Firmenkunden sind bei abstürzenden Apps oft sauer

8. Juni 2012, 9:40 Uhr | Archiv

Wenn Apps auf dem Smartphone oder Tablet abschmieren, ist das ärgerlich und nervig – vor allem dann, wenn sie von Vertriebsmitarbeitern genutzt oder für die medizinische Fernüberwachung eines Patienten eingesetzt werden. Das kann Ärger geben oder sich sogar lebensbedrohlich auswirken. Im Testlabor von Nash Technologies werden ausgesuchte Apps nun einem gezielten Härtetest unterzogen. Leser des Magazins Chip können zudem Vorschläge machen, welche Applikationen ins Labor wandern sollen.

Apps: Unternehmen beklagen hohe Fehlerquote - (Quelle: itouch-magazine.eu)

Die Probleme sind mannigfaltig: Funktionen verschwinden beim Übergang von mobile zu WLAN und vice versa, selbst wenn das Handy zwischendurch ausgeschaltet wurde. Man wartet minutenlang und nichts passiert; Handover auf der Autobahn: Apps bleiben hängen oder stürzen ohne erkennbaren Grund ab; App-Nutzung in Gebieten mit wenig Bandbreite oder dem Übergang von hoher nach niedriger Bandbreite: Apps frieren ein oder stürzen ab; Man fährt mit seinem Smartphone in ein anderes europäisches Land und erlebt sowohl bei der Leistung der App als auch später beim Empfang der Rechnung sein blaues Wunder.

„Diese Effekte treten auf bei Netzübergängen, hohem Datenverkehr, niedriger oder schwankender Bandbreite, unzuverlässigen Datenverbindungen und Ähnlichem auf“, so Dirk Zetzsche, Director bei Nash Technologies. Die Crux liegt für ihn darin, dass diese Alltagserfahrungen eben nicht in einem klinisch reinen Standard-Testlabor mit WLAN oder USB-Kabel verlässlich reproduzierbar gemacht werden können. „Bei kostenlosen oder sehr günstigen Apps drücken die Anwender vielleicht noch ein Auge zu, wenn die App versagt.“

Bei höherwertigen Diensten und Apps jedoch bezahlen Firmenkunden Geld und wollen auch Leistung sehen. In Anbetracht der immer noch steigenden Verbreitung von Smartphones und der Abkehr von RIM hin zum iPhone im Geschäftskundenumfeld, ist das aber ein aktuelles Thema“, so Zetzsche. Eines der Hauptprobleme: Apps werden in der Regel innerhalb weniger Monate entwickelt und landen dann als zertifizierte Software in den Shops. Danach alle paar Monate ein Update. Prinzip „Eternal Beta“. Kostendruck und Innovationsrate sind hoch.

„Nützliche Software hat eine notwendige Mindestkomplexität. Hier ist es mit vertretbarem Aufwand gar nicht möglich, alle Fehlerfälle abzudecken. Dies gilt umso mehr, als Apps nicht im luftleeren Raum existieren, sondern komplexe Wechselwirkungen mit anderen Softwarekomponenten haben, mit Betriebssystemfunktionen, Kommunikations-Systemen und anderem“, erklärt der Fachmann. Hier träten viele Fehlerszenarien auf, die App-Entwickler gar nicht auf dem Radar haben würden. Der Grund: „Weil man nur das API benutzt, aber nicht die Interna hinter der Programmierschnittstelle API kennt“, weiß Zetzsche.

Mobile Services müssten genauso robust sein wie wir es von der Festnetz-Telefonie gewöhnt sind. Dort bricht die Leitung auch nicht einfach zusammen, wie wir es beim mobilen Surfen im Internet immer noch erleben. So müssen medizinische Anwendungen so robust und smart konzipiert sein, dass sie auf schwankende Verbindungsqualität reagieren können, fordert der Fachmann abschließend.

(via Gunnar Sohn | Quelle: pressetext.com)

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Marco Schürmann

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