Neutrale und tracking-freie Suchmaschine Qwant – die europäische Alternative zu Google?

19. Februar 2014, 9:16 Uhr | Hot/Flop, Meinung

An Google kommt keiner vorbei, sollte man meinen. Und das Misstrauen gegenüber der Macht, die Google immer weiter akkumuliert, ist in Zeiten von digitaler Aushorchung verständlich. Folglich hätten viele gerne eine Suchmaschine, die sie nicht per se aushorcht und Suchergebnisse neutral bereitstellt. Kommt mit der ersten europäischen, neutralen, komplettindizierenden Suchmaschine Qwant nun die Erlösung vom Google-Imperium?

Wenn ich mich nach Suchmaschinen-Alternativen umsehe, finde ich mich doch wieder bei Google, und das auch privat. Die sind einfach zu smart. Aber in den USA, wo auch die NSA und die anderen kommerziellen Spitzenaushorcher sitzen. Es gibt aber auch Spezialwerkzeuge unter den Suchmaschinen, die ich ebenfalls einsetze.

Nun bin ich darüber gestolpert, dass Anfang März in Berlin bei Büffet und Podiumsdiskussion der „offizielle Deutschland-Start der europäischen Suchmaschine Qwant.com“ den Medien verkündet wird. Motto: „Neutral, Privatsphären-konform, Sozial orientiert: Die alternative Suchmaschine von morgen.“ Wow. Was ist da dran? Und: Berlin, Berlin, fahre ich nach Berlin?

Angesichts meines engen Terminkalenders habe ich mir mal die Aussagen von Qwant.com angesehen:

Laut Eigendarstellung ist Qwant.com ist die erste europäische Suchmaschine, die das gesamte Web indizieren soll. Kann ich nicht glauben, nicht einmal Google indiziert das gesamte Web. Wie soll das dann Qwant.com mit seinen gut 20 Mitarbeitern schaffen? Und zweitens ist Qwant.com keine Suchmaschine, sondern eher so etwas wie ein Websuche-Aggregator. Die Web-Suchen von Qwant.com übernimmt die Suchmaschine Bing von Microsoft – aus den USA. Ich glaube nicht, dass sich anlässlich des offiziellen Deutschland-Starts etwas daran ändert. Europäisch stimmt insofern, dass Qwant.com selber in Frankreich residiert. Die Domain Qwant.de ist übrigens schon reserviert, jedoch von einem deutschen Domain-Horter.

Qwant ist keine Suchmaschine - das erledigt Bing, wie hier der Vergleich der Suchergebnisse zeigt

Qwant ist keine Suchmaschine – das erledigt Bing, wie hier der Vergleich der Suchergebnisse zeigt

Suchergebnisse werden auf einer Seite zusammengefasst und nach Kategorien geordnet dargestellt. Dabei wird unterschieden nach Web-Ergebnissen, News-Kanälen, Sozialen Kanälen, einer eigenen Shopping-Abteilung und Medien, getrennt nach Fotos und Videos. Nett, das ist auch das Alleinstellungsmerkmal von Qwant.com. Eine schöne Trennung von Privat und Kommerziell, mag man glauben.

Qwant sortiert die Suchergebnisse in fünf Segmente

Qwant sortiert die Suchergebnisse in fünf Segmente

Aber ist das eine Suchmaschine der nächsten Generation? Diese Frage habe ich in Qwant.com ins Suchfeld eingetippt: „Bist du eine Suchmaschine der nächsten Generation?“ Die Top-Ergebnisse: Ein FAZ-Artikel zum semantischen Web (die sind immerhin auf der richtigen Spur), dann ein Treffer aus dem Jahr 2008 zur Suchmaschine Cuil (schon längst wieder von der Bildfläche verschwunden) und drittens ein Beitrag zu einem Update der Suchmaschine Bing. Ach ja, Platz vier hat mit Schmetterlingen zu tun.

„Qwant.com bietet eine anonymisierte Suche…“ Me too: Startpage, DuckDuckGo, Disconnect me, Ghostery, IXquick,… die Liste der anonymisierten Suchoptionen und Anti-Tracker ist bereits lang.

„Qwant.com ist … mittlerweile in mehr als 200 Ländern verfügbar.“ Keine Eigenleistung. Ich habe keine Ahnung, ob Qwant.com beispielsweise in Nordkorea geblockt wird, aber sonst sollte es schon überall dort verfügbar sein, wo es einen Internet-Zugang gibt. Immerhin lässt sich Qwant.com in vierzehn Hauptsprachen voreinstellen, darunter bereits vor dem offiziellen Start auch Deutsch.

Ich werde Berlin wohl bei einer anderen Gelegenheit besuchen.

Bernd Zipper, Experte E-Business Print und CEO der zipcon consulting GmbH

Bernd Zipper, Experte E-Business Print und CEO der zipcon consulting GmbH

Bernd Zipper ist Herausgeber von beyondprint.de, CEO der zipcon consulting GmbH und Experte für E-Business Print. Er und sein Team beraten und begleiten Unternehmen aus Medienbranche, Handel und Industrie strategisch und praktisch bei der Projektierung und Umsetzung von Onlinedruck-Geschäftsmodellen. Außerdem initiierte Bernd Zipper die Online-Datenbank EPOS (E-Business Print Online Studie), die herstellerneutral Softwarelösungen in den Bereichen Web-to-Print System, Editor, Print-MIS, Brandmanagement System, Multichannel Publishing/Marketing oder Remote Publishing detailiert erfasst und vergleichbar macht.

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