Regionalberichterstattung wird ausgelagert

12. Juli 2012, 10:00 Uhr | Archiv

Um die Kosten senken und Inserate akquirieren zu können, lagern viele Medienunternehmen in den USA ihre Lokalberichterstattung aus. Dabei übernehmen externe Gesellschaften, die billigere Arbeitskräfte beschäftigen, die lokale Berichterstattung.

(© Franck Boston – Fotolia.com)

Als Beispiel dafür nennt gigaom.com das Start-up Journatic, das aus den Philippinen und anderen Billiglohnländern die Lokalberichterstattung für US-Zeitungen übernimmt. Zwar sei eine ähnliche Entwicklung nicht in Deutschland zu beobachten, doch ist die Auslagerung an externe Gesellschaften ein allgemeines Problem.

Das Start-up bietet Zeitungsverlagen an, die Regional- und Lokalberichterstattung zu tragen. Dabei beschäftigt man Freelancer in Billiglohnländer und Content-Manager in den USA, die die Nachrichten im Internet zusammensuchen – Interviews werden über E-Mail oder telefonisch geführt. Für viele der für diese Bereiche zuständigen Redakteure bedeutet dies der Anfang vom Ende, denn viele Zeitungen versuchen das Konzept von Journatic zu kopieren.

„In Deutschland ist keine Zentralisierung der Regionalberichterstattung zu beobachten“, erklärt Erik Staschöfsky, Redakteur beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger. „Eine Auslagerung der Regionalberichterstattung in andere Länder ist in Deutschland undenkbar. Der Zeitungsmarkt hierzulande ist nicht mit den USA vergleichbar. In Deutschland gibt es 1.509 Lokalausgaben, Regionaljournalismus ist hier ein USP. In den USA spielt die regionale Berichterstattung eine eher untergeordnete Rolle. Guter Lokaljournalismus muss aus der Region kommen und braucht die Verankerung in der lokalen Gemeinschaft. Via Telefon und Internet ist das so nicht zu erreichen“, führt er weiter aus.

In deutschen Regionalberichterstattungen seien ausgelagerte Gesellschaften jedoch nicht häufiger vertreten als im Sport oder in der Politik. „Die Lokalberichterstattung wird bei den Zeitungen sehr unterschiedlich organisiert. Meist sind die Lokalredaktionen Abteilungen des Mutterhauses, nur selten wurden eigenständige Gesellschaften gegründet. Und eine solche Auslagerung muss nicht zwingend mit einer Kostenersparnis einhergehen“, so Staschöfsky. Den aktuellen Erwartungen zufolge wird sich die Situation durch wirtschaftlichen Druck auf die Verlage jedoch nicht verschlechtern. „Die deutschen Zeitungen sind wirtschaftlich deutlich besser aufgestellt als die amerikanischen. Auch wenn es gelegentlich zu einer Zusammenlegung von einzelnen Lokalredaktionen kommt, so kann hierzulande auf keinen Fall von einem Rückzug aus der Lokalberichterstattung gesprochen werden. Denn die Redaktionen und ihre Mitarbeiter sind nachwievor fester Bestandteil des lokalen Lebens“, erklärt Staschöfsky.

(Quelle: pressetext.com)

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Marco Schürmann

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