Ausprobiert: Drucken ohne K – macht das Sinn?

2. April 2013, 10:30 Uhr | Archiv

 

Die ColorMatch GmbH hat mit ihrer neu vorgestellten Color Management Lösung „Drucken ohne (K)ai“ einen Workflow für HP Indigo Maschinen entwickelt, der ein Drucken nur mit den Druckfarben Cyan, Magenta und Gelb ermöglichen soll. Dadurch sollen sich Druckkosten und Laufzeit der Aufträge um bis zu 25 Prozent reduzieren lassen – bei nahezu gleichbleibender Qualität. Das hört sich natürlich hochinteressant an und war für uns Grund genug, einen Musterdruck zu bestellen. Wir fragten unseren Farbexperte Florian Süßl von zipcon consulting berlin, was er von den Druckergebnissen hält.

Ende Februar erreichte uns die Pressemeldung mit dem ungewöhnlichen Versprechen, die Druckkosten und Laufzeit von Druckaufträgen um 25 Prozent reduzieren zu können. „Drucken ohne Schwarz“ war das Schlagwort, eine ColorManagement-Lösung der ColorMatch PrePress & IT Solutins GmbH soll dies HP Indigo Anwendern ermöglichen. In der Redaktion waren wir kritisch und haben nicht gezögert, uns auf der Homepage einen Musterdruck zu bestellen. Dabei diente die Infografik „Print Lebt“ als Testobjekt – da hier viele dunkle Flächen und viel schwarzer Text zum Einsatz kommt, waren wir entsprechend gespannt.

Wenige Tage später erreichten uns zwei Drucke – einer klassisch in 4c gedruckt, einer ohne „K“. Die Musterdrucke haben wir an unseren Farbexperten Florian Süßl von zipcon consulting berlin weitergeleitet und ihn um seine fachliche Meinung gebeten:

PL_beide_DruckeFlorian, wie hast Du auf das Versprechen, ohne Schwarz zu Drucken, reagiert?

Ich war zuerst überrascht über diesen ungewöhnlichen Ansatz. Normalerweise versucht man, die oft teuren bunten Farben durch das wesentlich günstigere Schwarz zu ersetzen. Im Offset-Druck wird diese InkSaving-Technologie oft eingesetzt und macht sich dank farbstabiler Druckergebnisse, und vor allem im Rollenoffset geringerer Druckkosten, durchaus positiv bemerkbar. Hier geschieht es genau andersherum, Schwarz wird durch Cyan, Magenta und Gelb ersetzt.

Nun sagst Du, die bunten Druckfarben wären teurer, wie spart man nun, wenn man günstiges Schwarz durch drei teurere Druckfarben substituiert?

Das stimmt, was im Offset-Bereich nicht wirklich Sinn macht, kann sich im Digitaldruck ganz anders darstellen. Das Angebot richtet sich an HP Indigo Anwender und dazu muss man das Preismodell von HP und auch die Technik in der Maschine etwas besser kennen: Indigo-Nutzer zahlen eine Klick-Pauschale pro sogenannter Farbimpressionen, wobei der Druckbogen pro Druckfarbe einmal um die Trommel geführt wird. Das bedeutet tatsächlich, dass ich im Dreifarb-Druck theoretisch 25 Prozent der Druckkosten und auch 25 Prozent der Druckzeit einsparen kann. Ich reduziere also tatsächlich Kosten, Druckfarbe selbst spare ich aber durch den Buntaufbau nicht – glücklicherweise zahlt der Indigo-Anwender den tatsächlichen Verbrauch aber nicht.

Kommen wir nun zum Testdruck. Was waren deine Befürchtungen und Erwartungen beim „Drucken ohne (K)ai“?

Ich hatte zuallererst einmal Befürchtungen bei schwarzem Text, aber auch bei dunklen Grau- und Schwarztönen war ich sehr skeptisch, ob da nicht Kontrast in der Tiefe fehlen würde.

Und wie ist deine Meinung?

Im direkten Vergleich der dunklen Bereiche ist der Farbstich erkennbar

Im direkten Vergleich der dunklen Bereiche ist der blaue Farbstich (rechts) erkennbar

Also der Passer scheint zumindest bei den Testdrucken kein Problem zu sein. Der Text ist trotz seiner geringen Punktgröße erstaunlich scharf – da gibt es gar nichts zu meckern. Erfahrungsgemäß kann es aber je nach Papier auch bei der Indigo durchaus zu Problemen mit dem Passer kommen, so dass der Druck allein mit den Druckfarben Cyan, Magenta und Gelb bei schwarzem Text und filigranen grauen und schwarzen Linien nicht immer so gut aussieht wie in unserem Testdruck. Farblich hingegen wäre ich als Kunde im Fall unserer Testdatei nicht ganz zufrieden. Meine Bedenken, dass die Graubalance generell nicht stimmt bzw. dass man generell deutliche Farbstiche erkennt, haben sich zwar nicht bestätigt; in den ganz dunklen Grau- und Schwarztönen können wir aber eine deutliche Aufhellung und einen Blaustich wahrnehmen, der mit bloßem Auge erkennbar ist.

