"Digitale Kluft" wird größer und tiefer

11. April 2012, 9:03 Uhr | Archiv

In einer Welt, in der der Zugang zu Information und existenziellen Dienstleistungen schon mit einem einzigen Mausklick möglich ist, haben benachteiligte Menschen zunehmend das Nachsehen. Die „Digitale Kluft“, die Internetnutzer von den der Gruppe der Nicht-User trennt, wird dabei immer größer und tiefer. So lautet das ernüchternde Resümee der australischen Wissenschaftlerin Lareen Newman, die sich vor allem auf den Bereich elektronische Gesundheitsservices spezialisiert hat. Demnach ist die Verlagerung entsprechender Dienste ins Netz zwar prinzipiell hilfreich, birgt aber auch die Gefahr einer Zweiteilung der Gesellschaft.

Zugang: Internet gilt heute als Grundbedürfnis - (Foto: flickr.com/photosteve101)

„Je mehr Services ins Internet abwandern, desto größer wird das Risiko, dass marginalisierte Gruppen wie Arbeitslose, Ältere, Behinderte und bildungstechnisch Benachteiligte einfach auf der Strecke bleiben“, warnt Lareen Newman, die gegenwärtig als Senior Research Fellow am Southgate Institute for Health, Society and Equity der Flinders University in Adelaide tätig ist. „Viele Dienste verlangen heute, dass Leute Apps herunterladen oder sich auf Webseiten registrieren. Dabei wird angenommen, dass alle über einen Computer oder ein iPhone mit Internetzugang verfügen. Die Daten zeigen uns aber, dass dem nicht so ist. Diejenigen, die ohnehin schon im Vorteil sind, werden unterstützt. Die Anderen bleiben zurück“, so Newman.

Auch die deutsche Gesellschaft ist vom Problem der digitalen Spaltung betroffen. Insbesondere in ländlichen Gebieten müssen immer noch viele Menschen ohne eine Möglichkeit auskommen, über einen ausreichend schnellen Breitband-Zugang ins Web einzusteigen. „Ein schneller Internetzugang ist längst zu einem Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge geworden. Er entscheidet über gesellschaftliche Teilhabe und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit“, meint Daniel Ott, Sprecher der Initative D21.

Ausschlaggebender Faktor Nummer eins für die „Digitale Spaltung“ sei immer noch der finanzielle Status. „Je geringer das jeweilige Einkommen, desto weniger bewegen sich die Betroffenen im Netz“, erläutert Ott. Auch das Alter spiele hierbei eine Rolle. „Ältere Frauen ab 70, die lediglich über eine schwache Pension verfügen, sind kaum im Web zu finden“, merkt Ott an, der in diesem Zusammenhang auch den Faktor Bildungsgrad als „signifikante Einflussgröße“ sieht.

Wenn es um die voranschreitende Digitalisierung in den verschiedensten Dienstleistungsbereichen geht, spricht die australische Wissenschaftlerin aber nicht nur von Gefahren und negativen Konsequenzen. „Digitale Kommunikation kann durchaus hilfreich sein und zumindest potenziell dazu beitragen, dass der Zugang zu wichtigen Services erweitert wird. Das kann aber nur funktionieren, wenn wohlüberlegt vorgegangen wird“, resümiert Newman.

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(Markus Steiner/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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