Neue Verbrauchermacht im Internet

30. August 2012, 8:18 Uhr | Archiv

In der Unterhaltungselektronik gehen immer mehr Innovationsimpulse vom Konsumenten aus. Früher richtete sich das Nutzungsverhalten der Verbraucher nach den im Markt verfügbaren Geräten. Durch das Internet entwickeln sich die Kunden-Anforderungen zunehmend eigendynamisch und regen dann ihrerseits innovative Produktentwicklungen bei den Herstellern an. Dies ist eines der Ergebnisse der neuen Studie „Die Zukunft der digitalen Consumer Electronics“. Die Untersuchung des Hightech-Verbands BITKOM und des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte wurde gestern in Berlin vorgestellt.

(© Irina Fischer – Fotolia.com)

Am Freitag beginnt dort die Internationale Funkausstellung (IFA). „Viele Verbraucher rufen Musik, Filme, Fotos und Spiele aus dem Internet ab. Damit werden sie unabhängig von Zeit, Ort und Gerät. Internetfähigkeit wird für die Unterhaltungselektronik zum Standard“, sagte Michael Schidlack, Technik-Experte des BITKOM. So wird Ende 2012 voraussichtlich jeder vierte Haushalt einen Fernseher mit Internet-Anschluss besitzen, Ende 2011 waren es erst 12 Prozent, ein Jahr zuvor gerade einmal 5 Prozent. „So genannte Cloud-Dienste sind mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, so Schidlack.
Laut Studie speichern drei Viertel (76 Prozent) der Internet-Nutzer Fotos in der Cloud, fast jeder vierte (23 Prozent) legt dort Musik ab, jeder sechste (16 Prozent) Videos. Vor diesem Hintergrund kommt es allmählich zum Verdrängungswettbewerb zwischen neuen digitalen Diensten und klassischen Medien. So könnten rund 60 Prozent aller Internet-User auf DVDs verzichten, 50 Prozent auf Fotos auf Papier, 48 Prozent auf gedruckte Zeitschriften, 44 Prozent auf gedruckte Zeitungen und 25 Prozent auf Bücher. „Der Trend geht weg vom Besitz und hin zur Nutzung von Inhalten“, so Schidlack. Gleichzeitig werden die Internetportale von Zeitungen zu den wichtigsten Anlaufpunkten im Web. Mehr als 12 Millionen Bundesbürger hören mittlerweile Musik-Streams aus dem Netz. Rund 4,5 Millionen greifen dabei mehrfach pro Woche auf die Angebote von Rdio, Napster, Aupeo und Co. zu. Bei diesen Angeboten werden Songs in der Regel nicht auf dem eigenen Rechner gespeichert, sondern per Datenleitung fürs direkte Hören übertragen.

Laut Studie bestimmen vier wesentliche Entwicklungen die neuen Anforderungen an Unterhaltungselektronik: Social, Second Screen, Steuerung und Suche. „Diese „4 S“ resultieren vor allem aus der zunehmenden Konvergenz von TV und Internet“, sagt Klaus Böhm, Leiter Media bei Deloitte. Die Popularität von Social Media überträgt sich auf sämtliche Bereiche der Unterhaltungselektronik. Beispiele hierfür sind die Nutzung von Empfehlungsfunktionen oder der Austausch über das aktuelle Programm mittels Social TV. Second Screen macht das Fernsehen interaktiv und schafft neue, vermarktbare Angebote. Laut Studie sind heute 77 Prozent der Internetnutzer online, während sie gleichzeitig fernsehen. „Anbieter können den Zuschauern am laufenden Fernsehprogramm ausgerichtete Zusatzinhalte anbieten: etwa Chats, Diskussionsforen oder gezielte Werbung“, so Böhm.

Technologische Entwicklungen machen das TV immer flexibler. Damit neue Funktionen bequem verwendet werden können, müssen Gerätehersteller innovative Steuerungssysteme anbieten. So kann über – in der Fernbedienung integrierte – Sensoren der Webbrowser im TV-Gerät bedient werden. Neue Suchfunktionen als vierter Trend machen die Vielfalt neuer Content-Angebote übersichtlicher und erleichtern die Vermarktung. In Zukunft werden Such- und Empfehlungsfunktionen stark an Bedeutung gewinnen. Böhm: „Die Komplexität im Bereich der Consumer Electronics steigt. Grund dafür sind neue technologische Entwicklungen und die veränderte Mediennutzung. Gerätehersteller stehen vor der Herausforderung, diese neuen Funktionalitäten zu evaluieren und in ihre Strategien und Geräte zu integrieren. Wichtig ist, diese neuen Trends für die User zu vereinfachen und zu standardisieren. Denn erst mit einer reduzierten Komplexität werden sich die User dafür begeistern können.“

(Quelle: bitkom.org)

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Marco Schürmann

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