Amazon erpresst unabhängige Verleger

24. Februar 2012, 10:49 Uhr | Archiv

Amazon hat in einem drastischen Schritt über 4.000 elektronische Bücher des Verbandes unabhängiger Verleger (Independent Publishers Group, I.P.G.) aus dem Angebot genommen, wie die New York Times berichtet. Der Online-Händler, der sowohl den Handel mit gedruckten Büchern als auch den E-Book-Verkauf dominiert, will nach Auslaufen eines Vertrags neue Bedingungen durchsetzen. Analoge Bücher sind von dem Boykott nicht betroffen.

Der Kindle von Amazon - (Quelle: Amazon)

Amazon hat 4.443 E-Books der Indeependent Publishing Group, die eine Vertriebsgemeinschaft für kleine, eigenständige Verlagshäuser darstellt, aus dem Kindle-Store entfernt. Etwa 60 Prozent des US-Handels mit E-Books werden über den Amazon-Shop und dessen proprietäres Dateiformat abgewickelt. „In Deutschland ist der Kindle noch nicht so lange auf dem Markt wie in den USA. Die Marktmacht von Amazon im E-Book-Handel ist geringer, es gibt einige andere Plattformen, die mit offenen Dateiformaten attraktive Konkurrenzangebote haben“, sagt Claudia Paul, Sprecherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Die I.P.G. hält sich zum Amazon-Angebot bedeckt, macht aber deutlich, dass die Einschnitte drastisch wären. Viele Vertriebe und Verlage fürchten, dass die harte Verhandlungslinie von Amazon Schule macht und künftig auch bei anderen Vertragsverlängerungen zum Einsatz kommen wird.

Amazon steht unter Druck, seine Gewinnmargen zu erhöhen, um eine attraktive Börsenperformance bieten zu können. Eine Erhöhung der Preise für die Endkunden kommt nicht in Frage, da die günstigen Angebote Amazons Hauptvorteil gegenüber der Konkurrenz sind. Die I.P.G. bleibt bisher hart und versucht, das beste aus der Situation zu machen, indem es Kunden darauf aufmerksam macht, dass es bei Amazon-Konkurrenten in weniger verbreiteten Dateiformaten immer noch E-Books zu erwerben gibt.

Gerade kleinere Verlage und Vertriebe laufen Gefahr, der Marktmacht von Amazon nicht dauerhaft Paroli bieten zu können. Die I.P.G. ist zwar einer der größten Buchvertriebe in den USA, hat durch seine Struktur aber nicht denselben Einfluss wie ein großes Verlagshaus. Wenn Amazon es schafft, die kleinen Verlage in die Knie zu zwingen, müssen die großen folgen. „Kleinere Verlage haben generell eine schwächere Verhandlungsposition“, so Paul. Bei Amazon herrscht laut mehreren Managern die Meinung vor, dass im Buchgeschäft nur der Autor und der Leser interessant sind, alles was dazwischen liegt, ist für den Online-Händler unnötiger Ballast.

Für die Verlage war die Einführung von E-Books anfangs ein Segen. Endlich gab es eine Möglichkeit, die traditionell niedrigen Margen im Buchhandel etwas auszuweiten. Amazon hat die hohen E-Book-Preise, die teilweise über denen von gedruckten Büchern liegen, anfangs akzeptiert. Bei Vertragsverlängerungen scheint der Internet-Gigant nicht mehr bereit zu sein, anderen ein größeres Stück vom Kuchen zu gönnen.

Was meinen Sie zu dem Thema? Tauschen Sie sich über die Kommentarfunktion mit unseren anderen Lesern aus. Zudem können Sie sich täglich über unsere Facebook-Seite auf dem neuesten Stand halten oder dort unsere Beiträge kommentieren.

(Markus Keßler/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

Über den Autor

Marco Schürmann

0 Kommentare


Was meinen Sie zu diesem Thema?

Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

Schreibe einen Kommentar

* Pflichtangaben; Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
 

Copyright

Copyright 2015 Bernd Zipper, zipcon consulting GmbH

Archiv