USA: Akademische Verlage unter Druck

17. Februar 2012, 10:28 Uhr | Archiv

Wissenschaftler in den USA machen gegen den Research Works Act mobil, der die Gratis-Veröffentlichung von staatlich geförderten Forschungsergebnissen unterbinden soll. Der Gesetzesentwurf, der von führenden wissenschaftlichen Verlagen initiiert wurde, würde auch die veralteten Kostenstrukturen festzementieren. Tausende Akademiker protestieren gegen den Entwurf und verlangen, dass die US-Regierung mit den Verlagen bessere Konditionen verhandelt.

Bücher: Milliardengeschäft für Verlage - (Foto: pixelio.de, D. Schütz)

„Eine Abschaffung des Verlagswesens ist nicht das Ziel. Die Verlage erbringen schließlich qualitativ hochwertige Leistungen durch Kontrolle und Distribution. Es müsste überlegt werden, wie das System weniger gewinnbringend organisiert werden kann“, sagt Ulrike Felt, Vorständin des Instituts für Wissenschaftsforschung der Universität Wien. Die Verlage beziehen ihr Einkommen momentan aus zwei Quellen. Einerseits bezahlen Universitäten und Forschungseinrichtungen für die Publikationen, andrerseits bezahlen Forscher, oft mit öffentlichen Geldern, die Verlage für die Veröffentlichung ihrer Ergebnisse.

Ein Forschungsbetrieb ohne Publikationen ist nicht denkbar, weshalb die Einrichtungen den Verlagen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind. In den USA haben die Top Drei der wissenschaftlichen Verlage, Elsevier, Springer und Wiley, zwischen 2008 und 2010 trotz allgemeiner Krise ihre Umsätze und Gewinne auf das Rekordniveau von 5,3 beziehungsweise 1,9 Mrd. Dollar gesteigert. Durch den Research Works Act würden der US-Regierung, die den Verlagen gegenüber in vielen Bereichen praktisch als Nachfrage-Monopolist gegenübertreten kann, die Hände in Sachen Neuverhandlung der Preise gebunden.

Viele Wissenschaftler verlangen deshalb von der US-Regierung nicht nur ein abschmettern des Gesetzesentwurfs, sondern eine grundsätzliche Neuverhandlung der Kosten für Publikationen. „Das Problem betrifft Forscher auf der ganzen Welt, da es in vielen Bereichen kein regionales Zeitschriftensystem mehr gibt. Internationale Publikationen und Peer-Review-Prozesse sind in gewissen Disziplinen üblich“, sagt Felt.

Gleichzeitig haben über 5.500 US-Akademiker einen Boykott gegen Elsevier, den größten akademischen Verlag, unterzeichnet. „Die einzigen Möglichkeiten, das Verlagswesen zu reformieren, sind entweder Verweigerung durch eine Bottom-up-Bewegung oder ein Eingreifen des Staates über die Marktmacht. Die Frage ist, wer auf der Strecke bleibt. Das Risiko trägt die nächste Generation von Forschern, deren Karrieren von Publikationen abhängen“, so Felt. Ein schneller Wandel ist laut der Expertin in dem über Jahrhunderte gewachsenen Verlagssystem ausgeschlossen.

Die staatliche Förderung der Wissenschaft hat sich erst nach dem Verlagswesen entwickelt.
Heute gibt die US-Regierung allein auf den Gebieten Biologie und Medizin jährlich etwa 30 Mrd. Dollar für Forschungsförderung aus. Damit entstehen praktisch sämtliche Publikationen in diesen Disziplinen mit öffentlichen Geldern.

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(Markus Keßler/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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