QR-Codes auf Grabsteinen führen zu Trauer-Websites im Internet

2. Mai 2012, 10:40 Uhr | Archiv

Der in Deutschland ansässige Steinmetz Timothy Vincent bietet neuerdings Grabsteine mit eingearbeitetem QR-Code an, wie DerWesten berichtet. Die quadratischen Embleme können, ähnlich wie Barcodes, mithilfe eines modernen Mobiltelefons eingescannt werden. Dadurch öffnet der mobile Browser dann automatisch eine Internetseite, auf der die Hinterbliebenen die Erinnerung an einen Verstorbenen lebendig halten können. Vincent ist davon überzeugt, dass sich die internetfähigen Grabsteine in Zukunft durchsetzen werden.

Grabsteine: jetzt mit Internet - (pixelio.de, Dieter Schütz)

„Die neuen Medien bringen neue Möglichkeiten, die uns vielleicht anfangs seltsam erscheinen. Ich sehe nicht, was an solchen Grabsteinen schädlich sein soll. Jeder soll selbst entscheiden, ob er die Technik will. Einen Kulturverfall sehe ich jedenfalls nicht“, sagt Christine Pernlochner-Kügler, Chefredakteurin des Trauerportals Aspetos. Die Intention hinter der Idee ist, den Menschen mit einem digitalen Schrein die Trauerarbeit zu erleichtern.

„Früher wurde Trauer durch Loslassen bewältigt. Heute wird versucht, den Verlust ins Leben zu integrieren. Die Hinterbliebenen geben den Verstorbenen einen neuen Platz in der Erinnerung. Das Zusammenstellen solcher Rückblenden ist im Internet oft einfacher“, so Pernlochner-Kügler. Was sich hinter dem QR-Code befindet, können die Angehörigen frei entscheiden. Von der einfachen Namensnennung mit Sterbedatum bis zu umfangreichen Sammlungen von Fotos, Videos und Musik, die mit dem Verblichenen in Zusammenhang steht, ist alles möglich.

Für Vincent eröffnet der Internet-Grabstein völlig neue Möglichkeiten. Er glaubt, dass die Internet-Hinterlassenschaft Kommunikationsanreize für Leute bietet, auch für solche, die den Verstorbenen nicht direkt kannten. Auch einige Kirchenvertreter haben sich schon positiv zum Potenzial der Idee geäußert. Allerdings gibt es Sorgen in Bezug auf die Angemessenheit solcher Netz-Schreine. Einen vollständigen Umstieg auf QR-Grabsteine will die Kirche auch nicht, da ohne Inschriften Trauernde ohne Technik-Wissen ausgeschlossen würden.

„Ich kann mir gut vorstellen, dass sich solche Grabsteine zum Trend entwickeln, allerdings sind wir davon noch weit entfernt. Die jüngere Generation, deren Sozialverhalten von sozialen Medien geprägt ist, wird das als etwas ganz normales erleben. Aber auch die über 40-Jährigen tasten sich an das Thema heran. Die Möglichkeiten online Kerzen zu entzünden, Kondolenzen zu hinterlassen oder Profile für Dahingeschiedene einzurichten wird auf unserer Plattform schon eifrig genutzt“, erklärt Pernlochner-Kügler.

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(Markus Keßler / Marco Schürmann | Quelle: pressetext.com)

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