PSD: Weltweit erste Druckerei zertifiziert

17. Februar 2012, 12:46 Uhr | Archiv

Auf dem Weg zu bestmöglicher Qualität und Transparenz hat das Berliner Unternehmen Laserline einen Erfolg verbuchen können. Als erstes Unternehmen weltweit wurde die Druckerei von der Fogra nach dem neuen ProzessStandard Digitaldruck (PSD) zertifiziert. Wir erklären die Ziele, den Sinn und weitere Details zum PSD.

Andreas Kraushaar (links) von der Fogra überreicht Laserline-Betriebsleiter Rolf Henkel und seinem Digitaldruckteam die PSD-Urkunde (Fotos: Sadowski, Laserline)

Ziele des ProzessStandard Digitaldruck und der PSD-Zertifizierung
Die Ziele des PSD sind vielfältig: Qualitätskonstanz durch Ausgabeprozesskontrolle ist der wohl wichtigste Punkt. Die Druckqualität wird über eine Reihe von Kriterien bewertet, wobei die Farbtreue eine zentrale Rolle spielt. Die Kontrolle der Farbwiedergabe geschieht zum einen über den aus dem Offsetdruck bekannten “side-by-side absolut” Vergleich, wobei Druck und Proof nebeneinander liegend verglichen werden. Zusätzlich eingeführt wurde die Abmusterungs- und Auswertungsmöglichkeit „medienrelativ“, die der alltäglichen Situation Rechnung trägt: Obwohl Digitaldrucke im Unterschied zu Proofs ohne Papiersimulation erstellt werden, stimmen sie häufig visuell sehr gut mit einer Referenzdruckbedingung wie „ISO Coated v2“ überein. Für die dazu passende messtechnische Bewertung werden die Referenzfarbwerte „medienrelativ“ für das jeweilige Auflagenpapier umgerechnet, wofür die Fogra ein Excel-Chart zur Verfügung stellt. Eingehalten werden müssen natürlich auch Standards im Workflow der Druckdatenerzeugung, dieser muss nämlich PDF/X Konform sein.

So läuft eine PSD-Zertifizierung ab
Zu Beginn findet eine Vorabprüfung statt. Dabei wird das Datenhandling mittels der PDFX-ready Tests „Creation“ und „Output“ geprüft und ein Proof (Validation oder Contract Proof) erstellt. Anschließend folgen wöchentlich Testdrucke einer Maschinen-Material-Kombination.

Als nächster Schritt folgt das Audit in der Druckerei. Dabei kontrolliert die Fogra, ob die Druckerei Datenhandling und Korrektur einer fehlerhaften Druckdatei beherrscht und prüft Prozesskontrolle und Auflagendruck sowie die Abmusterungsbedingung (ISO 3664). Abschließend erfolgt eine messtechnische Auswertung der Auflagendrucke nach PSD bei der Fogra.

Dadurch zeichnet sich der PSD und die PSD-Zertifizierung aus
einer Momentaufnahme wie beim PSO unterliegt der PSD einer kontinuierlicher Überprüfung. Dazu findet ein monatlicher Qualitätsreport an die Fogra statt. Die messtechnische Qualitätsbewertung erfolgt nach Praxisanforderungen. Dazu zählen unterschiedliche Drucksysteme, Kundenerwartung und eine medienrelative Bewertung des Druckergebnisses.

Eine weitere praxisorientierte Neuerung des PSD besteht darin, die Druckqualität in drei unterschiedlich anspruchsvollen Stufen A, B und C zu bewerten. Viele Digitaldrucksysteme bieten aus Anwender- und Kundensicht eine gute Qualität, obwohl sie neben Stärken in einem Bereich Schwächen in anderen Bereichen aufweisen. Eine einheitlich anspruchsvolle Bewertung würde dem nicht gerecht, da je nach Anwendung einzelne, der im PSD geprüften Kriterien eine untergeordnete Rolle spielen. Eine weitere Neuerung ist der Einsatz der Farbabstandsformel ΔE00, die eine bessere Übereinstimmung mit dem menschlichen Farbempfinden liefert als das bislang gebräuchliche ΔEab.

Herausforderungen für Druckdienstleister
Natürlich ist die PSD-Zertifizierung nicht ganz einfach. Die Herausforderung, ein einheitliches Farbergebnis zu erzielen, stößt in der Praxis auf Probleme, die durch den Druckprozess und das Drucksystem ausgelöst werden:

• unterschiedliche CIELAB-Farborte der Grundfarben (Offset-Skalenfarben, Toner, Tinten)
• systemabhängige Anzahl der Grundfarben (4c, 6c …)
• unterschiedliche Bedruckstoffe (Papier, Folie, Tassen, …)

Vielmehr entspricht der PSD gängiger Praxis: Zuerst muss eine einheitliche Farbreferenz für alle Druckprodukte (häufig „ISO Coated v2“) gewählt werden. Anschließend erfolgt eine zweistufige Prozesskontrolle, angefangen mit einer (herstellerspezifischen) Kontrolle des Drucksystems, d.h. Linearisierung, Kalibrierung. Anschließend folgt eine Anpassung der Druckdaten bei der Ausgabe, um die Farbreferenz mit den jeweiligen Drucksystemen bestmöglich zu erreichen (Farbserver, Farbkonvertierung im RIP). Gescheitert sind dadurch verfahrensspezifische Standardisierungsansätze mit Zielwerten für die Grundfarben des Drucksystems (CIELAB Vollton, Tonwertzunahme).

Erfahrungen aus der PSD-Zertifizierung
Durch eine erfolgreiche Zertifizierung ergeben sich im Produktionsalltag zahlreiche Vorteile. Man hat ein besseres Grundverständnis für Farbmanagement im Digitaldruck. Eine regelmäßige Qualitätskontrolle und die systematische Kalibrierung, Profilierung und Farbanpassung führen zu besseren, da gleichbleibend guten Ergebnissen, als das „Regeln nach Auge“.

Vorstellung des PSD und Zertifizierung von Laserline
Die Fogra (Forschungsgesellschaft Druck mit Sitz in München) hat 2011 den neuen ProzessStandard Digitaldruck (PSD) vorgestellt. Dieser berücksichtigt die im Aufbau befindliche Normfamilie ISO 15311. Der PSD ist in drei Bereiche unterteilt: Ausgabe-Prozesskontrolle, Farbtreue und Workflow. Die Farbwiedergabe, Detailschärfe und Homogenität des Drucks wird dabei genauso kontrolliert wie das Auffinden von Fehlern in den Testdateien. Wer hier besteht, zeigt, dass er die Material- und Prozessvielfalt im Digitaldruck beherrscht. Eine Vielfalt, die auch für Laserline in Berlin ein entscheidender Punkt ist. Schließlich bietet das Unternehmen mehr als zehn Millionen Druckprodukte online und über 400 aufbereitete Papiermuster in den Musterkollektionen der Blackbox & Whitebox an.

Laserline hat die Anforderungen unter der Führung von Rolf Henkel bewältigt. Für den Betriebsleiter und seine gesamte Mannschaft ist das ein schöner Erfolg. Die Urkunde der Fogra brachte Andreas Kraushaar, Abteilungsleiter Vorstufentechnik und maßgeblich für die PSD-Entwicklung verantwortlich, persönlich im Druckzentrum vorbei. Schließlich war der Zertifizierungsprozess nicht nur für die Druckerei, sondern auch für die Fogra eine wichtige Erfahrung.

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(Daniel Mittendorf))

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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