Geht das zusammen? Internet der Dinge und Druckprodukte

20. März 2014, 12:35 Uhr | Neues, Technik

Hausaufgaben: Wenn das Internet der Dinge kommt, wie verbinden sich dann Druck-Dinge mit dem Internet? Das Internet der Dinge ist schließlich das Konzept der mit dem Internet verbundenen, intelligenten Dinge, bei dem die Informationslücke zwischen dem Internet und der Realwelt abgebaut werden soll. Diesen Abstand sollten wir auch bei Druckprodukten verringern, sie also in sich „schlauer“ machen.

Bislang stehen eher Responce-Techniken wie QR-Code und Augmented-Reality-Bilderkennung im Fokus der Aufmerksamkeit, aber so langsam sollte man auch die Entwicklung von Proximity Sensoren (Umgebungssensoren) verfolgen, die sich mit anderen Dingen in ihrem Umfeld verbinden können. Diese Sensoren werden immer günstiger und kleiner. Die besondere Anforderung für den Einsatz mit Druckprodukten nennt sich jedoch „flach“. Bei NFC ist das schon gut umgesetzt und in printed electronics sehe ich sowohl eine Integration als auch eine Spezialdruckanwendung.

Eine weitere große Frage für die Auswahl geeigneter Technologien im Proximity-Bereich lautet, wie nahe müssen sich die Kommunikationspartner im Druckprodukt und beim Empfänger (beispielsweise ein Smartphone) kommen? NFC funktioniert ja nur bei einem sehr geringen Abstand, der ja fast der Berührung zweier Devices nahekommt. BLE-Beacons (deutsch „Signalstationen“) sind dagegen richtige Sender und Empfänger über eine größere Distanz. Erinnert sich jemand, wie er in seiner Kindheit noch mit Walkie-Talkies spielte? Die funktionierten bei mir nur zuverlässig bis 50 Meter (und den „Content“ konnte man sich auch laut zurufen, ohne den Sendeknopf gedrückt zu halten). So ungefähr sind auch die Entfernungen, die sich mit Beacons überbrücken lassen.

Sie haben jedoch einen Nachteil: Sie sind nicht flach. Die ersten BLE-Beacons sind sogar eher klobig und ich sage voraus, dass andere neue Sensortechnologien sich zeitlich früher in 2D-Druckprodukte integrieren lassen. Dennoch spielt Bluetooth Smart – so heißt Bluetooth Low Energy (BLE) mittlerweile auch offiziell – auch eine Rolle in Zusammenhang mit Druckprodukten. Axel Springer Ventures probiert das gerade in Bahnhofsbuchhandlungen aus.

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Druckprodukte als Signalstation – darüber sollte sich die Branche so langsam mal Gedanken machen.
-Bernd Zipper

 

Im Wide-Format-Bereich liegt hier noch eine mögliche Anwendung von Beacons: Riesenplakate und andere Druckprodukte (im öffentlichen Raum, am POS,…) registrieren, was vor ihnen so passiert. Sie stellen fest, wer geht also in unverändertem Tempo vorbei, wer bleibt stehen. Und ohnehin lässt sich festhalten, wer über die „Signalstation“ Druckprodukt in Interaktion tritt. EFI hat mit seinem Smart Sign Analytics System bereits eine vergleichbare Anwendung, jedoch ohne Interaktionsmöglichkeit, vorgestellt, bei der auch eine Webcam zum Einsatz kommt.

Die Internet-Dinge, die man mit sich herumträgt, also die Gegenstellen zu den (Druckprodukt-)Dingen, machen bei der Technologie-Umsetzung ebenfalls Kopfzerbrechen: Welche Technologie soll ich einsetzen, welche wird sich rasch verbreiten und so in die Hände von möglichst vielen gelangen? Bei bestehenden Anwendungen grenzt sich der potentielle Anwenderkreis auch noch zusätzlich ein: Erstmal muss die Proximity-Sendetechnik auch im Gerät „am Mann“ überhaupt verfügbar sein. Bei NFC scheiden da beispielsweise iPhone-Besitzer jetzt und in Zukunft aus. Und dann muss die Technik vom Anwender erst einmal aktiviert werden, er muss also im Voraus vom Nutzen überzeugt sein beziehungsweise davon profitieren. Wenn jetzt auch noch extra eine App installiert werden muss, um mit der Sendestation erst einmal zu kommunizieren, ist der mögliche Anwenderkreis noch weiter eingeschränkt.

In diesem Zusammenhang bin ich auf einen interessanten Startup aus Großbritannien gestoßen. Die Firma NewAer hat eine Proximity-Plattform entwickelt, die sich gleich mit mehreren Sendetechniken verständigen kann. Es spielt also keine Rolle, ob ein Gerät beispielsweise via GPS, Mobilfunknetz, Wifi, Bluetooth oder NFC sendet. Es wird von der NewAer-Technik registriert, hinterlässt einen „Fingerabdruck“ und die NewAer-Plattform verwertet den Fingerabdruck in der Cloud, um schließlich entsprechende Anwendungen auszulösen. Pairing und anderer Heckmeck sind dabei nicht nötig. Der Verbrauchsgüter-Großkonzern Unilever ist bereits auf diesen Startup aufmerksam geworden, der jetzt in einem Pilotprojekt eine Unilever-Anwendung entwickelt.

Das ist ein Zeichen für die Druckbranche, will sie nicht nur als Anbieter „klassischer“ Kundenansprache wahrgenommen werden. Auch Gutenbergs Jünger kommen nicht daran vorbei, sich um Lösungen für das Internet der Dinge zu bemühen.

P.S. Übrigens gilt dies auch für einen anderen Zusammenhang: Auch in der Logistik werden sich Prozesse wesentlich ändern.


Über den Autoren

Bernd Zipper
Gründer und CEO von zipcon consulting GmbH, einem der führenden Beratungsunternehmen für die Druck- und Medienindustrie in Mitteleuropa. Er ist Initiator der E-Business Print Online Studie (EPOS) und neben seiner Beratertätigkeit auch Autor, Dozent sowie gefragter Referent, Redner und Moderator. (Profile auch bei Xing, LinkedIn und GooglePlus). ---- Founder and CEO of zipcon consulting GmbH, a leading consultancy for the printing and media industry in Central Europe. He initiated the E-Business Print Online Studie (EPOS) and acts - in addition to his consulting activity - as an author, lecturer, speaker and moderator. See his profiles on Xing, LinkedIn and GooglePlus.

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