Printed electronics: Druckfarbenhersteller Sun Chemical kooperiert mit T+ink

26. März 2014, 12:45 Uhr | Hintergrund, Neues, Technik

Bei möglichen Anwendungen für printed electronics macht immer wieder die Firma T+ink von sich reden. In letzter Zeit sind mir bei diesem Unternehmen wieder verstärkt Neuheiten aufgefallen und ich denke, das ist ein Name, den man sich merken sollte. T+ink hatte vor kurzem in einer Anzeige im Magazin Wired 01/2014 die verantwortliche Rolle für einen echten Scoop gespielt. Via dieser Anzeige konnte der Leser mittels printed electronics ein Moto-X Smartphone in der Farbgebung direkt auf der gedruckten Anzeigenseite konfigurieren (siehe dazu auch das Video).

Die „thinking ink“ des Unternehmens ersetzt Leiterplatten und Kabel und ist in einer Vielzahl von Druckanwendungen denkbar. Viel Aufsehen erregen natürlich jene mit Kundenaktivierung (customer engagement) wie im Wired-Beispiel. Die Eigenentwicklung von T+ink macht schon Eindruck mit ihren Fähigkeiten: sie ist nicht nur leitfähig, sondern auch biegbar, dehnbar, feuerfest, ungiftig und kann auf eine Vielzahl von Materialien aufgebracht werden.

Ebenfalls im Konsumentenbereich werden Textilien mit printed electronics eine wichtige Rolle spielen – den Markt für E-Shirts (ha, ein neuer Begriff!) etwa sehe (nicht nur) ich deutlich wachsen. T+ink hat Anwendungen für gedruckte Sensoren für Fitness-Anwendungen und mehr. Wasch- und bügelbar.

Oder Markenschutz: Verpackungen von Markenprodukten können via printed electronics eine Echtheitsgarantie abliefern. Und beim Thema Verpackungen: Die sprechende Verpackung, die mitteilt, dass sie bald leer ist, ist auch denkbar. Davon abgesehen kann die „thinking ink“ auch in der Logistik eine Rolle spielen.

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Die denkende Tinte ist ja ein netter Marketing-Begriff, aber leitfähige Tinten werden in mehreren Druckanwendungen eine tragende Rolle spielen.
– Bernd Zipper

Die aktuellen Nachrichten über T+ink sind nun weniger technisch, zeigen aber die Positionierung der Firma auf. Der Investor Winnick & Company übernahm die Mehrheit an T+ink, gleichzeitig wurde dessen Chef Gary Winnick auch CEO der Firma. Und Sun Chemical, der weltgrößte Hersteller von Druckfarben und -pigmenten, schloss gerade eine Partnerschaft mit T+ink, die in die neu geformte Abteilung T+Sun einfliesst. Dort bündelt Sun Chemical seine Aktivitäten im Bereich leitfähiger Drucktinten. Mit im Rennen sind auch DuPont mit den Luxprint Inks und Merck mit mehreren Produktlinien wie livilux und lisicon.

Printed electronics in Form leitfähiger Drucktinten nimmt also weiter Fahrt auf, wird meiner Meinung nach massenrelevanter und nimmt dem RFID-Markt Anteile weg. Auch andere Firmen sind am Thema conductive inks dran und ich weiß von allen wichtigen Maschinenherstellern bei Commercial Inkjet, dass sie mögliche Partner für eigene Anwendungen im Auge haben oder selber entwickeln.

Agfa Graphics beispielsweise wird auf der InPrint in Hannover seine Entwicklung leitfähiger Tinten auf Nanosilber-Basis präsentieren und will noch dieses Jahr anwendungsreif liefern können. Der große Vorteil der Nanosilber-Tinten ist die weitere Miniaturisierung, außerdem sind Nanosilber-Tinten sehr leitfähig. Dazu hat Agfa eine eigene Druckanwendung entwickelt (so wie ich das verstehe, eine Kombination aus Siebdruck mit Sintering) und untersucht gerade den Einsatz in Inkjet-Verfahren.

Zum Schluss in dieser Sache noch ein Terminhinweis: Am 1. und 2. April, also nächste Woche, findet in Berlin die Printed Electronics Europe 2014 statt. Unter den Rednern: Der Cheftechniker von T+ink.

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