Cloud zieht in den Mobilfunk ein

27. April 2012, 10:00 Uhr | Archiv

Funknetze der Zukunft müssen intelligent, flexibel und sparsam sein, denn der Anspruch an die Infrastruktur steigt besonders im Bereich des mobilen Datenverkehrs drastisch an. Nokia Siemens Networks (NSN) möchte sich mit der eigenen „Liquid-Net“-Technologie als Vorreiter etablieren. Das Konzept baut dabei auf drei Standbeine: Intelligentes Energiemanagement und gezieltere Ausrichtung, flexible Ressourcen und die Nutzung regenerativer Stromquellen, wie Peter Wukowits, Country Manager Österreich, erklärt.

Peter Wukowits, NSN Country Manager Österreich - (Foto: fotodienst.at/Fuchs)

„Die Chipbranche lässt sich beobachten, man kann prognostizieren, wie sich die Leistungsfähigkeit der Endgeräte entwickelt und wie viele Geräte wahrscheinlich verkauft und genutzt werden“, erläutert Wukowits. „Die unberechenbare Variable sind die Apps, die heute von jedem entwickelt werden können.“ Als Beispiel dient das populäre Spiel Angry Birds.

Während die Nutzung eines Smartphones mit alltäglichen Applikationen wie Wetterabfrage und E-Mail-Client pro Stunde im Schnitt für 688 Serveranfragen sorgt, steigt diese Zahl auf einem iPhone bereits auf 742. Wird die Unterhaltungs-App auf einem Android-Gerät ausgeführt, sorgen die wechselnden Werbeeinblendungen für insgesamt 2.422 Zugriffe.

Doch nicht nur die Programme oder die wachsende Verbreitung mobiler Endgeräte und das „Web of Things“ stellen die Funktechnik vor große Herausforderungen. Auch das von Veranstaltungen und unvorhersehbaren Ereignissen mitgeprägte Nutzungsverhalten der User ist gleichzeitig Hürde und Ansatzpunkt für Verbesserungen. Liquid Networks sollen dem steigenden Bedarf damit begegnen, dank Cloud-Technologie dynamisch auf Veränderungen zu reagieren.

„Wir nutzen System-on-a-Chip-Systeme und haben somit in den Funkzellen alle Technologien an Bord“, schildert Gerhard Bauer, Expert Environmental Networks des Unternehmens. „Somit können wir auch viel mehr mit Softwarelösungen arbeiten.“ Dies ermöglicht beispielsweise die dynamische Verschiebung von Ressourcen je nach Anforderung. So können in Zukunft ungenutzte Rechenkapazitäten in Salzburg verwendet werden, um erhöhten Bedarf in Wien abzudecken.

Auch auf lokaler Ebene wird die Technologie intelligenter. Funkzellen der Zukunft werden Energie sparen, indem sie ihren Sendebereich gezielt auf die Empfänger ausrichten können. Ebenso werden die Netze in Sachen Übertragungskanäle universeller und eine Umbuchung vom Funkmasten in ein WLAN-Netzwerk für bessere Indoor-Kommunikation möglich.

Bei NSN wird auch an der Loslösung der Telekommunikationsinfrastruktur vom Stromnetzwerk gearbeitet. Mit Brennstoffzellen, Windkraft und Sonnenenergie könnten Funkzellen energieautark werden, in Deutschland werden dazu bereits Tests mit dem Mobilfunker E-Plus durchgeführt. Wukowits sieht dabei mehrere Argumente, die für die Implementation selbstversorgender Masten sprechen. Er ortet unter anderem einen möglichen Kostenvorteil bei der Erschließung schwer zugänglicher Gebiete mit mobilem Breitband.

Wann die stromnetzunabhängige Infrastruktur reif für den Echtbetrieb ist, lässt sich jedoch noch nicht abschätzen. Denn zum einen hängen die Möglichkeiten der Energiegewinnung stark vom Standort ab und zum anderen wird das Innovationstempo vom Fortschritt der Energietechnologien wesentlich mitbestimmt.

Trotz steigender Anforderungen konnte der Verbrauch der in der Infrastruktur verwendeten Hardware laut NSN zwischen 2005 und 2010 um 70 Prozent reduziert werden, während ihre Herstellung mittlerweile um 80 Prozent weniger Material verbraucht, das am Ende ihrer Lebensspanne zu 95 recycelt werden kann.

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(Georg Pichler/Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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