Das Wettrüsten hat begonnen: Der europäische Online Print Markt kommt in Bewegung

20. Februar 2014, 8:52 Uhr | Meinung, Neues

Es hat sich schon im letzten Jahr angekündigt, dass die großen Online-Drucker in Europa großes Interesse an der einen oder anderen Übernahme haben. Still und leise wird nun im Hintergrund gekauft, beteiligt und aufgerüstet um sich den wachsenden Anforderungen des Online Print Marktes stellen zu können. Nun hat Vistaprint – der Gigant der Online-Druck Branche – www.drukwerkdeal.nl übernommen.

In den Niederlande ist die People & Print Group – die Firma hinter drukwerkdeal.nl –  „der“ Branchen-Primus. Das wird auch Vistaprint gemerkt haben, ein Blick in die Webanalyse zeigt, dass drukwerkdeal.nl alles richtig gemacht hat. Stetig wachsend hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren den dynamischen Online-Print Markt in BeNeLux unter den Nagel gerissen. Gemäß dem Motto „Make or Buy“ – hat sich nun Vistaprint N.V. dazu entschlossen den Wettbewerber einfach zu übernehmen. Ein genialer Streich.

Die Präsenzen der niederländischen People & Print Group in Europa

Die Präsenzen der niederländischen People & Print Group in Europa

Das vorwiegend US-geprägte Unternehmen Vistaprint hadert schon eine ganze Zeit mit den lokalen Märkten in Europa. Zu unterschiedlich sind die Eigenheiten der Anwender, zu verschieden die Art des Marketings um in den diversen Länder effektiv zu sein. Das amerikanische Prinzip „viel hilft viel“ – deutsche Vistaprint-Anwender wissen, was ich meine – funktioniert in D/A/CH und BeNeLux nur bedingt bis gar nicht. Ergo: Man kauft sich Lokalgewächse ein. Diese Entscheidung für „Buy“ könnte auf einen Strategiewechsel bei Vistaprint hinweisen – man darf gespannt sein, welche Pläne das Unternehmen nun für D/A/CH entwickelt.

Ich bin davon überzeugt, funktioniert die Eingliederung von People & Print in das Unternehmensnetzwerk von Vistaprint, wird der nächste Schritt eine Akquise in D/A/CH und Osteuropa werden. Und das ist für die börsennotierte Firma bitter notwendig, da Vistaprint in D/A/CH noch lange nicht so erfolgreich ist wie zum Beispiel in Japan oder den USA.

Interessant sind aber auch die aktuellen Aktivitäten der deutschen Player im Online Print. United Print übernimmt Infowerk – den Online Print Pionier, Flyeralarm startet das Endkunden-Portal „myFlyeralarm“, Diedruckerei.de erweitert die Produktionskapazitäten… Der Markt ist in Bewegung. Es scheint als ob die „großen“ Player verstanden haben, dass sie noch längst nicht das Potential im Online-Print ausgeschöpft haben.

Im letzten Jahr haben wir in der EPOS-Studie prognostiziert, dass der Umsatz im Online Print zirka zwei Milliarden Euro (D/A/CH) in 2013 erreichen wird – diese Zahlen bestätigen sich nun. Meine Erwartungen wurden sogar übertroffen. Was mich verwundert: Erstaunlich ruhig ist es seit dem Abgang von Dr. Fries bei CeWe-Color – dem Fotobuch-Marktführer in Europa. Und die Erfahrung zeigt: Wenn es so ruhig ist, kommt „da was“.

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Online Print muss echter Service werden und Qualität nicht nur beworben, sondern auch geliefert
– Bernd Zipper

 

Gleichzeitig fragen sich aber die großen Player auch „wie“ sie das weitere Online Print Potential erschließen können, und die Strategien sind, wie das Brute-Force-Beispiel von Vistaprint zeigt, so spannend wie simpel: Man muss näher an den Kunden – Online-Print muss „echter“ Service werden – die Produkte müssen besser werden (noch immer finden wir bei unseren Tests heraus, dass einige große Online-Printer Qualität zwar bewerben – aber nicht liefern können) – und der Kunde will da abgeholt werden wo er ist: Mobile, Lokal, Online.

Was bedeutet das aber nun für die kleineren Marktteilnehmer im Online Print – für die Unternehmen die nicht mal schnell ein paar Millionen ausgeben können, um einen Wettbewerber zu übernehmen? Ganz einfach: Konzentration auf die Zielgruppe, besser sein für die eroberte Nischengruppe oder mit dem angebotenen Nischenprodukt. Denn eines ist ebenso klar: Die Segmentierung der Druckindustrie in Druckfabrik, Nischen-Drucker und Manufaktur (hierzu demnächst ein detailierter Kommentar) ist in vollem Gange. Das Wettrüsten hat begonnen.

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