestimmen und dann veröffentlichen“. Dritten ist es nicht überlassen, einen Wert für ein Buch zu bestimmen. Die Stimmung im Berliner Verlag ist natürlich gedrückt: „Die Großen der Branche harren auf veralteten Geschäftsmodellen aus und verteidigen diese“. Die Ironie: Im Anwaltschreiben wird die Idee des Verlag lobt und „interessant“ findet.

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(Daniel Mittendorf | Quelle: berlinstory-verlag.de)

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

2 Kommentare

  1. Antworten

    Christian Russ

    17. Februar 2012

    Stellungnahme der Rechtsanwälte Fuhrmann Wallenfels zum „Fall Berlin Story Verlag“: Kostenloses E-Book und Buchpreisbindung ?

    Die Vielzahl von Kommentaren in den unterschiedlichen Blogs macht es notwendig, einige Dinge klar zu stellen:

    1.
    Grund unseres Schreibens war die Werbeaussage des Verlages, man wolle es „den Lesern überlassen, den Preis eines E-Books zu bestimmen“. Das ist mit der gesetzlichen Regelung der Buchpreisbindung unvereinbar, wonach nur der Verlag den Preis bestimmen kann und muss. Wäre nur vom Verschenken des E-Book die Rede gewesen, wäre alles in Ordnung.

    2.
    Wer E-Books verschenken will, kann dies jederzeit ohne Probleme tun. Wer aber als Verlag E-Books verkaufen will, muss gesetzlich einen Preis festsetzen. Das ist bei E-Books nicht anders als bei gedruckten Büchern auch.

    3.
    Wir haben den Berlin Story Verlag nicht abgemahnt und ihm auch nichts verboten (Anwälte können gar nichts verbieten, das können in einem Rechtsstaat nur die Gerichte). Demgemäß haben wir den Verlag auch nur darauf hingewiesen, dass sein Modell der Preisfestsetzung durch den Käufer nicht mit der Buchpreisbindung vereinbar ist. Schließlich wäre der Verlag Gefahr gelaufen, von Konkurrenten abgemahnt und auf Unterlassung in Anspruch genommen zu werden. Auch sind dem Verlag keine Kosten durch unser Schreiben entstanden. Die Aufklärung über die Buchpreisbindung gehört nun einmal zu unseren Aufgaben als von den Verlagen eingesetzte Anwälte. Aus diesem Grund betreiben wir auch die Info-Homepage www.preisbindungsgesetz.de .

    Ergebnis

    Der Verlag wurde nicht abgemahnt, ihm wurde auch nichts verboten. Der Verlag kann sein E-Book verschenken, soviel er will. Wo also ist das Problem? Handelt es sich bei der Geschichte vielleicht nur um einen Marketing-Gag eines Verlages, sich und sein Buch bekannt zu machen?

    Und: Warum verschenkt der Verlag das E-Book nun eigentlich nicht???

    17.02.2012 • Rechtsanwalt Prof. Dr. Christian Russ, Kanzlei Fuhrmann Wallenfels Wiesbaden

  2. Antworten

    Daniel Mittendorf

    20. Februar 2012

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir haben unseren Artikel entsprechend angepasst. Dennoch: Das starre Buchpreismodell sollte in Deutschland endlich abgeschafft werden - so meine persönliche Meinung. In anderen Ländern gibt es dadurch deutlich mehr Konkurrenz, was für den Kunden immer gut ist.


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