US-Justiz droht Apple und Verlagen

9. März 2012, 9:39 Uhr | Archiv

Das US-Justizministerium hat Apple und fünf der größten in den USA tätigen Verlage verwarnt. Eine Anklage wegen indirekter Preisabsprachen im E-Book-Handel ist in Arbeit, wie das Wall Street Journal berichtet. Um einem teuren Verfahren zu entgehen, befinden sich mehrere betroffene Parteien in Verhandlungen, um sich außergerichtlich mit dem Ministerium zu einigen. Erfolgreiche Gespräche könnten zu Preiseinbrüchen bei E-Books führen. Einige potenzielle Angeklagte beteiligen sich nicht an den Verhandlungen.

(Quelle: nexus404.com)

„Ich halte das momentane Preisniveau für durchaus realistisch. E-Books sind in Deutschland meist 20 bis 30 Prozent billiger als analoge Bücher. Mittlerweile handelt es sich auch nicht mehr um bloße PDF-Dateien. Durch aufwändigere Herstellung, verschiedene Formate und den Mehrwert durch Navigation und Interaktivität ist die Preisentwicklung gerechtfertigt“, sagt Johannes Krüger von new eBooks. E-Books seien keine billigeren Ausgaben mehr, sondern ein eigenes Produkt.

Apple wird vorgeworfen durch die Einführung eines neuen Vertriebsmodells in Zusammenarbeit mit Simon & Schuster, Hachette Book Group, Penguin Group USA, Macmillan und HarperCollins Publishers Inc. die Preise für elektronische Bücher künstlich nach oben getrieben zu haben. Über Macmillan, einer Holtzbrinck-Tochter, ist auch ein deutsches Unternehmen involviert. Mit der Einführung des iPad im Jahr 2010 schloss Apple mit den Verlagen Verträge ab, die dem Unternehmen einen Anteil von 30 Prozent am E-Book-Verkauf sichern.

Im Gegenzug erhielten die Verlage das Recht, die Verkaufspreise festzusetzen. An diese Preise sollte sich auch die Konkurrenz im Online-Handel halten. Selbst Branchen-Schwergewicht Amazon musste sich der geballten Macht der Verlage beugen und die neuen Bedingungen akzeptieren. Durch das Vertriebsmodell kam es für die Endkunden zu Preissteigerungen. Vor dem Apple-Modell verkauften die Verlage ihre Bücher für etwa die Hälfte des empfohlenen Einzelhandelspreises an die Händler, die selbst bestimmen konnten, wie viel sie verlangen.

„Die Verlage wollen das Preisniveau natürlich hochhalten, um zu verhindern, dass Konsumenten E-Books für Ramschprodukte halten und Ramschpreise verlangen. Je nach Marktmacht der Händler verbleiben derzeit etwa 25 bis 40 Prozent des Verkaufspreises bei ihnen. Bei Buchläden waren es früher – durch höhere Kosten – etwa 60 Prozent“, so Krüger. Das US-Justizministerium wirft Apple und den Verlagen vor, durch akkordiertes Vorgehen die Preise nach oben getrieben zu haben. Die betroffenen Firmen bestreiten das und behaupten, durch das neue Modell mehr Konkurrenz geschaffen zu haben.

Das neue Modell ermögliche es mehreren E-Book-Händlern zu prosperieren. Manche Experten fürchteten vor dem Apple-Modell eine zu große Dominanz vonseiten Amazons. Amazon verkaufte manche E-Books anfangs unter dem Einkaufspreis. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Wie weit die Verhandlungen über eine Einigung derzeit gediehen sind, ist nicht bekannt. Eine Idee, die durchgesickert ist, würde das Apple-Modell beibehalten, es aber Händlern ermöglichen, Rabatte auf E-Books zu gewähren.

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(Markus Keßler/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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