Druckindustrie schrumpft – Print dennoch größter Werbeträger

5. Juli 2013, 10:56 Uhr | Archiv

Im letzten Jahr konnte die deutsche Druckindustrie nicht von der Entwicklung der Gesamtwortschaft profitieren, so der Bundesverband Druck und Medien (bvdm), anlässlich der Jahrespressekonferenz am Mittwoch. 2012 konnten die knapp 9.400 Unternehmen der Branche knapp 20,5 Milliarden Euro erwirtschaften – 2,5 Prozent weniger als im Vorjahr (21,05 Milliarden Euro). Auch für das aktuelle Jahr erwartet die Druckindustrie keine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage.

(© fovito - Fotolia.com)

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Die Kapazitätsauslastung der Druckbetriebe verbesserte sich geringfügig im Jahresdurchschnitt 2012 auf 81,8 Prozent, nach 81,4 Prozent im Vorjahr. Insgesamt befindet sich die Branche immer noch in einem Strukturwandel, der die Branche zunehmend industrieller und technologieintensiver werden lässt. Gleichzeitig geht dies mit Betriebsschließungen und Arbeitsplatzabbau einher. In der deutschen Druckindustrie arbeiten derzeit rund 151.385 Mitarbeiter, das sind zwei Prozent weniger als im Vorjahr (2011: 154.524). Die Zahl der Betriebe verringerte sich um 3,5 Prozent auf 9.403 Betriebe (2011: 9.746). Die größten Verluste mit –7 Prozent und 2.179 Beschäftigen verzeichnen die Betriebe mit 20 bis 49 Beschäftigten.

Im Jahr 2012 lernten in den drei Ausbildungsjahren 14.722 Auszubildende einen Beruf in der Druck- und Medienwirtschaft. Die Zahl aller Ausbildungsverhältnisse sank analog zur Gesamtentwicklung der Branche um 2,22 Prozent (2011: 15.057 Azubis). Die Ausbildungsquote der Druckindustrie bleibt mit aktuell 8,89 Prozent nach wie vor überdurchschnittlich. Allerdings sind die Betriebe angesichts der unsicheren Wirtschaftslage mit der Neueinstellung von Auszubildenden zurückhaltend. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse fiel im Jahr 2012 gegenüber 2011 mit 5.445 Neuverträgen um 8,5 Prozent. Im Vorjahr 2011 hatten die Betriebe ihre Ausbildungsbemühungen noch um 3,4 Prozent (2011: 5.951) gesteigert. bvdm-Präsident Rolf Schwarz appellierte an die Betriebe, bereits mit der Ausbildung auf neue zusätzliche Geschäftsfelder zu setzen und kurzfristig das erforderliche Know-how aufzubauen.

Langfristige Zukunft dennoch positiv

Die Erzeugerpreise für Druckleistungen stiegen im Jahr 2012 um +1,1 Prozent. Sie deckten, so der bvdm, allerdings bei weitem nicht die seit Jahren stark steigenden Kosten insbesondere für Energie und Rohstoffe. Die langfristige Zukunft von Print sieht der Verband dennoch positiv: Print ist mit einem Anteil von 68 Prozent größter Werbeträger in Deutschland. Studien belegen die Vorzüge von Print gegenüber elektronischen Medien hinsichtlich Reichweite, Werbewirkung, Effizienz und Nachhaltigkeit.

Einen eindringlichen Appell richtete bvdm-Hauptgeschäftsführer Dr. Paul Albert Deimel an die Tarifpartner. Nach Ansicht des bvdm müssen Arbeitgeber und Gewerkschaft gemeinsam in kommenden Tarifverhandlungen die notwendigen Änderungen am Tarifwerk anpacken, um die Branche zukunftsfähig auszurichten und den Flächentarifvertrag zu erhalten. Gemeinsames Ziel der Tarifpartner müsse es sein, die Branche durch zeitgemäße Arbeitsbedingungen insgesamt zu stärken.

Angesichts der demografischen Entwicklung komme das System der gesetzlichen Rentenversicherung in absehbarer Zeit an seine Leistungsgrenze. Umso mehr Bedeutung werde daher in Zukunft der betrieblichen Altersvorsorge zukommen. Vor diesem Hintergrund stellen die Sozialpartner der Druckindustrie bereits seit 2002 mit dem Zukunftsfonds Medien, Druck und Papier ein leistungsstarkes Branchenmodell der betrieblichen Altersvorsorge zur Verfügung. Gemeinsam mit HDI wurde das Modell von der bisherigen Pensionskasse im vergangenen Jahr auf eine Direktversicherung umgestellt. Auch wenn die Umstellung in vielen Unternehmen noch Zeit benötigt, verspricht das neue Konzept ein Erfolg zu werden: Das Interesse an dem Branchenmodell ist groß. Der weitere Ausbau der betrieblichen Altersvorsorge als leistungsfähige und effiziente Form der kapitalgedeckten Altersvorsorge könne aber nur gelingen, so Deimel, wenn die Politik hierfür den notwendigen Rahmen ohne zusätzliche Belastungen und bürokratische Vorschriften schaffe. Die geplante neue europäische „Richtlinie über Mindeststandards in der betrieblichen Altersvorsorge“ schade der betrieblichen Altersvorsorge ebenso wie z.B. die bereits umgesetzten nationalen Neuregelungen zum Versorgungausgleichsrecht.

Kritik äußerte der bvdm zur geplanten EU-Datenschutz-Grundverordnung. Der vorgeschlagene Entwurf beschneide die Werbemöglichkeiten der Industrie so enorm, dass dies gravierende Auswirkungen auf die Druckindustrie hätte. Die Forderung des bvdm lautet: Direktmarketing und die dafür notwendige Datenverarbeitung über externe Druckdienstleister muss auch weiterhin möglich bleiben. Unternehmen müssen zum Zwecke der Neukundengewinnung auch künftig auf spezialisierte Dienstleister zurückgreifen können.

Ein weiterer Irrweg seien die Forderungen in der Politik nach einer Vermögenssteuer. Deimel: „Die Belastung für die Unternehmen wäre wettbewerbsgefährdend und ruinös.“ Da die Vermögenssteuer nur in begrenztem Maß auf die Höhe der tatsächlich erwirtschafteten Gewinne Rücksicht nehme, wirke sich die Vermögenssteuer in schlechten Jahren stärker aus. Absurde Folgen entstünden bei ertragsschwachen Betrieben in der Krise: Liegen keine Erträge vor, ist die Vermögenssteuer aus der „Substanz“ des Unternehmens zu zahlen. „Print ist ein Kulturgut und unersetzlicher Informationsträger. Statt Restriktionen und Marktbarrieren muss die Politik für Stabilität von Print in seiner ganzen Vielfalt, wie Zeitungen, Zeitschriften und Büchern in Deutschland sorgen“, forderte der Hauptgeschäftsführer des Spitzenverbandes.

(Quelle: bvdm)

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Marco Schürmann

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