Der Cloud-Dienst Box wird zur Anwendungs-Plattform – auch für E-Business Print

27. März 2014, 11:21 Uhr | Hintergrund, Meinung, Neues, Technik

Cloud-Lösungen für Anbieter von E-Business Print Services gibt es jede Menge, wie ein Blick in unsere EPOS Studie beweist. Doch Vernetzung mit den Kunden ist ein kritischer Faktor, zumindest bei Unternehmenskunden. Und ein viel strapazierter Spruch besagt, man solle die Kunden dort abholen, wo sie sind. Nun, mir ging schon öfters der Gedanke durch den Kopf, wie sich das im Bereich Cloud Services verhält. Wie wäre es, als Druckdienstleister an den von den Kunden ohnehin genutzten Cloud Service andocken zu können? Oder zumindest mit ihm in einem Cloud-Dienst kooperieren, den er auch sonst sinnvoll einsetzen kann? Wer als Mediendienstleister hier auch noch weitere Dokument-basierte Dienste anbieten kann, hat dabei noch bessere Karten.

Um Dienste in einen Cloud Service zu integrieren, sollte dieser einigermaßen „intelligent“ sein. Und das ist mehr als das Geschäftsmodell beispielsweise von Dropbox anbietet. Dropbox wird vor allem als cloud storage wahrgenommen, weniger als Plattform, auf der eigene Dienste aufgesetzt werden können. Windows Azure geht da schon eher in die Richtung, die ich mir vorstelle. Und alle Cloud-Dienste, die sich ernsthaft an Unternehmensanwender wenden, werden nur als Plattformen funktionieren. Das heißt, Entwickler können eigene Lösungen aufsetzen und den Cloud-Dienst so besser in ihre eigenen Anwendungen integrieren.

Nun hat auch Box, der wenig stille Mitbewerber von Dropbox, den Kurs geändert. Box setzt nun voll auf Plattform. Für mich ist Box schon dadurch interessant geworden, dass Box die Firma Crocodoc aufgekauft hatte. Die auf HTML5 basierende gleichnamige Viewer-Technologie ist eine der besten plattformunabhängigen Viewer für PDF- und Office-Dokumente. Crocodoc wurde in Box View umgetauft und seit gestern offiziell in die Box-Dienste integriert. Box View ist der erste Zusatzdienst, der von Entwicklern angepasst werden kann. Zusätzlich stellt Box mit viewer.js auch Open Source für Entwickler auf github bereit.

Um als Plattform voranzukommen, wendet sich Box gezielt an die Entwicklergemeinde. Je mehr Entwickler, umso mehr Anwendungen entstehen auf Grundlage der Plattform. Inzwischen zählt die Box-Plattform bereits 35 000 Entwickler und hält gerade seine erste große Entwicklerkonferenz ab. Der Plan scheint aufzugehen – und alle Industrien werden adressiert (Stichwort „abholen“).

Zipperkopf_GuteNachricht

Box-Cloud-Dienste als „Zutat“ in E-Business Print Services werden wir in Zukunft öfters sehen.
– Bernd Zipper

Eine andere Unterscheidung ist ebenfalls wichtig. Während andere Cloud-Services ihre Dienste „per seat“, also nach Anzahl der Nutzer, anbieten, setzt Box nun auf die Abrechnung nach Anzahl der API-calls. Dazu gibt es mehrere Preismodelle und auch verhandelbare. Wie teuer einem Box nun genau zu stehen kommt, vermag ich jetzt nicht zu sagen, aber für E-Business Print Services macht dieses Preismodell grundsätzlich Sinn.

Auf der Entwicklerkonferenz wurde auch ein laufendes Projekt namens Metadata öffentlich gemacht. Das Wort alleine dürfte Druckdienstleistern genug mitteilen. Metadata fügt Box-Inhalten eine Kontextebene hinzu und ist Teil der Box Content API. Im Zusammenhang mit E-Business Print heißt dies vor allem: Personalisierung. Beispielsweise kann sich ein Reisebüro-Kunde anhand der Metadata-Informationen einen personalisierten Reiseführer zusammenstellen (lassen), der dann in Print-on-demand gedruckt wird.

Box ist also in meinen Augen derjenige unter den großen Cloud-Diensten, den es besonders zu beobachten gilt. Als „Zutat“ in E-Business Print Services wird es in Zukunft mit Sicherheit öfters auftauchen. Drucker können sich aber auch heute schon direkt mit Box auseinandersetzen. Denn Box vermag bereits stand-alone ftp-Dienste ersetzen. Und ftp-Dateiuploads in der Form, wie ich sie heute in vielen Druckerei-Portalen sehe, sind ja sowas von gestern…

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