Unsicherheitsfaktor Software-Abo?

24. Mai 2013, 8:38 Uhr | Archiv

Ausgerechnet der Softwarehersteller Corel hat auf Adobes Ankündigung, die Software nur noch als Creative Cloud-Abo-Modell bereitzustellen, mit einer entsprechenden Studie und Infografik zur Ablehung von Software-Abos reagiert. Nicht von der Hand zu weisen sind aber die dort aufgeführten Einwände der Verbraucher – ist Deutschland reif für Software-Abomodelle?

Sind die Deutschen reif für Software-Abos? Infografik

Sind die Deutschen reif für Software-Abos? Infografik

Cloud-Modelle, Software as a Service (SaaS) und monatliche Abo-Gebühren für die Software-Nutzung. Ständiger Internet-Zugang und hohe Bandbreiten ermöglichen mittlerweile auch für Standard-Anwendungen neue Vertriebsmodelle, die durch umfangreiche Online-Services erweitert werden. Jüngst hat Adobe mit der Ankündigung, seine umfangreiche Creative Suite nur noch als Abo-Modell, der sogenannten Creative Cloud anzubieten kontroverse Diskussionen ausgelöst.

Konkurrent Corel hat auf die Ankündigung reagiert und die „Befürchtungen“ der Verbraucher mit einer Umfrage und Infografik untermauert. Zusammen mit dem Marktforschungsinstitut INNOFACT AG wurden mehr als 1.000 Personen in Deutschland befragt, welche Bezugswege sie für den Erwerb von Softwareprodukten bevorzugen.

Am besten im Regal

Ob Musik, Bücher oder Software. Der Deutsche hat es am liebsten physisch, im besten Fall im Regal. Mehr als 60% der Befragten haben ihre Software zuletzt als Box-Produkt (also mit Datenträger und Verpackung) erworben und würden dies auch für den kommenden Einkauf bevorzugen. Was die Musikindustrie bereits erfolgreich hinter sich gebracht hat und auf dem elektronische Buchmarkt langsam aber sicher Einzug erhält, scheint im Bereich Software unbeliebt. Wohlgemerkt aber nur im Bereich der hochpreisigen Lösungen, denn kostengünstige Software, Hilfsprogramme und auch Betriebssysteme werden schon lange Zeit nur in virtueller Form angeboten und akzeptiert. Auch Apple hat mit Einführung seines App Stores für Software hier eine entscheidende Vorreiterrolle gespielt und entsprechende Akzeptanz geschaffen (nicht nur zum eigenen Vorteil).

Aber gerade da, wo sich Software-Anschaffungen im drei- und vierstelligen Bereich bewegen, traut man der digitalen Welt dann doch nicht so ganz. Laut der Studie ist es 84% der Befragten besonders wichtig, beim Kauf die Wahl zwischen virtuellem Download-Produkt und physischer Box zu haben.

Die unbekannte Cloud

Skeptisch gegenüber der Cloud

Viele Anwender wissen nicht, wie der Begriff „Cloud“ zu definieren ist

Sobald das Wort Cloud ins Spiel kommt, wird der Kunde besonders skeptisch. Erstaunliche 43% der Befragten, wissen nicht so recht, was mit dem Begriff eigentlich gemeint ist. Muss ich eine ständige Internetverbindung haben oder läuft meine Software gar auf irgendeinem anderen Server? Auch Adobe kämpft in diesem Fall mit der Begrifflichkeit, denn tatsächlich werden auch in Zukunft alle Programme physisch auf dem lokalen Rechner installiert und funktionieren auch ohne einen Online-Zugang – zumindest bis vom Programm die Lizensierungs-Details mit dem Adobe-Server abgeglichen werden. Darüber hinaus werden klassische Cloud-Dienste geboten, etwa ein Abgleich von Voreinstellungen oder virtueller Speicherplatz auf entfernten Servern. Etwas, was man von Google, Amazon oder dropbox bereits kennt.

Abo-Modell – Gewöhnungssache?

Die Angst oder Ablehnung vor einem Abo-Modell ist groß. Was passiert mit meinen Daten, wenn ich ein Abo kündige? Fortlaufende Zahlungen sind für mich zu hohe Belastungen. Ich bezahle mehr als beim Kaufprodukt. Bei 65 bis 87% der Befragten führen diese Befürchtungen zu einer ablehnenden Haltung gegenüber solchen Modellen, auch wenn im beruflichen Umfeld ein monatlicher Mietzins sogar steuerlich besser geltend gemacht werden kann. Ob der Abonnent letztendlich mehr bezahlt als beim Kauf, hängt von der Nutzung und des eigenen Update-Zyklus ab. Bisher ist man bei der Nutzung von klassischer Layout- und Bildbearbeitungs-Software nicht zwingend an die meist jährlichen Versionssprünge gebunden, im Hinblick auf Tools für Tablet- oder Web-Publishing und -Entwicklung kommt man aber um regelmäßige Aktualisierungen der Programme nicht umhin – und hier profitiert man dann durchaus von Funktionen, die die Hersteller sonst als Kaufargument für die nächstgrößere Version zurückhalten. Ob Adobe CC oder Microsoft Office 365 – es liegt an den Herstellern, hier die Angst vor der „Abzocke“ durch Transparenz abzubauen und die Befürchtung der Abhängigkeit zu widerlegen.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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