iBeacons: Wireless Nahfeldkommunikation mit Potential zum Standard

25. September 2013, 11:20 Uhr | Hintergrund, Technik

Seit der Einführung von iOS 7 kommt eine neue Technik in die Hände von iPhone- und iPad-Besitzern, die mit nun erscheinenden Anwendungen so manches E-Business stark beeinflussen wird. Die Rede ist von iBeacons, auch unter dem Namen BLE (Bluetooth Low Energy) oder Bluetooth Smart bekannt. Bekanntlich hat Apple auch mit den gerade vorgestellten iPhones schon wieder auf NFC verzichtet – auf dieses Pferd wird Apple wohl auch in Zukunft bewusst nicht setzen.

BLE Tags mit geringem Energieverbrauch

Klein und sparsam. BLE-Tags haben eine integrierte Batterie und halten ca. 12 Monate (Foto: Stick’N’Find)

Ganz so neu ist BLE nicht, denn bereits 2011 hat Apple mit dem Macbook Air und dem Mac Mini die ersten BLE-fähigen Geräte überhaupt auf den Markt gebracht. Damals fiel wohl auch schon die Entscheidung gegen NFC auch für die iPhones. Ausdrücklich kommuniziert hat dies Apple jedoch nicht.

Neu ist allerdings, dass BLE jetzt auch von mobilen Betriebssystemen unterstützt wird und die ersten „Gegenstellen“, die so genannten iBeacons nun langsam im Markt auftauchen. Auch Google hat sich zu BLE bekannt und dies in Version 4.3 Jelly Bean von Android implementiert. OS X und Windows 8 unterstützen BLE ebenfalls. iOS 6 war übrigens schon eingeschränkt in der Lage, über BLE zu kommunizieren.

Die Hersteller fahren damit die Strategie, erst einmal eine kritische Masse BLE-fähiger stationärer und mobiler Geräte in Anwenderhände zu bringen, bevor die ersten massentauglichen Anwendungen dafür etabliert werden. Einer der beliebtesten Startpunkte für Entwickler ist Texas Instruments SensorTags Kit.

Was ist iBeacons/BLE/Bluetooth Smart?

Der Namensbestandteil Bluetooth sagt es bereits, diese Technik kommt nicht proprietär von Apple. BLE ist die Hauptneuerung der neuen Bluetooth 4.0 Spezifikation (hier eine technische Beschreibung) und erlaubt die wireless bidirektionale Datenübertragung über Distanzen bis maximal 50 Meter. BLE-Sensoren kommen dabei mit sehr wenig Energie aus, so dass eine Knopfzellenbatterie einen längerfristigen Betrieb gewährleistet. Smartphones und andere mobile Geräte können dann Beacons, „Dinge“, die über „BLE“ sprechen, auch innerhalb von Gebäuden lokalisieren und ihre Benutzer „ansprechen“, beispielsweise dorthin navigieren. Über Benutzerprofile interagieren diese BLE-Dinge dann mit dem Anwender und können etwa deren Bewegungsprofil aufzeichnen.

Zwar ist auch NFC (Near Field Communication) mit seinen stromversorgungsfreien Tags berührungslos, benötigt aber deutlich kürzere Distanzen. In der Praxis kommuniziert ein NFC-Device mit einem NFC-Tag (beispielsweise in einer Visitenkarte) sicher bis zu einem Abstand von vier Zentimeter.

Schlüssel & Co lassen sich über BLE-Tags im Raum lokalisieren. (Foto: Stick'N'Find)

Schlüssel & Co lassen sich über BLE-Tags im Raum lokalisieren. (Foto: Stick’N’Find)

BLE bewältigt in der Praxis Distanzen bis momentan etwa 12 Meter. Damit könnte eine Ladenfläche von 300 Quadratmeter mit etwa sieben Beacons abgedeckt und ein Benutzer bis auf ungefähr einen Meter genau lokalisiert werden. Dafür benötigt BLE wie gesagt aber im Gegensatz zu NFC auf beiden Seiten eine wenn auch geringe Stromversorgung. Die Datenübertragungsraten über das BLE-Protokoll sind nicht besonders hoch. Es reicht hauptsächlich zur Signalübermittlung und zum Streaming bei kleiner Bandbreite (<0,2 MB/s), nicht aber zum Tausch größerer Datenmengen wie vieler Bilder oder gar Videos.

