Digitale Zeitschriften gewinnen an Bedeutung

27. August 2012, 11:04 Uhr | Archiv

Der Verband Deutscher Zeitschrifenverleger (VDZ) hat die zweite Studie zur Zeitschriftennutzung auf dem iPad veröffentlicht. Das Ergebnis: Digitale Zeitschriften sind im Alltag der Leser angekommen. Jedoch ist die Leserzahl zur Studie des Vorjahres leicht rückläufig und eins kristallisiert sich heraus: Der Leser verlangt mehr von der digitalen Zeitschrift. Besonders zusätzliche interaktive Elemente und Ergänzungen stehen ganz oben auf dem Wunschzettel der Konsumenten.

keosk – Die Kiosk-App des Anbieters 3D-Zeitschrift mit aktuellen Zeitschriften

Alexander von Reibnitz, Geschäftsführer Anzeigen & Digitale Medien des VDZ, deutet das Ergebnis der Onlinebefragung so: „Die Phase des ersten Herumexperimentierens mit diesem neuen Medium klingt damit langsam aus.“ Gemeint ist die leicht rückläufige Leserzahl von 64 Prozent im Vergleich zu 67 Prozent im Vorjahr. Die Neugierigen haben nach seiner Meinung das „Ausprobieren“ ohne zukünftige Kaufabsicht abgeschlossen, übrig seien demnach nun die wirklichen digitalen Leser.

Während die Studie belegt, dass die Akzeptanz digitaler Zeitschriften und vor allem die Zahlbereitschaft für solche Medien stark ausgeprägt sind, fällt aber auch auf, dass mit zunehmender Masse an Ausgaben im digitalen Kiosk wie Apples Newsstand oder den Kiosk-Programmen andere Lösungsanbieter die Leser auch Qualitätsunterschiede wahrnehmen. So sehen weniger als 50% der Leser einen inhaltlichen Mehrwert gegenüber der gedruckten Zeitschrift (Vorjahr 54%) und weniger als Dreiviertel der Leser macht das Lesen der digitalen Variante mehr Spaß als bei der Printausgabe. Im Hinblick auf die technischen Möglichkeiten, die allein im letzten Jahr mit Tools wie der Adobe Publishing Suite, QuarkAppStudio, Twixl Publisher etc. das interaktive und mediengerechte Publizieren auf iPad & Co. enorm vereinfacht haben, ist dies doch verwunderlich.

Ein Blick in die digitalen Zeitschriftenausgaben macht aber deutlich, dass diese Möglichkeiten immer noch wenig ausgeschöpft werden und Verleger gern auf digitale Publikationsstools für bereits fertige PDF-Dateien setzen. Diese bieten zwar in den meisten Fällen mehr als ausreichende Möglichkeiten, den Content Tabletgerecht aufzuarbeiten (PDF Enrichment), meist bleibt davon aber wenig übrig und das Ergebnis ist eine einfache Konvertierung der Druck-PDF-Datei ohne Verlinkung der Inhaltsverzeichnisse, zusätzliche Bildstrecken oder erweiterte Informationen.

Ansicht der geladenen Zeitschriften aus Apples Newsstand auf dem iPad

So wünschen sich beinahe 60% der Leser mehr interaktive Elemente und Infografiken in ihren Inhalten, ebensoviele möchten auf weiterführende Informationen verlinkt werden – es gilt also mehr auf die Möglichkeiten des neuen Mediums einzugehen und die Verknüpfung zu anderen Kanälen zu verbessern.

Das Potenzial ist also da, immerhin gaben die meisten der Befragten an, mehr als fünf Zeitschriften-Apps auf ihrem Tablet installiert zu haben, ebenso ist die Zahl der über 60-Jährigen Tablet-Nutzer um 13% gestiegen. Die Zahlbereitschaft beim Leser ist mit 75% ebenfalls sehr hoch – lieblos zusammengehauene Zeitschriften-Apps funktionieren hingegen genausowenig wie im Print und werden in den Stores auch mit vernichtenden Kritiken geahndet – und dann ist es schwer das Vertrauen bei den Lesern zurückzugewinnen.

Die Studienergebnisse können beim VDZ kostenlos heruntergeladen werden

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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