Twitter im Schulunterricht

5. April 2012, 9:17 Uhr | Archiv

Nach Laptop und Internet sind nun soziale Netzwerke in Schulen auf dem Vormarsch – auch als Instrument der Wissensvermittlung. Lehrer entdecken Twitter, Facebook und Co für sich und nutzen die Plattformen, um zeitgemäßen Unterricht zu bieten. „Die Gesellschaft ist heute nicht mehr in analog und digital zu trennen. Kinder sollte man deshalb so früh als möglich begleitend in den Umgang mit Social Networks einzuführen“, fordert Tobias Albers-Heinemann, Medienberater und Autor des Praxisblogs Medienpädagogik.

Twitter für Fünfjährige: Kinder lernen Zusammenfassen - (Foto: vimeo.com)

Schon in der Grundschule und sogar davor eignet sich Twitter im Unterricht, zeigt ein Beispiel aus New York. Jennifer Aaron, Vorschullehrerin einer öffentlichen Schule, lässt ihre Schützlinge dreimal die Woche am Tagesende eine Twitter-Nachricht über den Verlauf des Tages erstellen – und zwar in Gruppen. „Twitter ist mit seinen 140 Zeichen für Fünfjährige ideal. Kinder lernen so, über den Tag nachzudenken und Ereignisse zusammenzufassen. Zuvor lieferte die Frage der Eltern beim Nachhausekommen ‚Was hast du heute gemacht‘ nur ein Achselzucken“, so die Pädagogin gegenüber der New York Times.

Ähnliche Experimente nehmen auch in deutschen Schulen zu, wobei jedoch vor allem Beispiele des Einsatzes von Facebook bekannt sind. „Immer wieder bilden Lehrer mit Schülern oder Schüler untereinander geschlossene Facebook-Gruppen, um so zu kommunizieren. Die Erfahrung zeigt, dass über diesen Weg Nachrichten der Lehrer zu Rückmeldungen binnen Stunden führen, während E-Mails zuvor tagelang unbeantwortet blieben“, berichtet Albers-Heinemann.

Social Media ist längst Teil der Jugendkultur, zudem entwickeln sich Kinder und Jugendliche weiter und werden ihre derzeitige Mediennutzung auch später nicht ablegen, argumentiert der Experte. „Nutzung heißt aber noch nicht kluger Umgang. Die Frage lautet deshalb, wie weit sich die Schule erlauben darf, nicht auf diesen Zug aufzuspringen und nötige Kompetenzen zu vermitteln.“ Denkbare Inhalte medienpädagogischer Vermittlung gebe es ausreichend – einerseits reflexive und zusammenfassende Fähigkeiten wie die bei Twitter erforderlichen, andererseits auch Themen wie Urheberrecht, Datenschutz und Persönlichkeitsrechte.

Medienpädagogik heißt in Zeiten von Social Media vor allem, Eltern für die Begleitung ihres Kindes fit zu machen, so das Credo Albers-Heinemanns. „Während Jugendliche unter 20 nicht wissen, wie das Leben ohne Internet funktionieren würde, haben die Eltern noch Schwarz-Weiß-Fernsehen erlebt. Angesichts 800 Mio. Mitgliedern auf Facebook kommen viele nicht mehr mit.“ Die beruhigende Nachricht: Nicht auf Wissen, sondern auf Interesse komme es bei der Begleitung an. Dieses sei durchaus da. „Früher mussten wir uns stets raffinierte Titel für Elternabende ausdenken. Heute reicht das Wort Facebook – und alle Eltern kommen“, schließt der Experte.

Allerdings gibt es auch Gegenstimmen, die der frühestmöglichen Mediennutzung äußerst kritisch gegenüber stehen. Suchtspezialisten etwa werden nicht müde zu betonen, dass Kindergehirne zuerst Erfahrungen abseits des Bildschirms brauchen, um später kompetent im On- und Offline-Leben zugleich zu sein. Für Albers-Heinemann kein Grund, auf soziale Medien im Unterricht zu verzichten: „Wer glaubt, es gäbe einen Weg aus dem digitalen Zeitalter zurück, sieht die Realität nicht.“

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(Johannes Pernsteiner/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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Marco Schürmann

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