Wertschöpfung: An der Spitze der Online-Pyramide


3. September 2013, 7:47 Uhr | Archiv

„Wir sind da eher konservativ und nicht im Internet aktiv.“ In Deutschland gibt es 3,5 Millionen Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern. Das sind 98% aller deutschen Betriebe und Druckbetriebe sind typischerweise hier mit dabei. Von diesen 98% haben rund 20% oder etwa 700 000 Unternehmen keine eigene Website. Das ist eine Zahl (des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn), die vertane Chancen dokumentiert.

Katharina Matters und Bernd Zipper

Katharina Matters und Bernd Zipper sind die Referenten des Seminars “E-Business Print ist Chefsache – Online-Wertschöpfung mit Print”

Die Hauptbegründung für die Internet-Abstinenz, so hat es die Initiative Antrieb Mittelstand ermittelt, ist Zweifel am Nutzen einer Web-Präsenz. Wie bitte? Gehe ich nach meinem eigenen Verhalten, so ist die Wahrscheinlichkeit, in Kundenbeziehung zu einem dieser 700 000 Unternehmen zu treten, recht gering und weiter sinkend. Denn längst recherchiere ich selbst Öffnungszeiten der Anglershops oder Friseure in meiner Umgebung mal schnell im Internet – damit ich nicht möglicherweise umsonst dorthin fahre. Ein Unternehmen, das ich für solche trivialen Anfragen im Web nicht finde, verschwindet langsam aber sicher von meinem Radar. Die Geheimtipps, die keine weiteren Kunden mehr verkraften können, nehme ich jetzt mal aus. Nur sind echte Geheimtipps so selten wie wirklich geheim.

Das Web ist kein Branchenbuch

Wenn eine Firma mit ihrem Angebot so wenig von anderen unterscheidbar ist und sie so wenig über ihre Dienstleistungen, Geschäftszeiten und Produkte zu sagen hat, dass auf einer Web-Präsenz kaum mehr als auf einer Visitenkarte steht, dann habe ich als Kunde immerhin Kontakt-, Örtlichkeits- und Zeitinformationen. Der Nachbarjunge hilft übrigens gerne, damit man auch auf Google Maps gefunden wird und kann auch die Verlinkungen setzen. Will sagen, die Internet-Affinität wird bei der nachkommenden, jüngeren Kundschaft größer. Firmen, die weiterhin einen Internet-Kanal ignorieren, verlieren so ganz natürlicherweise immer mehr Kunden. Selbst die so genannten Best Agers holen online auf, beispielsweise in sozialen Medien.

Vier von fünf Unternehmen sind bereits in Angela Merkels „Neuland“ und haben eine Website (oder, ähm, -seite). Und damit sie so unexotische Kunden wie mich gewinnen, sollten sie diese auch nutzen, um Online-Marketing zu betreiben. Im Falle von Druckbetrieben mit, wie ich behaupte, überproportional vielen internetaffinen Kunden sind ernsthaften Überlegungen gefragt, ob sich dies nicht auch zu einem Online-Geschäftsfeld ausbauen lässt.
Neben dem reinen (Self)Marketing, dem Werben für sich, sollte man sich die Möglichkeit einer Wertschöpfungskette über Online nicht entgehen lassen, sei es, um ein nachlassendes regionales Geschäft auszugleichen, sei es, um so überhaupt eine neue Geschäftsidee zu verwirklichen. Zu den Marketing-Maßnahmen zählen beispielsweise den Bekanntheitsgrad des Unternehmens zu steigern oder das Leistungsvermögen und die vorhandene Produktpalette bekannter zu machen. In E-Business geht dies über, wenn online Marken etabliert, Produkte vertrieben und Online-Mehrwerte geschaffen werden.

Mehr als nur Web-to-print

Der bekannteste Online-Mehrwert im E-Business Print für Druckunternehmen und ihre Kunden sind die Web-to-print-Funktionen, doch daneben bieten sich weitere Segmente wie kundenspezifische Portale, Marken-zentrierte Shops, Einbindung des Print-Bereichs im 360-Grad-Medienspektrum, Fulfillment-Portal und so fort.

Die Mehrzahl der Druckdienstleister lassen sich die Chancen des Internet entgehen. © Vicza | Dreamstime Stock Photos

Die Mehrzahl der Druckdienstleister sind im Internet wenig aktiv.
© Vicza | Dreamstime Stock Photos

Als Motivation kann man sich eine Pyramide der Online-Aktivitäten vorstellen: Die Basis bilden alle Online-Präsenten, schon weniger sind die Online-Aktiven. Davon betreiben die meisten eher Online-Werbung für ihr Unternehmen. Noch weiter oben im Pyramidenmodell sitzen die Print-Unternehmen, die online auch Geschäfte tätigen. Viele davon nutzen dabei E-Business nicht konsequent („im Wehwehweh haben wir auch einen Visitenkarten-Konfigurator“). Jetzt erst wird es langsam interessant – am oberen Ende dieser Pyramide finden sich die echten, durchdachten und oft genug auch erfolgreichen E-Business Print Ideen.

Um im Internet-Business zu bestehen, gilt es die richtige und vor allem zum Unternehmen passende Strategie zu finden. Die Wege sind vielfältig – ob Onlineshop, Online-Portal oder Service-Website. Und es bieten sich Chancen, in neuen Märkten zu agieren und die Vorteile des Internets zu nutzen. Doch wie tickt der Online-Markt, der Online-Kunde? Und: Welchen Regeln folgt der Verkauf von Print im Internet? Was muss man in einer eigenen Strategie für E-Business Print berücksichtigen? Diese Fragen sollte sich jeder stellen, der ein erfolgreiches Online-Geschäftsmodell mit Print-Produkten schaffen will. Übrigens: Wer im Sinne von „konservativ“ Werte erhalten will, dem empfehle ich dies durch neue Wertschöpfungen abzusichern.

Im Seminar „E-Business Print ist Chefsache – Online-Wertschöpfung mit Print“ gehen Katharina Matters (pXm Nord-West) und Bernd Zipper (zipcon consulting) praxisnah auf diese Fragen ein. Erfahren Sie, welchen Grundregeln Sie Beachtung schenken sollten, wenn Sie das Internet erfolgreich – etwa als weiteren Vertriebskanal – nutzen wollen. Termine: 23.10. in Hamburg, 21.11. in Lünen.
Weitere Infos finden Sie unter diesem Link des Veranstalters, der campus managementakademie für druck und medien GmbH.

Über den Autor

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. In den unterschiedlichsten Kundenprojekten begleiten der Technologie- und Strategieberater und sein Team aktiv die praktische Umsetzung. Er entwickelt Visionen, Konzepte und Strategien für die im Printerstellungsprozess beteiligten Akteure der unterschiedlichsten Branchen. Bernd Zipper ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. Seine visionären Vorträge gelten weltweit als richtungsweisende Managementempfehlungen. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus).

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