Die ersten BLE-Dinge sind bereits bestellbar. So bietet die Firma Roximity Beacon ab 10 US-Dollar/Monat eine Lösung für App-Entwickler einschließlich Beacon, hier kleinen Quadern von ca. 5x5x2 Zentimeter Abmessungen an. Bereits direkt an Endanwender geht das Angebot von StickNFind, mit dem man Haustiere, verlegte Schlüssel und alles, woran sich ihre BLE-Sticker anbringen lassen, orten kann. Und auf Crowd Sorcing Plattformen finden sich immer mehr Startups, die für ihre Beacon-Lösungen wie dieses Gesten-fähige Ding Kapital sammeln.

Heißestes Thema: Digital Wallet mit BLE

Spannend wird es im Verkauf: Mit beacons lassen sich gezielt ortsgebundene Angebote übermitteln - auch die Bezahlung ist darüber möglich.

Spannend wird es im Verkauf: Mit beacons lassen sich gezielt ortsgebundene Angebote übermitteln – auch die Bezahlung ist darüber möglich. (Foto: Estimote)

Erste Anwendungen im Konsumentenbereich sind etwa Fitnesstracker wie in Laufschuhen, Smartwatches, Sensoren zur Übermittlung von Blutzuckerwerten oder die Waage, von der aus eine App auf dem Computer oder dem Smartphone das aktuelle Körpergewicht protokolliert. Da auch Computer oder Smartphones selber zu iBeacons werden können, ist BLE eben auch zur Geolokalisierung in- und outdoor tauglich. Denkbar sind beispielsweise Anwendungen für Blinde, angepasste Touristikführer, POI/POS-Verknüpfungen und mehr.

Damit wird BLE auch zum nächsten und sogar aussichtsreichen Hype beim Thema Digital Wallet. Tatsächlich bringt BLE alles mit, was für Mobile Payment benötigt wird. Auf diesem Feld wird BLE möglicherweise NFC erledigen. Das Szenario, dass man einfach in einen Supermarkt geht, seine benötigten Waren einpackt und ohne Kassenaufenthalte einschließlich Warteschlange wieder zur Tür hinaus – bei letzterem erfolgt der kontaktlose mobile Zahlungsvorgang automatisch – ist mit BLE realistisch und bald in der Erprobung.

Fazit

Apple könnte wieder einmal den Marktöffner für eine an sich bereits verfügbare Technik geben, denn mit einem Schlag sind alle iPhones ab dem iPhone 4s und alle iPads ab der dritten Generation selber iBeacons. Bluetooth Low Energy hat das Potential zum Standard in der Nahfeldkommunikation, die Reichweitenvorteile gegenüber NFC liegen auf der Hand. Damit ergibt sich auch ein Kostenvorteil: Ein kleiner für die Anwender, in deren Geräte nicht zusätzlich NFC verbaut werden muss, und ein großer für diejenigen, die eine Infrastruktur für Payment, Lokalisierung und andere Anwendungen schaffen wollen.

Von der EPOS-Redaktion. Den kompletten Artikel, der sich vor allem an Anwender im Bereich E-Business Print wendet, finden Sie auf dem Blog der Redaktion der EPOS Studie.

 

Die Firma Estimote zeigt in einem Video, wie die Lokalisierung mit den Smart Beacons im Shop funktionieren kann:

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1 Kommentar

  1. Antworten

    Marcus Stamer

    25. August 2014

    Hallo Herr Zipper,

    ich glaube, dass die iBecons Technologie für den europäischen und im Besonderen für den deutschen Markt nicht geeignet ist. Datenschutz bekommt beim Verbraucher ja eine immer höhere Priorität und diese Technik besitzt hier einige Defizite.

    In der Schweiz haben sich Datenschützer schon intensiv mit der iBecons Technologie beschäftigt und empfehlen z. B., dass man Geschäfte die iBecons einsetzten, mit Warnhinweisen versieht, so dass der Kunde vor dem Betreten des Geschäfts noch die Möglichkeit hat seine Bluetoothschnittstelle zu deaktivieren.

    Dies bedeutet für die Kunden unter Umständen aber erhebliche Einschränkungen. Man stelle sich nur vor, man sitzt im Wartebereich eines Flughafens, möchte keine Werbung erhalten, kann dann leider aber nicht mehr sein Headset oder die Bluetoothtastatur vom Tablett benutzen.

    Auch die Bezahlung durch eine „Bluetoothfunkwolke“ dürfte beim Verbraucher ein gewisses Unbehagen auslösen.

    Bei der NFC-Technolgie entfallen schon mal viele Angriffsszenarien, auf Grund der kurzen Reichweite, außerdem hat der Nutzer das Gefühl eine bewusste Handlung vorzunehmen.
    Bin mal gespannt, wie sich das Ganze entwickeln wird, wenn im Herbst die neue Generation des iPhone vorgestellt wird.

    Beste Grüße aus Lütjensee

    Marcus Stamer


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