Internet setzt Handelspreise unter Druck

29. März 2012, 9:23 Uhr | Archiv

Durch Online-Shops sowie Preisvergleichsseiten und -Apps gut informierte Konsumenten bringen die Preisgestaltung von US-Handelsketten zunehmend unter Druck, wie die New York Times berichtet. Da die Kunden den angemessenen Marktpreis kennen, gehen einzelne Unternehmen bereits dazu über, auf künstlich aufgeblasene Einführungspreise zu verzichten und Artikel von Beginn an billiger anzubieten. Die besser informierten Kunden zeigen eine höhere Bereitschaft, zu handeln und durch die Verwendung alternativer Online-Angebote sitzen sie auch an einem längeren Hebel als früher.

Quelle: Pixelio // Fotograf: Uwe Steinbrich

„Von derartigen Versuchen Preise zu verhandeln habe ich in Österreich noch nicht gehört. Das Internet als Informationsmedium macht Preisgestaltung branchenabhängig transparenter, Druck auf den Handel sehe ich hierzulande nicht. In einer Studie haben wir festgestellt, dass die Händlerseite im Netz eine wichtige Informationsquelle ist. Preisvergleichseiten spielen am Ehesten bei Computerhardware und Elektrogeräten eine Rolle“, sagt Ernst Gittenberger von der KMU Forschung.

Der US-Bekleidungshändler J. C. Penny hat seine Preisgestaltung den neuen Gegebenheiten angepasst. „Der Kunde kennt den richtigen Preis. Wir können verlangen, was wir wollen, aber der Konsument zahlt nur den angemessenen Preis. Warum? Weil er ein Experte ist“, sagt ein Vertreter der Kette. Bisher hat J. C. Penny Neuware anfangs zu künstlich hoch gehaltenen Preisen verkauft, um dann nach und nach Rabatte von bis zu 70 Prozent zu gewähren. Bevor die Ermäßigung nicht mindestens 40 Prozent betrug, haben die meisten Kunden die Ware nicht einmal angeschaut.

Jetzt bietet die Bekleidungskette die Ware bei Einführung im Schnitt um 40 Prozent billiger am als früher. Einige Konkurrenten sind bereits nachgezogen. Mango beispielsweise hat die Einführungspreise ebenfalls um rund ein Fünftel gesenkt. Selbst die Supermarktkette Walmart hat angekündigt, sich künftig an Online-Preisen messen zu lassen. Ob die Konsumenten das neue System goutieren, ist noch unklar. Die Riesenrabatte, die den Schnäppchenjäger im Einkäufer geweckt haben, gibt es jetzt nämlich kaum mehr.

„Das Internet bietet die Möglichkeit, sich zu informieren. Der Preisdruck kommt aber durch den Wettbewerb. Viele Händler bieten mittlerweile eigene Webstores, um konkurrenzfähig zu bleiben. Der Preis ist nicht immer das ausschlaggebende Kaufargument“, so Gittenberger. Auch das Vertrauen zum Händler und Qualität können wichtige Faktoren sein. „Das hängt von der Branche ab. Standardisierte Produkte wie Bücher können überall erworben werden. Bei Kleidung und Elektronik sieht das anders aus“, so der Experte.

Bei Händlern, deren Preise zu hoch erscheinen, kann ein Blick ins Internet und der nötige Mut zum Verhandeln sicher nicht schaden. Gut informierte Kunden können so das eine oder andere Schnäppchen erzielen.

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(Markus Keßler/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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