Wenn ich hier als Kunde nicht auf mögliche Qualitätseinbußen hingewiesen worden wäre, wäre das Druckergebnis ein Reklamationsgrund für mich.

Ein Aspekt ist mir noch bei unserem Testmotiv aufgefallen: In den Lichtkegeln der Lampe liegen mehrere Objekte transparent übereinander, bei denen durch die Farbumwandlung im RIP eine Menge an Details verloren gegangen sind.

PL Testdruck Transparenz

Bei Transparenzen konnten wir Probleme in der Detailtreue erkennen (3C hier links)

Man muss fairerweise aber sagen, dass ColorMatch ganz klar angibt, dass nicht alle Motive für das Verfahren geeignet sind. Unser Testdokument hätte in diesem Fall jedenfalls auf herkömmliche Weise produziert werden müssen.

Würdest du als Farbexperte also die Finger davon lassen?

Im HighEnd-Bereich auf jeden Fall, aber es gibt natürlich eine Menge Anwendungsbereiche, in denen die Qualität im Hinblick auf die Produktionskosten absolut in Ordnung ist. Das ist aber eher eine Rechenaufgabe für die kaufmännische Abteilung. Wäre ich in der Druckerei für das Qualitätsmanagement zuständig, müsste ich mit der einen oder anderen Reklamation rechnen, wenn ich alle Aufträge dreifarbig drucke. Es sei denn, ich setze den Kunden ausdrücklich über die Auswirkung der speziellen Farbumsetzung in Kenntnis oder – besser noch – lasse mir die Produktion vom Kunden anhand von Musterdrucken freigeben.

Erfreulich: Die Schrift kam knackig und scharf auf beiden Drucken daher

Erfreulich: Die Schrift kam knackig und scharf auf beiden Drucken daher

Die Kosten- und Zeiteinsparung bleibt trotz alledem ein nicht zu vernachlässigender Faktor. Dazu bietet der Anbieter auf seiner Seite ja einen recht umfassenden Kalkulator an. Ob man es wirklich schafft, 70 Prozent seiner Druckaufträge mit dem Verfahren abzudecken [wie es im Kalkulator als Standard-Wert vorgegeben ist – Anmerkung der Redaktion] und die Investitionskosten von rund 15.000 Euro für das Soft- und Hardwarepaket umzulegen, ist abhängig vom Druckvolumen und der Art der Druckaufträge. HP selbst bietet seinen Indigo-Kunden mit EPM (Enhanced Productivity Mode) auch ein ähnliches Paket gegen Aufpreis von Haus aus an.

Vielen Dank für deine Beurteilung.

 

Über Florian Süßl: 

Florian Süßl (zipcon consulting berlin) studierte Druck- und Medientechnik in München und sammelte in mehr als 20 Jahren Erfahrungen als Technischer Leiter in der Druckvorstufe und in einer Designagentur. Seine fachlichen Schwerpunkte sind Druckdatenerzeugung, Farbmanagement und Qualitätssicherung. Er ist in unterschiedlichen Gremien aktiv tätig und übt seit vielen Jahren eine Lehrtätigkeit an der Universität der Künste in Berlin aus. Als international anerkannter Experte gibt Florian Süßl sein Fachwissen in praxisorientierten Schulungen und Seminaren an Anwender weiter und unterstützt Hard- und Softwarehersteller bei Entwicklung, Test und Einführung neuer Systeme für die Farbverarbeitung und -ausgabe. Florian Süßl ist stellvertretender Vorsitzender der European Color Initiative (ECI). Er leitet den Arbeitskreis Rollenoffset (WOWG, web offset working group) und arbeitete maßgeblich an Tools für die Überprüfung von Ausgabesystemen und für die Umsetzung von Farbmanagement und Standardisierung im Produktionsalltag mit – Arbeitsmittel, die nicht mehr aus dem Produktionsalltag wegzudenken sind.

Florian Süßl arbeitet an folgenden Projekten mit:

• Altona Test Suite, „Altona Test Suite 2, Technical Page 2“ „Transparenztestform“
• Druckkontrollkeile ECI/bvdm Gray Control Strip
• ECI-Profile

Als Vorsitzender des technischen Beirats des Fachbereichs Medienvorstufe bei der Fogra Forschungsgesellschaft Druck e.V. (FOGRA) erhält er Einblick in Forschungsprojekte, die die Zukunft der Druckmedienproduktion maßgeblich beeinflussen. So kann er technische Neuerungen frühzeitig in die Verbesserung von Qualität und Effektivität der Druckproduktion einbringen. Über die Mitarbeit in diversen Arbeitskreisen ist Florian Süßl aktiv an der Weiterentwicklung von Standards für Datenerzeugung und Druck beteiligt und pflegt enge Kontakte zu maßgeblichen Herstellern der Publishing-Branche.

 

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Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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