Soziale Netzwerke verbreiten Informationen effizient

24. Mai 2012, 12:00 Uhr | Archiv

Forscher der Universität des Saarlandes haben den mathematischen Beweis dafür geliefert, dass soziale Netzwerke Informationen schneller verteilen als anderweitig strukturierte Netzwerke. „Die Forscher haben ihr Modell auf Basis von sogenannten „Preferential Attachment Graphs“ strukturiert. Dadurch entsteht ein Netzwerk, dessen Struktur den Verbindungen, die Menschen knüpfen, sehr ähnlich ist. Ein derartiges Netzwerk verteilt Informationen nachweislich schneller, als rein zufällig gewachsene Strukturen oder ein Netzwerk, in dem jeder Knoten mit jedem verbunden ist“, sagt Uni-Sprecher Gordon Bolduan.

Bildquelle: Pixelio // Fotograf: Sebastian Bernhard

Dass soziale Netzwerke Information sehr effizient verteilen, ist schon länger bekannt. Ein mathematischer Beweis hat bisher allerdings gefehlt. Das Besondere an der Struktur sozialer Netzwerke ist, dass Menschen dazu neigen, sich mit Personen zu verbinden, die ihnen schon bekannt sind. So entsteht ein Gefüge mit verschiedenen Knotenpunkten. Manche haben wenige Kontakte und können diese sehr schnell informieren, andere haben sehr viele Kontakte und damit eine enorme Reichweite.

„Unser Modell ist natürlich eine Vereinfachung, die davon ausgeht, dass Verbindungen proportional zur Wichtigkeit der Knotenpunkte entstehen. Knoten mit vielen Kontakten haben also eine höhere Chance, einem persönlichen Beziehungsgeflecht hinzugefügt zu werden“, erklärt Tobias Friedrich.

Durch die Verbindungen zwischen diesen unterschiedlichen Typen von Knotenpunkten entsteht ein leistungsfähiges Netzwerk. Im Modell der saarländer Wissenschaftler fragt jeder Knotenpunkt in gleichen Zeitabständen Information von einem anderen ab und wird gleichzeitig auch selber regelmäßig um Information gebeten. Dabei wird niemals zweimal derselbe Kontakt nacheinander genutzt.

„Beim Vergleich mit dem Informationsfluss in realen sozialen Netzwerken zeigt sich, dass die Ergebnisse unseres Modells gut mit der Realität übereinstimmen. Ein Vergleich mit Twitter zeigt, dass die Information in der Realität sogar noch schneller verteilt wird. Das liegt daran, dass in der Realität komplexere Entscheidungsmechanismen eine noch effizientere Struktur im Netzwerk entstehen lassen“, so Friedrich.

Für die Praxis heißt das, dass ohne Planung gewachsene Strukturen Kommunikation effizienter weiterleiten, als geplante Netzwerke. „Das war die interessanteste Erkenntnis unserer Arbeit. Wir haben den Beweis erbracht, dass natürlich gewachsene Strukturen besonders effizient für die Verteilung von Information sind. Das sollte auch bei der Konzeption von Netzwerken bedacht werden“, erklärt Friedrich. Der mathematische Beweis selbst ist zwölf Seiten lang. Die Ergebnisse werden im Juni 2012 in der Fachzeitschrift „Communications of ACM“ erscheinen.

(via Markus Keßler | Quelle: pressetext.com)

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Marco Schürmann

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