Kunden sollen Einkäufe selbst scannen

6. September 2012, 9:27 Uhr | Archiv

Wal-Markt, ein bekannter US-Einzelhändler, experimentiert aktuell mit einem Abrechnungssystem, das Kunden erlauben soll, die Ware während des Einkaufs selbst zu scannen. Bezahlt werden soll anschließend an einem Selbstbedienungsschalter. Warum das ganze und welche Vorteile oder auch Nachteile es hat, erfahren Sie hier.

(Bild: theverge.com)

Mit der Maßnahme sollen lange Schlagen an Kassen verhindert werden, die die Kunden oftmals verärgern. Wal-Mart ist nicht der einzige Einzelhändler, der an entsprechenden Systemen arbeitet. „Die Metro Gruppe in Deutschland hat ein fast identisches Pilotprojekt am Laufen. In einem Geschäft können Kunden mit bestimmten Handymodellen ihre Waren ebenfalls selbst scannen. Noch handelt es sich um Pilotversuche, die vor allem Innovationsbereitschaft signalisieren. Sollten Kunden und Technik mitspielen, könnten die Testläufe schon bald ausgeweitet werden. Da die Hardware von den Kunden mitgebracht wird, sind die Kosten überschaubar“, erklärt Ulrich Binnebößel, Spezialist für Zahlungssysteme beim Handelsverband HDE, in einem Interview.

Erste Testläufe mit dem App-basierten System, das auf den Namen „Scan & Go“ hört, laufen bei Wal-Mart bereits. Nutzen können das System bisher jedoch nur Angestellte einer einzigen Wal-Mart-Filiale aus dem US-Bundesstaat Arkansas. Voraussetzung für die Nutzung des Systems ist eine entsprechende Smartphone-App. Durch die Handy-Kamera können die Einkäufe dann selbst gescannt werden, bevor sie im Einkaufswagen landen – das erspart die Möglichkeit einer Schlage sowie Personal.

Medienberichten zufolge gibt Wal-Mart jede Sekunde während der Öffnungszeiten zweistellige Millionenbeträge für Gehälter des Kassenpersonals aus. Damit das in Zukunft erspart bzw. verringert werden kann, benötigt es jedoch die Akzeptanz der Kunden selbst: „Die Kundenakzeptanz ist zunächst das Wichtigste. In den USA gibt es eine Kette, die ihr Self-Scanning-System wieder abschaffen musste, weil es nicht gefallen hat. Erst wenn diese Hürde genommen ist, können sich die Händler Gedanken über die Strukturen machen, etwa die anderweitige Nutzung der Kassenfläche oder die Umstellung von Personalplänen“, so Binnebößel.

Ob sich die Bequemlichkeit durchsetzt, ist laut dem Experten noch unklar: „Prognosen sind schwierig. In Deutschland werden immer noch zwei Drittel der Einkäufe bar bezahlt, obwohl die Kartenzahlung weniger umständlich ist.“ Bezahlen über Smartphone ist aktuell noch kein großes Thema in Deutschland, auch NFC allgemein noch nicht. Dafür scheinen die Preismodelle der großen Anbieter für den Handel nicht attraktiv genug zu sein.

Deshalb haben sich Unternehmen der US-Branche zusammen getan und ein Konsortium gegründet, das ein eigenes mobiles Bezahlsystem entwickeln will, um Kosten einzusparen. Das Ziel: Die Waren sollen nicht nur gescannt, sondern auch direkt mit dem Smartphone bezahlt werden können. Binnebößel glaubt, dass ein ähnliches Bezahlsystem auch in Deutschland funktionieren könnte, allerdings „müsste die Politik reagieren und Dritten Zugang zur Bankeninfrastruktur verschaffen“.

(Quellen: pressetext.com, dailyfinance.com)

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Marco Schürmann

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